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Handlungsoptionen für Geschäftsreisende

Sicherer unterwegs

Die Gefahr, als Geschäftsreisender zum Opfer krimineller Übergriffe zu werden, ist in den zurückliegenden Jahren massiv angestiegen. Geeignete Sicherheitsmaßnahmen werden deshalb für alle Unternehmen zu einem immer wichtigeren Thema.

Doch eine gute Travel Security macht nur dann Sinn, wenn sie nicht nur auf High-Risk-Areas fokussiert ist, sondern generell praktiziert wird. Zweifellos: Geschäftsreisende sind in „Hotspots“ wie Bagdad, Kabul oder Mexiko City mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Straftaten bedroht, aber das bedeutet keinesfalls, dass sie sich in anderen Regionen frei von Gefahren bewegen können. Selbst in heimischen Metropolen oder im beschaulichen Zürich existieren Viertel, die als Zentren der Kriminalität betrachtet werden können. Auch in den USA, Beispiele sind New York und Teile Floridas, gibt es geografische Bereiche, deren Gefahrenpotenziale zumindest partiell mit Risikoländern und Hochrisikoländer zu vergleichen sind.

Kriminalität lauert auch in Weltgegenden, die als ruhig und relativ sicher beschaulich gelten. Und das gilt namentlich für Geschäftsreisende, die schon aufgrund ihres hervorgehobenen Status besonderen Risiken ausgesetzt sind.

Immer aufmerksam sein

Deshalb sollte Reisesicherheit nicht die Ausnahme für die besonders heißen Pflaster dieser Welt, sondern ausnahmslos die Regel für jegliche Destinationen sein. Jeder Geschäftsreisende sollte sich vor Augen halten, dass er mit einer kritischen Situation, sofern ihm kein Personenschutz zugeteilt wurde oder er im Team agiert, immer alleine konfrontiert ist. Die beste Gefährdungsbeurteilung und Schulung nützt ihm dann ebenso wenig wie das professionellste Handling seines Unternehmens in solchen Falllagen. Selbst das perfekteste Travel-Risk-Management und das optimale Awareness-Training verlieren in der Echtlage an Wert.

Mit Verlaub gesagt ,vermag kein noch so eilig einberufener Krisenstab das Opfer aus seiner aktuellen Bedrohungslage zu befreien. Folglich ist das, was der Einzelne vor Ort ganz bewusst für seine eigene Sicherheit tut, der effektivste Schutz gegen kriminelle Handlungen und Gefahren aller Art. Hierzu einige essentielle Handlungsoptionen:

- Auf der Reise:

Seien Sie achtsam gegenüber Personen, die sehr schnell Ihre Bekanntschaft schließen wollen. Weichen Sie neugierigen Fragen, die Ihre Tätigkeit oder den Reiseanlass betreffen, höflich, aber bestimmt aus. Wechseln Sie in solchen Fällen das Gesprächsthema. Lassen Sie sich in Risikogebieten vom Bahnhof/Flughafen abholen oder bestellen Sie ein Taxi oder einen Mietwagen vor. Müssen Sie mit dem Taxi fahren, steigen Sie nur dann ein, wenn Ihnen der Fahrer vertrauenswürdig erscheint. Ist das nicht der Fall, lassen Sie anderen Fahrgästen der Vortritt.

- Low profile:

Sie müssen nicht in Sack und Asche gehen, aber vermeiden Sie außerhalb Ihrer Geschäftstermine exklusive Kleidung/Schuhwerk, teure Uhren und Brillen, wertvolle Schmuckgegenstände, die Sie zum lohnenden Ziel werden lassen könnten. Orientieren Sie sich idealerweise am landestypischen Dresscode. Auch das Fahrzeug sollte nicht Ihren Status verraten.

- Allgemeine Sicherheit:

Gehen Sie, wo immer es möglich ist, sicherheitskritischen Situationen aus dem Weg. Beispiel: Wenn Sie feststellen, dass mehrere Personen in ihrer Gehrichtung auf dem Fußweg stehen, entziehen Sie sich der potenziellen Gefahr. Vermeiden Sie aber unbedingt den Eindruck, sie liefen davon. Fluchtbewegungen werden gemeinhin als Zeichen der Schwäche gewertet und lösen möglicherweise Verfolgungsreflexe aus. Wechseln Sie ohne jede Hast die Straßenseite oder bleiben Sie in der Gehrichtung vor einem Schaufenster oder einem Hauseingang stehen und gehen Sie dann ruhigen Schrittes zurück. Oder nehmen Sie ein Handy in die Hand und tun Sie so, als wolle sich eine andere Person mit Ihnen treffen und Sie müssten deshalb die Richtung ändern. Und: Achten Sie immer auf Ihr Bauchgefühl: Haben Sie in einer bestimmten Situation ein flaues Gefühl im Magen, zögern Sie nicht, Ihrem siebten Sinn zu folgen.

- Bargeld und Geldbörse:

Wenn Sie auf Reisen Bargeld brauchen, bevorzugen Sie Bankschalter in gutsituierten Stadtteilen und meiden Sie Geldautomaten, besonders solche im öffentlichen Straßenraum. Für den Fall, dass Sie trotz aller Vorsichtsmaßnahmen überfallen oder bestohlen werden, ist es sinnvoll, eine „Vorzeige-Geldbörse“ dabei zu haben. Inhalt: Bargeld, aber keine Personaldokumente oder wichtige Karten. Tipp: Seien Sie beim Bargeld nicht zu knauserig, sonst provozieren Sie, dass der Täter nicht von Ihnen ablässt. Ihre Dokumente und wichtigen Karten sollten Sie derweil beispielsweise in einem Brustbeutel bei sich tragen.

- Vorsorge bei Dokumentenverlust oder im Krankheitsfall:

Nehmen Sie einen USB-Stick mit, auf dem die Scans Ihrer Personalpapiere und – falls vorhanden - medizinische Unterlagen abgespeichert sind. So können Sie bei Verlust der Papiere Ihre Identität glaubhaft machen und im Krankheitsfall die ärztliche Diagnose erleichtern. Geben Sie zur Sicherheit Hardcopys dieser Unterlagen einer Person Ihres Vertrauens, die Sie im Bedarfsfall ins Ausland senden kann.

- Hotel:

Die Sicherheit hängt nicht zuletzt vom Hotelzimmer ab. Bevorzugen Sie größere Ketten, die im Allgemeinen Wachdienste unterhalten und ein höheres Maß an Sicherheit bieten. Achten Sie bei der Wahl des Zimmers darauf, dass diese nicht am Ende eines langen Flures, zu dicht an Treppenflur/ Aufzug oder oberhalb der Maximalhöhe von Drehleitern (ab 7. Etage) liegen. Bedenken Sie, dass ein Hotelzimmer in Ihrer Abwesenheit von einer Vielzahl von Reinigungs-, Service und Kontrollkräften betreten wird. Für Profis ist es zudem kein Thema, das Personal auszutricksen und sich so Zutritt zu den Zimmern zu verschaffen.

Lassen Sie im Hotelzimmer niemals Material herumliegen, das Details Ihrer Tätigkeit oder Ihrer aktuellen Projekten offenbart. Tragen Sie Notebooks/Tablets/Handys/Smartphones nach Möglichkeit immer bei sich. Klopfen Unbekannte an die Zimmertür, fragen Sie zunächst durch die geschlossene Tür nach dem Grund des Besuchs. Im Zweifel rufen Sie die Rezeption an. Generell die Tür immer nur einen Spalt öffnen, damit sie in einer kritischen Lage sofort wieder zugeschlagen werden kann. Lassen Sie sich in Risikogebieten am besten vom Hotel abholen. Vor Hotels wartende Taxen können ein Sicherheitsrisiko darstellen.

- Hotelbar:

Diese Einrichtungen sind beliebte Tummelplätze illustrer Gestalten. Kein Wunder, denn kaum irgendwo anders sind „lohnende“ Zielpersonen in so hoher Konzentration anzutreffen. Seien Sie auch in Bars überaus verschwiegen, was persönliche Details betrifft. Und trinken Sie immer aus, wenn Sie temporär Ihren Platz verlassen.

- Aufzug:

Machen Sie niemals den Fehler, in einem Aufzug ganz nach hinten zu gehen. Personen, die zusteigen, könnten Ihnen so leicht den Fluchtweg abschneiden. Bleiben Sie immer in der Nähe der Tür, so dass Sie in einer kritischen Situation den Aufzug augenblicklich verlassen können

- Einsteigen in ein Fahrzeug:

Viele Entführungen und Raubtaten werden vor oder während des Einsteigens in Fahrzeuge realisiert. Deshalb sollte bei diesem Vorgang keine unnötige Zeit verloren werden. Nehmen Sie bereits vor Verlassen des Hauses/Hotels den Autoschlüssel in die Hand. Wenn Sie erst vor dem Fahrzeug nach dem Schlüssel suchen, stellt dies eine brandgefährliche Situation dar. Da das Fahrzeug eine Barriere darstellt, würden sie bei einem Übergriff regelrecht in der Falle sitzen.

- Carjacking:

Bleiben Sie vor Ampeln immer auf den Außenspuren. Lassen Sie bei Stopps genügend Platz zum vorderen Fahrzeug, so dass sie notfalls seitlich ausweichen können. Verriegeln Sie Ihr Fahrzeug grundsätzlich während jeder Fahrt.

Gerade auf Geschäftsreisen gilt: Besser hundert Mal Vorsicht walten lassen, als einmal unaufmerksam und nachlässig zu sein, Es ist Ihre Sicherheit, die auf dem Spiel steht.

Klaus-Henning Glitza

Foto: I-vista/Pixelio

Risiken für Geschäftsreisende

Lieblinge der Spione

Das Lagebild lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Mitarbeiter, die geschäftlich auf Auslandsreisen gehen, sind erklärte Lieblinge der Wirtschafts- und Konkurrenzspione. Der Grund: Geschäftsreisende haben auch im Ausland dank moderner Kommunikationstechnik viele sensible Daten und Zugangscodes dabei. Es ist deshalb alles andere als unrealistisch, fern der Heimat mit ganz speziellen Damen und Herren und deren technischen Equipments in Kontakt zu kommen.

Foto: Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Polizei

Langfinger machen niemals Urlaub

Auch für Diebe und Betrüger ist die Sommerferien die schönste Zeit des Jahres: Sie nutzen bevorzugt Zeiten, in denen besonders viele Menschen unterwegs sind, um leicht an Beute zu kommen.

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IT-Risiko der Woche

Sicherheitsfallen im Hightech-Hotel

Als Hacker und im Rahmen von Tests ist Tom Van de Wiele den ganzen Tag damit beschäftigt, in Unternehmen einzubrechen. Das ist sein Job und dafür buchen ihn die Unternehmen. Jetzt verrät er, welche IT-Risiken es beim Thema Reisen, Hotel und Mietwagen zu beachten gilt.

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Reisesicherheit

Gefährliche Selbstüberschätzung

Die eng miteinander verknüpften Themen Expat Security und Reisesicherheit bleiben in Zeiten volatiler internationaler politischer Veränderungen ein dynamisches Arbeitsfeld, welches nur durch engen Praxisbezug, Zielgruppenorientierung und unter Berücksichtigung neuer Risiken erfolgreich im Unternehmen platziert werden kann.