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Wettbewerbsvorteil im Handel

Sichere Lieferkette

Der Transport über tausende von Kilometern erfordert eine ausgefeilte Logistik, damit Unternehmen effizient und profitabel arbeiten können. Unterbrechungen der Lieferkette können schwerwiegende Folgen sowohl für die Wirtschaft als auch den Staat selbst haben.

Supply Chain Security oder auch Sicherheit der Lieferkette ist für produzierende wie für verteilende Unternehmen mit einem Versorgungsauftrag, der dem Bereich der kritischen Infrastrukturen zuzurechnen ist, Grundvoraussetzung für den reibungslosen Ablauf. Die Akteure sollten demnach ein hohes Interesse haben, mögliche Schwachstellen in ihren Lieferketten zu identifizieren und durch ein entsprechendes Risikomanagement zu beheben beziehungsweise zumindest zu minimieren.

Allerdings sind sich viele Unternehmen des möglichen Risikos eines Ausfalls, der vielfältige Ursachen haben kann, nicht bewusst. Dazu zählen nicht nur bewusste Eingriffe in die Lieferkette wie Diebstahl oder der Austausch von Ladung durch augenscheinlich gleiche, aber minderwertige Ware, sondern auch Ereignisse wie Naturkatastrophen, Großschadensereignisse oder auch Pandemien und internationale Konflikte.

Ein bewusster terroristischer Angriff auf die Lieferkette oder deren Missbrauch für einen solchen stellt ebenfalls ein Risiko dar, das oft für Unternehmen gerade im innerdeutschen Raum eine eher abstrakte Gefahr bedeutet, gegen die sich nur schwer schützen lässt. Dies wird zudem eher als Aufgabe des Staates gesehen. In der Politik und bei Betreibern kritischer Infrastrukturen und Versorgern ist man sich dagegen dieser potenziellen Gefahren durchaus bewusst, weswegen sie terroristische Aktionen auch in ihrem Krisenmanagement berücksichtigen.

Bewusstsein schaffen

Damit ein Unternehmen eine sichere Lieferkette implementieren kann, muss es sich über verschiedene Faktoren Gedanken machen: Die Notwendigkeit einer solchen Sicherung, ihre Realisierbarkeit und die Kosten.

Die Notwendigkeit ergibt sich neben der Vermeidung von finanziellen Schäden schon aus möglichen Wettbewerbsvorteilen, was sowohl die eigentliche Sicherheit der Lieferkette als auch die Außenwirkung gegenüber Kunden angeht. Wettbewerber, die sich nicht in dem Maße um eine entsprechend stabile Logistik bemühen, können schnell ins Hintertreffen geraten, sollte es zu einem Schadensereignis kommen. „Dabei ist zu beobachten, dass die zahlreichen Normen und gesetzlichen Regelungen in den jeweiligen Ländern oder auf supranationaler Ebene nicht selten mit den Vorstellungen und den Prozessen in den Unternehmen nicht zusammenpassen“, so Prof. Dr. Thorsten Blecker vom Institut für Logistik und Unternehmensführung der Technischen Universität Hamburg-Harburg.

Verschiedene Transportwege

Güter werden heutzutage auf verschiedene Arten transportiert: auf der Straße, per Zug, zur See und in der Luft. Die Straße hat den Vorteil der größten strukturellen Durchdringung, die auch entlegene Orte verbindet beziehungsweise diese für Güter erreichbar macht.

In den letzten Jahren ist hier bei Speditionen in Europa allerdings ein erhöhtes Aufkommen an Diebstählen und Übergriffen zu verzeichnen. Der Transport zur Schiene ist zumindest in den Industriestaaten als ziemlich sicher einzustufen, doch gibt es in anderen Ländern, gerade in Mittel- und Südamerika, Afrika und Teilen Südostasiens immer wieder bewaffnete Überfälle auf Züge.

Der Seeweg ist nach wie vor für viele Güter die zentrale Form des Waren- und Rohstoffverkehrs, der hinsichtlich der bewegten Mengen immer noch kostengünstig ist. Doch auch hier gibt es vor allem in bestimmten Regionen Süd- und Südostasiens sowie an einigen Küsten Afrikas (Seestraße von Malakka, indischer Ozean) eine erhöhte Gefahr, Opfer von Piraterie zu werden. Auch Schiffskatastrophen und Unfälle können die Lieferkette empfindlich stören.

Als letztes bleibt noch der Luftverkehr zu nennen, der vergleichsweise schnell ist, dafür aber auch teuer. Hier herrschen nicht zuletzt aufgrund der Anschläge von 2001 die höchsten Sicherheitsbestimmungen, die auch ein Grund für steigende Kosten in diesem Bereich sind.

Beispiel Luftfracht

Dass die Wirtschaft nicht selten sich zum Teil rasch ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen seitens der Politik anpassen muss, zeigt die Situation im Warenluftverkehr. Der Transport hat hier trotz der Anschläge 2001 kontinuierlich zugenommen und sich in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelt.

Mit der Steigerung der Frachtraten ist auch immer wieder die Frage ihrer Sicherheit diskutiert worden. Das bisher gängige Modell, nachdem Unternehmen, die als „Bekannte Versender“ anerkannt worden sind, in der Vergangenheit jährlich eine Sicherheitserklärung an ihren Luftfrachtspediteur abgegeben haben, wird ab März 2013 nicht mehr greifen. Ab diesem Zeitpunkt müssen sämtliche Spediteure, Transporteure und produzierende Unternehmen, die Luftfracht versenden wollen oder müssen, entweder vom Luftfahrt-Bundesamt zertifiziert sein oder die Fracht muss einzeln kontrolliert werden.

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