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Brandvermeidung im Hochregallager

Schwerwiegende Gefahren

Die Kern & Sohn Waagen- und Gewichtefabrik ist seit über 170 Jahren spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Präzisionswaagen. Bisher besaß das Unternehmen für seine Ware vier kleinere Lager. Mit dem Neubau des Hochregallagers am Firmenstandort Balingen wurden diese zusammengeführt, sodass eine individuell zugeschnittene Brandschutzlösung gefragt war.

Im Zuge der Logistik-zentralisierung erfolgte auch eine Erweiterung der Lagerkapazitäten. Das neue, vollautomatisierte Hochregallager umfasst 50.000 Kubikmeter mit 26 Meter hohen Regalsystemen und wurde direkt an das ebenfalls neu erstellte Werksgebäude angegliedert. Nach Baubeginn im Oktober 2014 ging das Lager nur ein Jahr später in Betrieb: Präzisionswaagen, Zählwaagen, Wiegehubwaagen, Prüfgewichte und Schichtdickenmessgeräte sowie elektrische Komponenten für die Waagen werden dort logistisch verwaltet und für den weltweiten Versand konfektioniert. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung sei zu erwarten, dass auch dieses Lager schnell ausgelastet sein wird, sagt Albert Sauter, Managing Director von Kern & Sohn. Das Grundstück für einen Ausbau bis 2020 ist bereits vorhanden.

Das vollautomatisierte Hochregallager ist in zwei Bereiche aufgeteilt: das Kleinteilelager und das Palettenlager. Speziell beim Kleinteilelager müssen die Regalbediengeräte besonders präzise arbeiten, was bei der großen Höhe der Regale und dem geforderten Arbeitstempo nur mittels einer besonderen Antriebstechnik funktioniert. Diese wurde speziell für den Einsatz bei Kern & Sohn konzipiert. Neben dieser Investition hat das Unternehmen zusätzlich in ein extra entwickeltes Ladeaufnahmegerät investiert. Da die Produkte in unterschiedlicher Größe und Verpackung eingelagert sind, muss das Ladeaufnahmegerät diese variabel aufgreifen und auf das Warenförderband heben können. „Das gibt es noch nirgendwo sonst“, so Albert Sauter.

Brandrisiko im Hochregallager

Bei Betrachtung des Brandrisikos im neuen Hochregallager von Kern & Sohn geht von den eingelagerten Waagen und Waagenelementen selbst kein Brandrisiko aus. Als selbsttätige Zündquellen kommen, abgesehen von Sabotage, Brandstiftung oder Blitzeinschlag, nur elektrische Bauteile in Frage, wie zum Beispiel das Beleuchtungssystem oder die Fördertechnik. Bei einem Defekt oder einem Kurzschluss können diese einen Brand auslösen. Diese Einschätzung deckt sich mit dem Ergebnis der Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, worin die häufigsten Ursachen bei Lagergroßbränden in überlasteten Elektronikbauteilen, wie Antriebsmotoren oder Regalbediengeräten, liegen.

Innerhalb des Lagers stellen die Verpackungsmaterialien, vornehmlich Kartonagen, eine hohe Brandlast dar. Hohe Regale und schmale Zwischenräume bieten zudem ideale Bedingungen für eine schnelle Brandausbreitung bis unter die Hallendecke und machen eine Brandlöschung mit konventionellen Mitteln (Schaum oder Wasser) schwierig. Eine Löschung in den hohen Ebenen gestaltet sich zudem für die Feuerwehrkräfte als nahezu unmöglich. Ist ein Brand erst richtig ausgebrochen, wäre das Schadensausmaß enorm: Der Verlust der versandfertigen Spezialwaagen sowie der investitionsintensiven Lagertechnik hätte für Kern & Sohn schwerwiegende Folgen in der Prozess- und Lieferkette. „Die Ware ist wertvoll, und die tatsächliche Lieferbereitschaft ist uns noch mehr wert. Daher auch die Investitionen in guten Brandschutz durch Brandvermeidung“, begründet Sauter seine Entscheidung für die Brandschutzlösung der Wagner Group.

Maßgeschneiderter Brandschutz

Das ursprüngliche Brandschutzkonzept zum Bauvorhaben sah zunächst eine Sprinkler anlage vor. Der für den Lagerneubau zuständige Architekt hatte während eines anderen Projektes jedoch Erfahrungen mit der Brandvermeidungstechnologie Oxyreduct von Wagner gemacht. Mit ihren Vorteilen überzeugte er Firmenchef Albert Sauter – unter anderem mit dem Argument, dass der Einsatz eines Brandvermeidungssystems nicht zu Einschränkungen in der Lagerkapazität führt, wie es bei einem Sprinklersystem der Fall wäre. Außerdem ist Löschwasseranfall auf den Regalen statisch zu berücksichtigen, was stärker ausgelegte Regalsysteme erfordert hätte. „Schäden durch Sprinklerwasser sind absolut zu vermeiden“, sagt Sauter.

Kern & Sohn Seit seiner Gründung 1844 produziert das Unternehmen der Inhaberfamilie Sauter im süddeutschen Raum Analyse- und Präzisionswaagen. Kern & Sohn lag nach ihrer Gründung bereits bei einer Jahresproduktion von beachtlichen 10.000 Waagen. Seit dem Jahr 2000 befindet sich der Sitz des Unternehmens mit seinen über 100 Mitarbeitern im schwäbischen Balingen. Am neuen Standort verkauft Kern & Sohn in den ersten zehn Jahren mehr als eine Million Waagen. Mit einem Exportanteil von rund 60 Prozent erzielt das Unternehmen heute einen Großteil seines Umsatzes im Ausland. Das weltweit tätige Unternehmen wird bereits in der siebten Generation familiengeführt.

Für die Brandvermeidung mittels Sauerstoffreduzierung wurden zwei Vaccuum Pressure Swing Adsorption (VPSA)-Anlagen mit einer Stickstoffproduktionsmenge von je 240 Kubikmeter pro Stunde verbaut. Voraussetzung für den Betrieb der Anlagen und die Gewährleistung der Energieeffizienz ist eine ausreichende Dichtheit der Halle – der n50-Wert. Dadurch kann die Restsauerstoffkonzentration sicher und konstant niedrig gehalten werden, um eine brandhemmende Schutzatmosphäre zu erzeugen. Aufgrund der vollständigen Automatisierung der Ein- und Auslagerungen, wird der Sauerstoffanteil in dem Lager von 20,9 Volumenprozent (normale Umgebungsluft) auf 13,7 Volumenprozent reduziert. Das Restsauerstoffniveau ist von der VdS Schadenverhütung zur Brandvermeidung vorgegeben und bezieht sich auf das Brandrisiko der eingelagerten Waren verpackt in versandfertigen Kartons.

Die Begehbarkeit des Lagers bleibt dennoch für autorisiertes Personal erhalten, um zum Beispiel Wartungsarbeiten durchzuführen. Zusätzlich sind zur Brandfrüherkennung Ansaugrauchmelder des Typs Titanus Pro-Sens installiert worden. Durch eine permanente Luftprobenentnahme wird eine frühestmögliche Detektion sichergestellt. Da schon geringste Mengen Rauch für die Waagen schädlich sind, setzt der Waagenhersteller auf hochempfindliche Rauchmelder mit Logic-Sens und High-Power-Light-Source-Technologie (HPLS). Diese sind bis zu 2.000-mal sensibler als normale Punktmelder und gleichzeitig täuschungsalarmsicher. Mit der aktiven Brandvermeidung Oxyreduct bietet Wagner dem Unternehmen Kern & Sohn eine Brandschutzlösung, die nicht nur individuell auf das Lager zugeschnitten ist, sondern sowohl die Ware als auch die Investitionen des Unternehmens nachhaltig schützt und somit die Lieferverpflichtungen sichert.

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Brandvermeidungs-Technologie

Unter Druck gesetzt

Lager, Rechenzentren und Archive: Sie alle sind auf einen effizienten und absolut zuverlässigen Brandschutz angewiesen. Laut Statistik bricht alle zwei Minuten in Deutschland ein Feuer aus und richtet nicht selten einen erheblichen Schaden an. Einen solchen Vorfall kann sich kein Unternehmen leisten.

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Brandvermeidung im Hochregallager

Rund um die Uhr geschützt

Exakt 320 Kabelbäume pro Stunde, rund um die Uhr, jeden Tag – aus einem vollautomatisierten Just-in-Sequence-Lager in Norddeutschland versorgt die Imperial Automotive Logistics GmbH vier Montagelinien eines Automobilherstellers mit Kabelbäumen. Redundante Systeme stellen sicher, dass der Warenfluss niemals abreißt.

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Forschung zu Regalsprinklersystemen

Sprinkler statt Insolvenz

Sprinkler sind kleine Multifunktionstalente. Bei einem Brand werden sie direkt aktiv, beginnen mit den Löschmaßnahmen und alarmieren sowohl die Belegschaft als auch externe Rettungskräfte. Finanzielle Verluste für den Betrieb können dadurch verhindert werden.