Foto: Friederike Tröndle/ ArbeitsSicherheit Schweiz

Arbeitssicherheit Schweiz 2016

Sicherheit am Arbeitsplatz als wichtiges Anliegen

An was Unternehmensverantwortliche alles denken müssen, um die Sicherheit und die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu gewährleisten, setzten über 150 Aussteller von 22. bis 24. Juni 2016 an der Arbeitssicherheit Schweiz 2016 in Szene.

2833 Besucher nutzen die 6. Fachmesse für Arbeitssicherheit, Gesundheits-förderung & Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz in der Bernexpo, um sich zu informieren, weiterzubilden, Produkte zu testen und mit Kollegen ins Gespräch zu kommen.

Alexander R. Petsch, Geschäftsführer des Messeveranstalters Børding, zeigte sich zufrieden: „Die Messe hat sich sehr schön entwickelt. Die jeweils um circa 20 Prozent gestiegenen Aussteller- und Besucherzahlen unterstreichen dies.“ Einen großen Mehrwert für die Messebesucher haben die attraktiven Vorführungen und Beiträge geboten, betonte Petsch. Dazu zählen zum Beispiel die Höhenrettungs-Show des Schweizerischen Höhenarbeiten und Rigging Verbandes (SHRV) und Swiss Safety sowie der Sicherheitsparcours, der gemeinsam mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu und dem Verein Arbeitssicherheit Schweiz realisiert wurde.

Branchengrößen vor Ort

Auch die Projektleiterin Stephanie Flores Gil ist begeistert von den drei Tagen Arbeitssicherheit Schweiz: „Die großen Player der Branche waren vor Ort, wie zum Beispiel 3M, Uvex, Stuco, Atlas, die Suva, Unico Graber oder Unico Haberkorn – um ein paar zu nennen. Die Anbieter hatten spannende Produkte und Dienstleistungen im Gepäck. Es gab viele Neuheiten und Innovationen an den Ständen zu bestaunen.“ Eines der Ziele für die nächste Ausgabe der Messe im Jahr 2018 sei der weitere Ausbau von Swiss Corporate Fashion: „Natürlich spielt der Sicherheitsgedanke und die Pflege bei Arbeits- und Berufsbekleidung eine wichtige Rolle. Aber auch der Design-Aspekt rückt immer mehr ins Blickfeld.“

Verantwortung übernehmen und auch teilen

Die Themenbereiche psychosoziale Risiken und psychische Probleme am Arbeitsplatz erhielten viel Platz im Messegeschehen und stießen auf viel Anklang bei den Besuchern. „Der Keynote-Vortrag von Niklas Baer von der Psychiatrie Baselland und Eliane Stricker von der Helsana war sehr gut besucht. Auch bei den anderen Vorträgen zum Thema wurde deutlich, dass diese Themen in den Unternehmen ein Anliegen sind, dass sie sich damit beschäftigen wollen“, ergänzt Flores Gil.

„Es ist auch wirklich ein relevantes Thema!“ erklärte Baer, der die Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland leitet, in seinem Vortrag. IV-Renten aus psychischen Gründen seien in den letzten Jahren um 440 Prozent gestiegen, gab er zu bedenken: Praktisch jeder Chef habe mit psychisch auffälligen Mitarbeitenden zu tun, jedoch die wenigsten seien diesbezüglich geschult worden. „Die Unternehmen versuchen es intern zu lösen und wenden sich fast nie an externe Dienstleister.“ Dabei verfüge die Schweiz im weltweiten Vergleich über die meisten Psychiater. Verantwortung übernehmen und teilen, das forderte Baer deshalb von den Führungskräften.

Führung fordern

„Wir müssen uns in der Arbeitssicherheit viel mehr um den Menschen kümmern und um sein Umfeld“, verlangte Dipl.-Ing. Andreas Speh, HSE Manager & Business Development Manager bei Dupont de Nemours Deutschland GmbH, in seiner Keynote. Der integrierte Ansatz bei Dupont fördere das Schaffen betrieblicher Eigenverantwortung und der betrieblichen Disziplin. Das sei der Weg zum Erfolg. In diesem Rahmen empfahl der Experte, die Führung stärker ins Boot zu holen. Nicht nur die Bereitschaft zur Veränderung der anderen sei nötig, sondern auch die Bereitschaft, sich zu ändern, bei der Führung selbst. „Es gibt so viele Regeln. Aber die Mitarbeitenden wissen gar nicht mehr, was Muss- und was Kann-Regeln sind. Sie orientieren sich am Chef und an den Kollegen.“

Gegen den negativen Stress

Stress als rein negativ zu bezeichnen sei nicht richtig, erläuterte Keynote Speakerin Dr. Manuela Jacob-Niedballa ihrem Publikum: Er könne auch beflügeln und zu Höchstleistungen treiben. Zu Problemen komme es, wenn die Situation kippt und der gute Stress sich ins Negative wandelt. Auch Andi Zemp beschäftigte sich in seiner Keynote mit der „genetisch bedingten Überlebensreaktion“ Stress. Auswirkungen bestätigte der Fachpsychologe für Psychotherapie FSP und Leitender Psychologe der Privatklinik Wyss AG auf verschiedenen Ebenen: So beeinflusse Stress das Denken (u.a. Sinken der Konzentrationsfähigkeit), das Handeln (zum Beispiel erhöhte Fehlerquoten und höhere Unfallgefahr), das Fühlen (drückt sich aus durch reduziertes Engagement, erhöhte Reizbarkeit und fehlende Empathie) sowie das Körperliche (von ausgeprägter Müdigkeit bis zu chronischen Schmerzen). „Die wichtigste Rolle bei der Prävention spielt mit Abstand die Führung und die Arbeitsorganisation“, so der Experte.

Buntes Vortragsangebot inklusive

Insgesamt war das Angebot in den drei Vortragsforen sehr vielseitig. Die Vorträge behandelten zum Beispiel den Umgang mit Gefahrstoffen und Gefahrgut. Die Vorträge der suva richteten sich an Maschinenbediener, Instandhalter und Arbeiter auf dem Bau. Freizeitsicherheit war Gesprächsthema beim Verein Arbeitssicherheit Schweiz: Dazu erklärte Monika Mebold Kaufmann, Sicherheitsingenieurin Ekas und Beraterin, in ihrem Vortrag: „Beim Arbeiten haben wir schon vieles intus, was sicheres Arbeiten betrifft. Aber das auf die Freizeitsicherheit zu übertragen, ist das Problem.“ Mit gezielten Kampagnen und Aktionen im Unternehmen könnten Mitarbeiter sensibilisiert werden. Eine solche Aktion, nämlich die Velo-Station, konnten die Messebesucher am gemeinsamen Sicherheitsparcours Posten von bfu und Arbeitssicherheit Schweiz testen.

Überlebenschancen nach einem Kreislaufstillstand erhöhen, so lautet das Ziel von Andreas Juchli, Arzt und CEO von JDMT Medical Services. In einem Betrieb solle deshalb möglichst jeder Mitarbeitende in der ersten Phase der Überlebenshilfe bei einem Kreislaufstillstand ausgebildet sein, sprich die vier Schritte Realisieren, Alarmieren, Pumpen und Schocken beherrschen. In der Schweiz gebe es diesbezüglich noch zu wenig Engagement und zu große kantonale Unterschiede, erklärte Juchli in seinem Vortrag weiter. „Der Arbeitgeber entscheidet, ob ein Überleben bei Kreislaufstillstand wahrscheinlich ist oder nicht!“ so Juchlis abschließende Worte an das Publikum.

Sicherheitsparcours: Arbeitssicherheit zum Anfassen

Richtiges Handeln im Fall eines Kreislaufstillstandes konnten die Messebesucher dann auch gleich am Sicherheitsparcours Posten von JDMT testen. Insgesamt bestand der Sicherheitsparcours aus fünf in der Messehalle verteilten Posten, an denen die Messebesucher ihr Wissen in puncto Arbeitssicherheit testen und auszuprobieren konnten: Neben der Station von JDMT und der Velo-Station von bfu und Arbeitssicherheit Schweiz, die den Sicherheitsparcours auch vor zwei Jahren mit ins Leben gerufen haben, waren noch Stationen zum sicheren Arbeiten auf Leitern (Hymer-Leichtmetallbau) und der richtigen Verwendung von Fallschutz (Zimmermann Sicherheits- und Bautechnik AG) geboten. Schärer + Kunz komplettierte das Angebot des Sicherheitsparcours: Am Posten des Anbieters beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Frage, welcher Schnitthandschuh für welche Arbeitssituation geeignet ist.

Aus den Unternehmen für die Unternehmen

Einblicke in die Praxis lieferten verschiedene Unternehmensvertreter in ihren Best Practice Vorträgen und erläuterten den Messebesuchern ihre Ideen und Konzepte für mehr Sicherheit, so zum Beispiel Anne-Laure Sorin, Safety & Health Manager bei Nestlé Waters Europe, und Alex Marquardt, Leiter Qualitätsmanagement bei der Stoppani AG. Beide verdeutlichten, wie sie in ihren Betrieben die Sicherheit von Alleinarbeitenden sicherstellen, unter anderem mithilfe von Swissphone und Securitas.

Außerdem vor Ort: Antonio Ratto von der BASF Schweiz AG. Gemeinsam mit Markus Schmidt-Tophoff vom Institut für Managementberatung Heidelberg stellte Ratto vor einem voll besetzten Praxisforum das Konzept „ja sicher!“ für mehr Sicherheits-Bewusstsein und –Kompetenz vor, das sie zusammen am BASF-Werk Kaisten durchgeführt hatten. Eine typische Ausgangslage in Betrieben sei, dass trotz zunehmenden Vorschriften, voranschreitender Technik oder PSA ab einem gewissen Punkt keine wirkliche Verbesserung der Sicherheit mehr eintrete, erklärte Tophoff-Schmidt, der den Prozess im BASF-Werk begleitet hatte. Häufig führten personenbezogene Fehler zu Unfällen. „Man muss an der Sicherheitskultur ansetzen!“, so die Folgerung. Mit „ja sicher!“ wählten die Verantwortlichen einen verhaltensbezogenen Ansatz, der zum Ziel hatte, bei den Mitarbeitenden das Bewusstsein und die Bereitschaft zu stärken, dass Sicherheit alle betrifft und auch nur gemeinsam funktioniert.

Ausblick

Die Arbeitssicherheit Schweiz und die Swiss Corporate Fashion öffnen von 19. bis 21. Juni 2018 wieder in der Bernexpo ihre Tore. Neben den bestehenden Messebereichen mit den Schwerpunkten PSA (Persönliche Schutzausrüstung), Berufliches Gesundheitsmanagement (BGM), Steig- und Hebetechnik, Transportsicherung, Absturzsicherung und Corporate Fashion soll an der nächsten Messeausgabe der Bereich Höhenarbeiten & Höhenrettung auf internationaler Ebene ausgebaut werden.

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