BDSW- und BVSW-Sicherheitstage

Sensible Trennung Polizei und Privaten

Teil 2

Auf eine langfristige Zusammenarbeit mit einem Sicherheitsdienst legt der Leiter Konzernsicherheit bei der Linde AG, Reinhard Noske, Wert. Wer einen zuverlässigen Partner gefunden habe, könne sich Zeit und Einarbeitungs-aufwand sparen. „Dabei muss die Qualität natürlich stimmen“, so Noske. „Qualität erreicht man durch eine qualifizierte Ausbildung, die natürlich Zeit und Geld kostet“, rückte er den Mitarbeiter und Mensch in den Mittelpunkt der Diskussion, und ergänzte: „Der nötige Respekt gegenüber dem Dienstleister sorgt zudem dafür, dass sich die Sicherheitsmitarbeiter auch mit dem Auftraggeber und ihrem Einsatz dort identifizieren können.“

Qualität soll nichts kosten

Hans-Georg Heinrich (Geschäftsführer Securitas Sicherheit & Service GmbH) sprach ein Problem an, mit dem Sicherheitsdienstleister immer wieder zu kämpfen haben, nämlich dass Auftraggeber oft nicht bereit sind, für Qualität zu bezahlen. Das wichtigste Kriterium der Zuschlagsverteilung – übrigens nicht nur bei öffentlichen Vergaben – sei auch heute noch der Preis. „Nicht das wirtschaftlichste Angebot erhält den Zuschlag, sondern das billigste. Und das selbst, wenn es die Ausschreibungskriterien nur auf dem Papier erfüllt“, fasste Heinrich zusammen und gab das Beispiel einer Briefkastenfirma, die dem Kunden eine Repräsentanz vor Ort vorgaukeln sollte (und konnte). Auch fehlendes Risikomanagement oder Qualitätsmanagement sei mitnichten ein K.O.-Kriterium.

Geringe Einstiegsbarrieren führten zudem dazu, dass sich derzeit rund 4.000 Wettbewerber unterschiedlichster Qualität auf dem Markt der Sicherheitsdienstleistungen tummelten. „Eine Auftragsvergabe sollte auf einer Symbiose aus Kostenbewusstsein und Expertise basieren. Die Entscheidungskompetenz beim Thema Sicherheit liegt schlichtweg nicht beim Einkauf“, stellte Heinrich fest. Die Branche rief er indes dazu auf, den Servicegedanken mehr zu leben: „Das Wort Dienstleister enthält das 'Dienen', auf das wir uns – auch wenn sich die Deutschen mit dem Begriff schwer tun – wieder mehr besinnen sollten.“

Überalterung und Image-Probleme

Ulrike Sommer von der Agentur für Arbeit München lenkte den Blick der Teilnehmer auf ein demografisches Problem, das besonders die Sicherheitsdienstleister betreffen wird: „Die personenstarken Beschäftigungsjahrgänge gehen in 15 bis 25 Jahren in Rente und die nachfolgenden schwächeren Jahrgänge können den Ersatzbedarf nicht decken.“ Zudem komme hinzu, dass der Anteil älterer Beschäftigter in der Sicherheitswirtschaft überdurchschnittlich hoch sei.

Freie Stellen in der Sicherheitsbranche können in München statistisch erst nach 130 Tagen besetzt werden, während der Durchschnitt aller Branchen bei nur 70 Tagen liegt. Sommer legte auch drastische Zahlen vor, die nicht nur den geringen Frauenanteil (21,3 Prozent), sondern auch die niedrige Zahl der Auszubildenden (0,4 Prozent) und die hohe Abbruchquote bei den Ausbildungen in der Münchner Sicherheitsbranche belegten. Um Abhilfe zu schaffen, schlug sie vor, die Arbeitsbedingungen attraktiver zu gestalten, Teilzeit-Jobs anzubieten und am Image der Sicherheitsdienste zu arbeiten.

Dem pflichtete auch Ingo Harms vom Verdi-Landesbezirk Bayern bei: „Das Branchenimage muss verbessert werden. Hier könnten Tarifverträge als Aushängeschild der Branche dienen.“ Zudem seien Führung und Unternehmenskultur wichtig, ebenso eine Verbesserung der Arbeitskonditionen beispielsweise bei Schichtarbeit. „Akzeptable Arbeitsbedingungen sind nötig, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, lautete auch das Fazit, das Rainer Erhardt als der Vorsitzende des Arbeitskreises Jobinitiative Sicherheitswirtschaft des BDSW zog. Wolfgang Wipper (Vorsitzender des BVSW) brachte es auf den Punkt: „Von den Zwischenparkern aus überqualifizierten Berufen bleiben manche bei den Sicherheitsdienstleistern hängen – aber nur, wenn Vertrauen, Image und Qualität stimmen.“

Britta Kalscheuer

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Foto: Kalscheuer

BDSW- und BVSW-Sicherheitstage

Sensible Trennung von Polizei und Privaten

Rund 100 Teilnehmer folgten am 16. und 17. Oktober 2012 der Einladung zu den 1. Gemeinsamen Bayerischen Sicherheitstagen, die BVSW und BDSW ausgesprochen hatten. Auf der Agenda standen aktuelle Herausforderungen für private Sicherheitsdienste: Mindestlohn, Qualität, Zertifizierung, Demografie und Abgrenzung zum Polizeidienst.

Foto: Arning/BDSW

BDSW/BVSW

2. Gemeinsame Bayerische Sicherheitstage

Am 18. und 19. Juni 2013 fanden in München die zweiten gemeinsamen Bayerischen Sicherheitstage von BVSW und BDSW statt. In diesem Jahr standen die Außendarstellung und Imagebildung bei Bayerns Sicherheitsdienstleistern auf der Agenda.

Foto: Kalscheuer

Bayerischer Sicherheitstag von BDSW und BVSW

Sicherheit in der Zukunft

Beim 7. Bayerischen Sicherheitstag von BDSW und BVSW in München standen die großen Fragen der Sicherheitswelt auf der Agenda: Wie entwickelt sich die Branche? Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen? Wo liegen die Sicherheitsrisiken von morgen? Und warum sehen wir Donald Trump nie lachen?