Wettbewerbsvorteil im Handel

Sichere Lieferkette

Teil 2

Bundesweit sind bis zu 40.000 Unternehmen von der neuen Gesetzeslage betroffen. „Wir werden bis zu 80 Prozent unsichere Fracht haben, die nicht schnell genug geprüft werden kann, was zu erheblichen Verzögerungen bei der Abfertigung führen und damit auch die Preise nach oben schrauben wird“, so Prof. Blecker. Es gibt bundesweit etwa 80 zugelassene Scanner, zu wenige, um die gesamte anfallende Fracht scannen zu können, und es gibt auch zu wenig ausgebildetes Personal, das diese komplexen Geräte bedienen kann.

Integrierte Lösungen

Viele Unternehmen sehen Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf die Lieferkette zunächst als Kosten an, die die Produktion beziehungsweise den Wert der Güter und Waren verteuern. Dies führt häufig dazu, dass Unternehmen hinsichtlich der Sicherheit nur dann etwas unternehmen, wenn sie ein akutes Risiko ausmachen.

Doch Supply Chain Security lässt sich durchaus als Teil des Supply Chain Managements verstehen, was bei entsprechender Planung und Methodik einen ganzheitlichen Ansatz in Bezug auf eine effiziente und sichere Lieferkette ermöglicht. So können beispielsweise vorhandene Daten, die im Laufe einer Lieferkette an verschiedenen Punkten generiert werden, auch für Sicherheitsaspekte genutzt werden, etwa Informationen aus RFID-Chips. Oftmals steht das Supply Chain Management selbst unter dem Druck, sich zu verschlanken und Kosten einzusparen, was sich wiederum auf die Transparenz der Lieferkette auswirken kann.

Ladungsdiebstahl Ladungsdiebstahl ist mittlerweile kein singuläres Phänomen mehr, sondern ist zu einer realen Gefahr für Spediteure und Unternehmen geworden. Die jährlichen Schäden durch Ladungsdiebstahl sind immens und belaufen sich nach Zahlen der Europäischen Union auf dem Kontinent auf rund 8,5 Milliarden Euro und in Deutschland allein auf etwa 3,5 Milliarden Euro. Da die Ware oftmals billiger verkauft wird, liegt der volkswirtschaftliche Schaden um ein vielfaches höher als der reine Warenwert. Zu den Top-Ländern, in denen Ladungen gestohlen werden, zählen an erster Stelle Großbritannien, gefolgt von Frankreich, den Niederlanden und Deutschland. Zu den wertvollsten Gütern zählen neben Hightech-Produkten Metalle aller Art, die sich Dank der steigenden Rohstoffpreise lukrativ verkaufen lassen. Auf europäischer Ebene ist für mehr Sicherheit die Transported Asset Protection Association (Tapa) zuständig. Sie analysiert auch die räuberischen Vorgehensweisen und entwickelt daraus allgemeine Verhaltenstipps. Tapa hat über 800 Mitgliedsunternehmen weltweit, davon rund 260 in Europa.

Je länger die Lieferkette, desto mehr mögliche „Bruchstellen“ gibt es. Transatlantische weisen in der Regel 14 potenzielle solcher Stellen auf, andere, noch längere Ketten, etwa von China nach Europa, bis zu 50. Hier kann ein integrierter Ansatz aus Optimierung des Produktions- und Transportprozesses zusammen mit einer gleichzeitigen Betrachtung von Risiken und möglichen Gegenmaßnahmen Zeit und Kosten sparen.

Mensch im Fokus

Der Faktor Mensch stellt naturgemäß ein hohes Risiko sowohl in krimineller Hinsicht aber auch in seiner möglichen Schutzfunktion dar. Denn auch schlecht ausgebildete Mitarbeiter von Unternehmen und Sicherheitsdienstleistern können zum Risiko werden, wenn sie Gefahren nicht rechtzeitig erkennen oder in bestimmten Situationen falsch handeln. So sind etwa die Flughafenscanner für Luftfracht mitunter so kompliziert, dass eine effektive und korrekte Bedienung eine mehrmonatige Ausbildungszeit erfordert, wobei es Durchfallquoten von bis zu 80 Prozent bei den Prüfungen gibt.

Ferner ist gerade in Niedriglohnländern zu beobachten, dass die Menschen aufgrund sozialer und wirtschaftlicher Missstände eine entsprechende Entlohnung benötigen, um das Risiko kriminellen Verhaltens zu reduzieren. Das Verschlanken von Prozessen und Abläufen im Bereich des Supply Managements geht hier nicht selten zu Lasten der Mitarbeiter in solchen Ländern und damit letztlich auch zu Lasten der Sicherheit.

Global denken

Die Absicherung der Lieferketten sollte für Unternehmen kein Selbstzweck sein, sondern ganzheitlichen unternehmerischen Strategien folgen. Durch eine frühzeitige und effiziente Implementierung, flexibler und transparenter Lieferketten lassen sich erhebliche Wettbewerbsvorteile erzielen. Dabei sind hinsichtlich der Risiken je nach Unternehmen möglichst globale Betrachtungsweisen geboten, um Schwach- und Bruchstellen aufzudecken und alternative Optionen zu entwickeln.

„So hat etwa die Katastrophe von Fukushima gezeigt, dass auch das Vorhandensein mehrerer Zulieferer für eine bestimmte Ware nicht ausreicht, sollten diese alle in derselben betroffenen Region liegen“, erläutert Prof. Blecker. Ähnlich verhält es sich mit Transportwegen, die ebenfalls je nach Geografie zusammen von einem singulären Ereignis betroffen sein könnten. Hier müssen die Unternehmen stärker als bislang auf eine Diversifizierung und das Ausarbeiten von Alternativen achten.

Hendrick Lehmann

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Foto: HHM/ M. Lindner

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