Foto: Messe Düsseldorf

Eurocis 2016 in Düsseldorf

Sicherheitstechnik speziell für den Handel

Diebstahl ist nach wie vor die häufigste Ursache für Inventurdifferenzen, dies belegt auch die Studie des EHI Retail Institutes „Inventurdifferenzen 2015“. Der Handel muss gewaltig investieren, um seine Waren vor dem Warenschwund zu schützen. Dies spiegelt auch die Eurocis 2016 vom 23. bis 25. Februar 2016 in Düsseldorf wider.

Zahlreiche der über 300 internationalen Aussteller präsentieren auf der Eurocis Sicherheitstechnik speziell für Retailer. Bemerkenswert ist die Erkenntnis aus der EHI Studie, dass der sogenannte schwere Diebstahl in den letzten sieben Jahren um 240 Prozent angestiegen ist, während der einfache Ladendiebstahl stagniert. Bei schwerem Diebstahl handelt es sich grundsätzlich um Taten mit höherer krimineller Energie, weil zum Beispiel Warensicherungen überwunden werden. Hinzu kommt eine deutlich spürbare Zunahme von organisierter Bandenkriminalität, die zwar häufig erkannt, aber in den seltensten Fällen als solche angezeigt werden kann. Im Jahresvergleich 2014 zu 2013 sind die Inventurdifferenzen bei den teilnehmenden Unternehmen zwar geringfügig gesunken, in branchengewichteter Hochrechnung für den gesamten deutschen Einzelhandel jedoch nahezu unverändert geblieben.

Inventurverluste: 3,9 Milliarden Euro

Im gesamten Einzelhandel summieren sich die zu Verkaufspreisen bewerteten Inventurdifferenzen auf 3,9 Milliarden Euro. Nach Einschätzung der Handelsexperten sind auf Ladendiebstähle durch Kunden rund 2,1 Milliarden Euro zurückzuführen. Den eigenen Mitarbeitern werden fast 900 Millionen Euro angelastet, und sowohl Lieferanten als auch Servicekräften werden etwas mehr als 300 Millionen Euro an Warenverlusten im Jahr zugerechnet. Statistisch gesehen bedient sich jeder Bundesbürger jährlich an Waren im Wert von 26 Euro im Einzelhandel, ohne zu bezahlen. Auf den Lebensmittelhandel projiziert bedeutet dies, dass rund jeder 200. Einkaufswagen unbezahlt die Kasse passiert.

Jährlich investiert der deutsche Handel rund 1,3 Milliarden Euro in Präventiv- und Sicherungsmaßnahmen, um seine Waren vor Diebstählen zu schützen. Die Gesamtaufwendungen für Inventurdifferenzen und deren Vermeidung betragen jährlich also rund 5,2 Milliarden Euro. 2014 sind die angezeigten Ladendiebstähle laut polizeilicher Kriminalstatistik seit Jahren erstmals wieder um 2,6 Prozent angestiegen auf insgesamt 365.373 Fälle. Der stetige Rückgang angezeigter Ladendiebstähle in den letzten Jahren spiegelte aber kaum die tatsächlichen Verhältnisse wider. Die Einschätzungen des Handels zur Kriminalitätslage standen und stehen im Widerspruch zur Statistik. Durch die hohe Dunkelziffer von über 98 Prozent besitzt die Statistik nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. Aus dem durchschnittlichen Schaden der angezeigten Diebstähle und dem tatsächlichen Schaden im Handel ergibt sich, dass täglich über 85.000 Ladendiebstähle mit je einem Warenwert von rund 80 Euro unentdeckt bleiben!

Steigende organisierte Bandenkriminalität

Viel Sorge bereitet dem Handel in diesem Zusammenhang vor allem die Zunahme organisierter Kriminalität. Laut Bundeskriminalamt dürfte der Schaden durch Banden und andere „professionelle Akteure“ mittlerweile 500 Millionen Euro übersteigen, was wertmäßig also einem Viertel aller Ladendiebstähle entspricht! Oftmals werden diese Täter nur als einfache Ladendiebe erkannt und behandelt.

Im Durchschnitt gibt der Handel etwas mehr als 0,3 Prozent vom Umsatz für Sicherheitsmaßnahmen aus. Allerdings werden hier die Möglichkeiten der zur Verfügung stehenden Technik bei weitem noch nicht ausgeschöpft. So konstatiert Ralph Siegfried, Business Development Manager Retail bei Axis Communications: „Die Herausforderung für den Handel liegt weniger in der Ausstattung der einzelnen Geschäfte mit Sicherheitstechnik als vielmehr in der Integration der zumeist als Einzelsysteme etablierten Lösungen. Hier gehen viele Synergien verloren, die gerade im Sicherheitsumfeld so wichtig sind, um die Gesamtsituation richtig zu beurteilen und entsprechend zu handeln. So laufen oft Videoüberwachung und Zutrittskontrolle sowie Einbruchmeldeanlage unabhängig voneinander. Prozesse und Vorgänge sind dadurch unnötig kompliziert.“

Ein äußerst sensibler Punkt beim Thema Sicherheit ist das Bargeldhandling. Geschlossene Bargeldmanagementlösungen bieten hier gleich mehrere Vorteile: „Sie sind ein wichtiger Beitrag rund um die Sicherheit von Bargeld – von der Bezahlung über das Backoffice bis hin zur Logistik – um den Handel sowohl gegen Betrugsversuche durch Falschgeld zu schützen als auch Kassendiskrepanzen zu vermeiden. Nach unserer Erfahrung zahlt sich die Automatisierung von Bezahlvorgängen und des Bargeldmanagements in mehrfacher Hinsicht aus: Kassendiskrepanzen gehören der Vergangenheit an, Missstimmungen innerhalb des Verkaufspersonals wird vorgebeugt, der Kundenservice verbessert und die gesamte Bargeldlogistik hinsichtlich Planung, Sicherheit und Kosten optimiert“, erläutert Hagen Höhl, Head of Retail Europe, Glory Global Solutions.

Die ständige Schulung und Sensibilisierung des Personals gelten weiterhin als wichtige Präventionsmaßnahmen. Warenwirtschaftliche Datenanalysen sowie Bondatenanalysen zur Erkennung von diebstahlgefährdeten Artikeln und Schwachstellen sind hingegen in den meisten Unternehmen schon ausgereift und etabliert. Testkäufe aber finden derzeit wieder großen Zuspruch, in der Regel verbunden mit anschließenden Mitarbeiterschulungen. Auf einen oft vernachlässigten Aspekt weist Simon Rappold, Marketing Retail Systems, Wanzl Metallwarenfabrik hin: „Eine der größten Herausforderungen im Handel ist, die maximal möglichen Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren ohne den ehrlichen Kunden in seinen üblichen Einkaufsgewohnheiten zu stören.“

Mehr Sicherheit im Handel

Die EHI Studie belegt eindrucksvoll, dass der Informationsbedarf und die Nachfrage in Hinblick auf innovative Sicherheitslösungen ungebrochen hoch sind. Eine Tatsache, der die Eurocis 2016, Europas Fachmesse für Retail Technology, Rechnung trägt. Vom 23. bis 25. Februar kann sich der Besucher einen umfassenden Überblick über heutige und zukünftige Einsatzmöglichkeiten von Sicherheitstechnik verschaffen, von elektronischen und RFID-gesteuerten Artikelsicherungssystemen über Zugangskontrolle und intelligente Software zur Verlustprävention bis hin zu elektronischen Einkaufswagensystemen, digitaler Videoüberwachung und sicherem Bargeldhandling.

Foto: Paul-Georg Meister/ Pixelio.de

EHI-Studie

Einzelhandel mit 3,8 Milliarden Euro Inventurverlust

Im gesamten deutschen Einzelhandel summieren sich die Inventurdifferenzen auf 3,8 Milliarden Euro. Hiervon verursachen unehrliche Kunden rund 1,9 Milliarden Euro, den eigenen Mitarbeitern werden 800 Millionen Euro angelastet.

Foto: Schubalu/ Pixelio.de

EHI-Studie

Niveau der Inventurverluste stagniert

Im gesamten deutschen Einzelhandel summieren sich die Inventurdifferenzen auf 3,8 Milliarden Euro. Nach wie vor verursachen unehrliche Kunden hiervon rund 1,9 Milliarden Euro, den eigenen Mitarbeitern werden 800 Millionen angelastet.

Foto: Peter Smola/Pixelio

Inventurverluste gleichbleibend hoch

Dauerbrenner

Im gesamten deutschen Einzelhandel summierten sich die Inventurdifferenzen 2012 auf 3,8 Milliarden Euro. Statistisch betrachtet, stiehlt jeder deutsche Haushalt jährlich Waren im Wert von rund 50 Euro im Einzelhandel.

Foto: Tim Reckmann/Pixelio

EHI

Inventurdifferenzen im Handel

Die Inventurdifferenzen im Einzelhandel bleiben mit 3,9 Milliarden Euro auch 2014 unverändert hoch. Mit einem Anteil von über 50 Prozent sind Ladendiebstähle nach wie vor die Hauptursache. Bei den Maßnahmen zu deren Vermeidung haben Personalschulungen die höchste Priorität.