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Fluchtweg-Regelungen

Sicher auch im Panikfall

Die deutschen Richtlinien und europäischen Normen behzüglich der Gestaltung von Flucht- und Rettungswegen sind nur wenig kohärent formuliert. Was der Gesetzgeber nicht klärt, ist im Einzelfall vom Planer oder Sachverständigen zu entscheiden.

Der deutsche Gesetzgeber sieht für die Gestaltung von Türen in Flucht- und Rettungswegen keinen detaillierten Regelungsbedarf. „Türen der jeweiligen Rettungswege müssen jederzeit von innen leicht und in voller Breite geöffnet werden können“, heißt es ganz allgemein. Eine Beschreibung des Anwendungsfalls liefert der Gesetzgeber nicht.

In der Praxis führt dies immer wieder zur Verwirrung. Müssen gesicherte mechanische Notausgangstüren mit einem Handgriff zu öffnen sein, wie es die EN 179 vorschreibt? Wenn mechanische Panikschlösser entriegeln, sobald Personen gegen die Tür gedrückt werden, warum sind dann elektrische Türverriegelungen in Bereichen zulässig, in denen es zur Panik kommen kann?

Ein Blick ins benachbarte Österreich weist in Richtung einer sinnvollen Weiterentwicklung der Planungspraxis. Das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit zieht aus den unterschiedlichen Sicherheitsstandards der EN 1125 und Richtlinie über elektrische Verriegelungssysteme von Türen in Rettungswegen (EltVTR) seinen Schluss: „In Bereichen mit sehr großen Menschenansammlungen (zum Beispiel Kinos, Diskotheken) sind derartige Systeme (Verfasser: elektrische Türverriegelungen) aus Sicht des Arbeitnehmer/innen-Schutzes nicht geeignet.“

Rudolf Mark, Geschäftsführer des Brandschutzforums Austria, erläutert: Paniktürbeschläge nach EN 1125 müssen das Schloss bei gleichzeitigem Druck auf das Türblatt innerhalb von einer Sekunde freigeben. Mit einem neben der Türe positionierten Notöffner ist dies nicht zu gewährleisten. Ferner ist davon auszugehen, dass eine höhere Personenanzahl gleichzeitig am Notausgang ankommt und es den ersten Personen nicht möglich ist, den Entriegelungsmechanismus neben der Tür überhaupt zu erreichen.

Verschiedene Panikbeschläge mit integrierter Alarmfunktion drängen deshalb derzeit auf den Markt. Manche Lösungen verfügen über potentialfreie Kontakte, andere bieten eine beschlagintegrierte elektrische Verriegelung, die über einen externen Notschalter angesteuert wird. Wieder andere Lösungen haben den Alarm und gegebenenfalls den Notschalter im Beschlag integriert.

In einem deutschen Flughafenneubau spielte der Sicherheitsaspekt für die Bahnreisenden im Panikfall eine zentrale Rolle. Da der Fluchtweg vom S-Bahnsteig ins Freie durch den Technikraum führt, musste dieser so abgesichert werden, dass die Fluchtbewegung nicht durch zu hohe Hemmschwellen gestört wird. Aus diesem Grund hat man sich gegen die elektrische Türverriegelung und für die GfS e-Bar in Verbindung mit mechanischen Panikschlössern entschieden. Zur selben Entscheidung kam man auch im Stadion Thun. Laut Produktmanager des eidgenössischen Schlossherstellers spielte bei der Wahl einer geeigneten Fluchtwegsicherung die Sicherheit der Stadionbesucher im Panikfall eine wesentliche Rolle wie auch die umfassende Integration der Lösung in die Gebäudeleittechnik.

Auch in einer Leipziger Förderschule hat man sich für die beschlagintegrierte Fluchtwegüberwachung entschieden. Ausschlaggebend war, dass eine Druckstange mit hinterleuchtetem Display Schüler und Hausmeister unterstützt, den aktuellen Status der Tür zu erkennen, und die Gefahr von Fehlalarmen reduziert. Im Panikfall stellt die Druckstange kein unüberwindbares Hindernis für die Menschen mit Behinderung dar.

Druckstangen mit integrierter Alarmfunktion können zukünftig sowohl für mechanische als auch für elektrische Türverriegelungen zum Einsatz kommen. Denn erstmalig sieht die prEN13637 die Möglichkeit vor, den Notschalter im Beschlag zu integrieren. Damit könnten in Deutschland elektrische Türverriegelungen so gestaltet werden, dass sie den Sicherheitsstandards der EN 1125 entsprechen.

Martin Grell, GfS mbH

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Sicherung von Notausgangstüren

Mit Hemmschwelle ins Freie

Einen großen Teil seiner Zeit, während der Arbeit oder in der Freizeit, verbringt der Mensch in geschlossenen Räumen. Oft weiß er zwar, wie er in ein Gebäude hineinkommt, nicht aber, welcher der sicherste und schnellste Weg wieder hinaus ist. Wie steht es dann um die Sicherheit im Brandfall? Und welche Erwartungen stellt man an einen sicheren Fluchtweg?

Der Haupteingang eines Kindergartens ist immer auch ein Flucht- und Rettungsweg. Alle Menschen, die dazu in der Lage sind, müssen selbständig das Gebäude verlassen können.
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Schließsysteme

Wie Kindergarten-Eingänge normgerecht gesichert werden

An Eingängen von Kindergärten werden oft Lösungen eingesetzt, die nicht durch Normen gedeckt sind. Dies birgt erhebliche Haftungsrisiken. Warum ist das so?

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Missbrauch von Fluchtwegen

Hohe Hemmschwelle

Allgemein gilt: „Türen der jeweiligen Rettungswege müssen jederzeit von innen leicht und in voller Breite geöffnet werden können.“ Was aber ist, wenn Rettungswege missbräuchlich genutzt werden?

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Fluchtwege absichern

Viele Lösungsmöglichkeiten

Flucht- und Rettungswege sowie Notausgänge haben Menschen einen barrierefreien und kurzen Weg ins Freie oder in sichere Gebäudeteile zu ermöglichen. Gleichzeitig ist eine zuverlässige Zugangskontrolle essentiell, um Unbefugten das Eindringen zu unterbinden.