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Mitarbeiterkriminalität

Sicherheitskultur vorleben

Betrug, Korruption, Diebstahl, Unterschlagung, jeder nimmt sich was er braucht. Studien haben ergeben, dass nur die wenigsten Mitarbeiter generell ehrlich sind. Die meisten Mitarbeiter verfahren nach der Devise, dass sie bei günstiger Gelegenheit zugreifen.

Die Unternehmen als Opfer ihrer Mitarbeiter scheinen sich nicht ausreichend dagegen aufzustellen. Es gilt: Keine Tat ohne die dafür notwendigen Realisierungs-bedingungen. Wer die Augen vor Mitarbeiterkriminalität verschließt, wird Opfer. „Mir passiert das nicht“ gibt es nicht.

Die Erscheinungsformen der Wirtschaftskriminalität entwickeln sich rasant. Ursächlich dafür sind neben den hohen Gewinnpotentialen die Möglichkeiten, Taten zu verschleiern und als Täter weitgehend anonym zu agieren, denn die zunehmend weltweite Vernetzung von IT-Systemen eröffnet neue Begehungsweisen der Mitarbeiterkriminalität. Die Täter können international und hochgradig anonym handeln und stehen dabei oft nationalen Strafverfolgungsbehörden gegenüber, die partiell noch nicht den aktuellen Entwicklungen dieser Straftaten gewachsen sind.

Was kann man tun?

Ein vorbeugendes unverzichtbares Element gegen Mitarbeiterkriminalität sind effektive Kontrollen. Daneben ist ein Integrationsansatz im Sinne einer funktionierenden Sicherheitskultur besonders wichtig. Die Mitarbeiter sollen zu einer positiven Einstellung gegenüber den ethischen Grundsätzen des Unternehmens bewegt werden.

Ein Wertegerüst soll allen Unternehmensangehörigen im Sinne eines „Moral-Kompass“ eine Orientierung geben. Es ist die Aufgabe der Führungskräfte, einen herausragenden Beitrag zu einer funktionierenden und nachhaltigen Sicherheitskultur im Unternehmen zu leisten, indem sie auf allen Ebenen diese Werte, Normen und Tugenden einer auf Prävention ausgerichteten Kultur innerhalb der Belegschaft vermitteln und dauerhaft erhalten.

Es ist die Herausforderung, den Führungskräften im Unternehmen die Relevanz von Prävention im Sinne des „tone at the top“ zu vermitteln, um die weitreichende Schutzfunktion eines Integrationsansatzes in den verschiedenen Mitarbeiterebenen deutlich zu machen.

Eine Herausforderung für die Aufklärungs- und Präventionsarbeit ist insbesondere dann gegeben, wenn hinter den Straftaten gegen das Unternehmen zwangsläufig eine unternehmerische Entscheidung auf Managementebene steht, wie es bei Korruptionsdelikten der Fall ist. Ferner ist zu beachten, dass diese Fälle oft weitere Delikte der „allgemeinen“ Kriminalität, wie Urkundenfälschung, Untreue implizieren. Sie treten mit brisanten gesellschaftlichen Verwerfungen in einem kompliziert organisierten ökonomischen System mit internationaler Vernetzung auf, die in die konzeptionelle Ausgestaltung eines Präventionsmanagements einzubeziehen sind. Brisant für die Unternehmen ist dabei nicht nur der entstehende Schaden, sondern die überaus hohe Gefahr der nachhaltigen Beschädigung der Reputation des Unternehmens.

Unternehmen leisten ihren Beitrag dazu Opfer von Kriminalität zu werden. Mehr oder minder machen sie es den Tätern einfach. Gerne werden Gründe vorgeschoben, wonach der Schutz vor Mitarbeiterkriminalität zwar grundsätzlich ein ernstzunehmendes Aufgabengebiet darstellt, aber eben doch nicht so wichtig ist. Sie werden damit zu idealen Opfern.

Rainer Benne

Rainer Benne ist selbständiger Unternehmens-berater, der Unternehmen in allen Compliance- und Sicherheitsprozessen unterstützt.

- Kriminalbeamter
- Studium an der FH für Verwaltung und Rechtspflege mit dem Abschluss als Dipl. Verwaltungswirt
- Leiter des Flughafenschutzdienstes der Fraport AG
- Leiter der Konzernsicherheit der Porsche AG
- MBA-Studiengang Compliance an der School of GRC

Die Naivität daran zu glauben, kein Opfer einer Straftat werden zu können, paart sich im Fall der so denkenden Unternehmensführung mit ihrer Passivität, vorbeugende Maßnahmen gegen Kriminalität im oder gegen das Unternehmen zu treffen. Insofern besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen Naivität und Passivität. Solange Unternehmen in dieser (naiven) Passivität verharren, werden sie Opfer von Straftaten sein und bleiben.

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Edward Snowden dürfte momentan der berühmteste seiner Zunft sein – der Whistleblower. Seine Karriere ist erst einmal beendet, wie so oft in ähnlichen Fällen. Dabei kann es für Unternehmen äußerst sinnvoll sein, ein Hinweisgebersystem zu installieren, wie PROTECTOR von Rainer Benne, Geschäftsführer der Benne Consulting GmbH, erfuhr.

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