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Brandschutz in Rechenzentren

Risiken minimieren

Bei einem Brand im Rechenzentrum kann schnell die Existenz eines Unternehmens auf dem Spiel stehen: Nicht nur hohe Sachschäden, sondern auch der Verlust von essenziellen Daten sind mögliche Folgen. Durch gute Risikomanagementberatung können Industriesachversicherer dazu beitragen, Brände in Rechenzentren zu verhindern oder zumindest das Schadenausmaß zu minimieren.

Rechenzentren zählen zu den sichersten Gebäuden überhaupt. Neben hohen Zäunen, Überwachungs- kameras und einer biometrischen Zugangskontrolle sind moderne Rechenzentren mit komplexen Kühl-, Strom- und Löschanlagen ausgestattet, um die sichere und stabile Funktion der Datenträger zu gewährleisten. Besonders der Serverraum – das Herzstück eines Rechenzentrums – muss speziell vor Risiken geschützt werden.

Grundvoraussetzungen

Laut Aussage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sollten potentielle Gefährdungen durch Umgebungseinflüsse wie EMV-Störquellen oder Fremdpartikel durch eine gründliche Wartung und Reinhaltung minimiert werden. Außerdem sollten die Versorgungsleitungen des Gebäudes für Wasser und Gas nicht durch sensible Bereiche des Serverraums verlaufen, um Wassereinbrüche oder Gasbrände zu vermeiden. Um die wertvollen Daten im Serverraum zu schützen, sorgen Kühlsysteme und re dundante Stromquellen für die ideale Klimatisierung und eine unterbrechungsfreie Stromversorgung der Hardware. Bei überlasteten Kabeln und Netzteilen im Serverraum kann eine Überhitzung schnell zu einem Schwelbrand führen. Auch deswegen sind Rechenzentren in der Regel mit Kühl und Rückkühlanlagen ausgestattet, um die richtigen Bedingungen zu gewährleisten.

Risiken verstehen

Trotz modernster Technik und regelmäßiger Wartung ist ein Brand im Rechenzentrum jedoch nie ganz ausgeschlossen. Aufgrund der kontinuierlichen Klimatisierung des Raumes kann Brandrauch möglicherweise nicht umgehend von den Rauchmeldern erfasst werden. Wird ein Feuer nicht frühzeitig erkannt, kann es sich in kürzester Zeit ausbreiten. Weitet sich ein Kabelbrand aus, führt dies möglicherweise schnell zu einer Verrußung und Korrosion der Hardware und stellt wegen gefährlicher Brandgase eine hohe Personengefährdung dar. Auch das Ausmaß der Sachschäden ist nicht zu unterschätzen. Laut einer Studie des Ponemon Instituts aus dem Jahr 2016 kostet ein Serverausfall ein Unternehmen pro Minute ungefähr 8.000 Euro. Mit einer durchschnittlichen Störung von 95 Minuten steigen Kosten schnell in den sechsstelligen Bereich. Sind Daten langfristig durch einen Brand beschädigt oder zerstört, können die Schäden sogar zu weitaus längeren Betriebsunterbrechungen führen.

Notfallplan erarbeiten

Um teure Schäden zu verhindern oder zumindest zu minimieren, sollten sich Unternehmen für den Ernstfall rüsten. Was passiert zum Beispiel, wenn tägliche Nutzerdaten auf einem Server liegen, der von einem Brand betroffen ist? Hier ist es ratsam, Datenträger, die kritische Software bearbeiten, zusätzlich speziell zu schützen und zum Beispiel in einem feuer- und einbruchssicheren Safe aufzubewahren. Mit einer externen Auslagerung lassen sich Informationen kontinuierlich sichern und sind kurzfristig verfügbar.

Brandforschung unterstützt Risikomanagement

Um die aktive Schadenvermeidung von Brandrisiken in Rechenzentren zu verbessern, erforschte FM Global in Zusammenarbeit mit der amerikanischen National Fire Protection Association (NFPA) die Rauchausbreitung in Rechenzentren. Hierfür wurde im eigenen Forschungszentrum, dem „Research Campus“ in Rhode Island (USA), ein „typisches“ Rechenzentrum nachgebaut und an drei Stellen mit Rauchmeldern ausgestattet, um die Wege des Rauches genau zu studieren. Die Ergebnisse der Studie „Experimental Data for Model Validation of Smoke Transport in Data Centers“ zeigen unter anderem, dass der Rauch durch die Luftumwälzung verdünnt wird und dass Deckenfeuermelder Brände am verlässlichsten erkennen. Anhand der Studie wird klar: Ein Brand muss schnellstmöglich erkannt und entsprechend eingedämmt werden. Um dies zu gewährleisten, sind hochmoderne Rechenzentren zum Beispiel mit Ansaugrauchmeldesystemen ausgestattet, um schon in der frühen Pyrolysephase kleinste Rauchpartikel festzustellen. Wird ein Brand erkannt, müssen Lüftungsanlagen umgehend abgeschaltet werden, um anliegende Bereiche zu schützen und die Verbreitung von giftigem Rauch über das Belüftungssystem zu stoppen.

Hilfe durch Externe

Wie viele Schäden ist auch ein möglicher Brand in einem Rechenzentrum durch aktives Risikomanagement und die entsprechenden Sicherheitsanlagen vermeidbar. Um Risiken zu minimieren, ist es ratsam, sich stets über Verbesserungen im Brandschutz in Rechenzentren zu informieren. Externe Berater wie FM Global können helfen, dass teure Schäden durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen vermieden werden.

Frank Drolsbach, Operations Engineering Manager bei FM Global