Das Schlüsselgerät 41 wurde von den Wanderer-Werken in Chemnitz im Auftrag des Heereswaffenamts entwickelt. Für den mobilen Einsatz war sie mit 13,5 Kilogramm zu schwer, da Leichtmetalle nicht mehr ausreichend zur Verfügung standen.
Foto: Auktionshaus Hermann Historica GmbH

Verschlüsselung

Sammler ersteigert Hitlermühle für fast 100.000 Euro

Die Hitlermühle verschlüsselte im Zweiten Weltkrieg Nachrichten. Bis heute versteht niemand, wie genau. Jetzt hat die mysteriöse Maschine einen neuen Besitzer.

Von Bernd Schöne: Sie ist ein Mysterium, und wird es wohl auch noch lange bleiben. In den letzten Kriegsmonaten wurde in bestimmten Bereichen des dritten Reiches das ins Gerede gekommene Verschlüsselungsgerät Enigma durch die so genannte Hitlermühle ersetzt. Das "Schlüsselgerät 41", wie es korrekt heißt, konnte von den Alliierten nicht entschlüsselt werden. Hätte sich auch die Marine von der Enigma verabschiedet und wäre zur Hitlermühle gewechselt, wäre der Kriegsausgang eventuell ein anderer gewesen.

Verschlüsselung mit mechanischer Kurbel

Schon allein aus diesem Grund ist das Verschlüsselungsgerät bei Kryptologen, aber auch in der zeitgeschichtlichen Forschung von hohem Interesse. Zum Mythos wurde die Maschine, weil sie bis heute niemand wirklich versteht. Konstruktionsunterlagen gibt es nicht mehr – zumindest sind keine bekannt – und der Konstrukteur der Maschine, der Kryptologe Fritz Menzer (1908-2005) weigerte sich nach dem Krieg über Jahrzehnte, seine Geheimnisse preiszugeben.

Den Spitznamen "Hitlermühle" trägt das Gerät, weil jeder Verschlüsselungsvorgang rein mechanisch erfolgt, und der Nutzer dazu eine Kurbel drehen muss, ganz ähnlich wie bei einer alten Registrierkasse. Eine Variante mit Elektromotor wurde zwar geplant, kam aber nicht mehr zum Einsatz.

Kryptologen und Forscher stehen vor einem Rätsel

Die wenigen noch erhaltenen Hitlermühlen überdauerten den Krieg in Erddepots oder unter Wasser. Ihr Zustand ist entsprechen schlecht. Das Münchner Auktionshaus Hermann Historica versteigerte Ende Mai eines der wenigen vollständigen und gut erhaltenen Exemplare. Sogar die Papierstreifen sind noch eingelegt. Anders als die Enigma druckt die Hitlermühle jeden Buchstaben des zu verschlüsselnden Textes auf zwei Papierbändern. Auf dem einen Streifen erscheint der Klartext, auf dem anderen die verschlüsselte Botschaft.

Für 98.000 Euro ersteigerte ein irischer Privatsammler die legendäre Maschine. Leider wurde das Verschlüsselungsgerät vor der Versteigerung nicht wissenschaftlich untersucht. So werden viele Geheimnisse im Innern wohl noch lange geheim bleiben. Aber immerhin konnte ein Spezialist unmittelbar vor der Versteigerung beweisen, dass die Hitlermühle wirklich funktioniert, wie das Video zeigt, das dem Betrachter Einblicke in die Verschlüsselungsmechanik gewährt und vielleicht ein erster Schritt sein könnte, die letzten Geheimnisse der Hitlermühle zu entschlüsseln.