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Plattformstrategien bei Videolösungen

„Systemgedanke im Mittelpunkt“

Auf der Security Essen im vergangenen Jahr kündigte die Mobotix AG eine neue Plattformstrategie für ihre Videosicherheitssysteme an. PROTECTOR fragte Dr. Magnus Ekerot, Vorstand der Mobotix AG, was genau dahinter steckt, welche Systeme betroffen sind und was Errichter und Anwender davon haben werden.

PROTECTOR: Herr Dr. Ekerot, was kann man sich unter einer Plattformstrategie bei Videotechnik vorstellen?

Dr. Magnus Ekerot: Die Anforderungen an Videotechnik sind je nach Einsatzgebiet und Branche sehr vielfältig. Der Plattformgedanke rückt hier immer weiter in den Fokus: Flexible, kompatible und erweiter- oder anpassbare Systeme sind gefragt, die mit den wandelnden Anforderungen an eine Videosicherheitslösung wachsen können. Für Hersteller heißt das, Kunden eine technische Lösung zu bieten, die ohne Probleme skalierbar und individuell auf die Anforderungen anpassbar ist. Zudem muss sie zukunftsfähig sein, sprich „Altmodelle“ müssen durch Updates nachträglich neue Funktionalitäten erhalten können – hier ist eine gewisse Produktintelligenz gefordert. Bei der Entwicklung von Produkten müssen Hersteller also künftig einiges mehr beachten als nur Funktionalität und Design.

Und wie setzen Sie das bei Mobotix um?

Neben Stand-alone-Produkten bieten wir mit unseren Kameras, Software-Lösungen und der Türstation auch perfekt aufeinander abgestimmte Komplettsysteme für die Videosicherung aus einer Hand. Anwender können sich so in einer Art Baukastenprinzip ein Videosystem für ihre individuellen Anforderungen zusammenstellen. Hier reden wir aber nicht von der einen Plattform, die über Nacht auf den Markt kommt. Vielmehr geht es um einen Prozess, bei welchem wir von den Anforderungen unserer Kunden lernen, aber auch innovative und intelligente Produkte entwickeln und anbieten.

Indem wir bestehende Produkte mit neuen Funktionen ausstatten und bei der Entwicklung künftiger Lösungen vermehrt den Fokus auf Skalierbarkeit legen, gehen wir Schritt für Schritt den Weg hin zu einer umfassenden Mobotix-Plattformstrategie. Hier spielt die Netzwerktechnik, auf die wir von Beginn an gesetzt haben, all ihre Stärken aus: Sie bietet die Grundlage für eine gemeinsame technische Plattform für Videosicherheit, Zutrittskontrollsysteme, Brandmeldeanlagen und Einbruchmeldesysteme.

Welche Produkte und Systeme betrifft das im Einzelnen und was ändert sich im Vergleich zum bisherigen Ansatz?

Fangen wir mit einer unserer Kameras an, der S14. Anwender können sich beispielsweise je nach Bedarf entscheiden, ob sie ein Sensormodul oder zwei installieren möchten. Ausgestattet mit zwei hemisphärischen Miniaturobjektiveinheiten lassen sich dann zwei neben- oder übereinanderliegende Räume mit nur einer einzigen S14 lückenlos abdecken. Alle weiteren Objektive – je nach Anforderung vom Super-Weitwinkel bis zum Teleobjektiv – können als Tag- oder Nachtversion gewählt werden. Die Mobotix M15, die in diesem Jahr auf den Markt kommt, geht noch einen Schritt weiter: Nutzer können ganz einfach im „Click-Modell“ Objektiv-Einheiten austauschen – beispielsweise für Nachtaufnahmen – in die bereits installierte Kamera.

Die kostenlose Videoanalyse, die wir derzeit schon in der Q24 integriert anbieten und die auch für die S14 geplant ist, ist ein weiterer Schritt zur Erweiterung unserer Produkte. Gerade für Branchen wie den Einzelhandel ist das ein sehr interessantes Tool, um Geschäftsprozesse zu optimieren und Daten für Marketingzwecke zu gewinnen.

Damit Anwender unserer Videosysteme diese auch optimal steuern können, bieten wir natürlich auch die passende kostenlose Software-Lösung an. Kürzlich hat diese Familie durch die App für iOS-Geräte Zuwachs bekommen. Ob Türstation oder Kamera: Nutzer können mit der App unsere Systeme bequem und mobil steuern und verwalten. Und zum Stichwort Zubehör, unsere Funktionsboxen steigern bei einfachster Installation zusätzlich den Nutzen eines Videosystems.

Sie sehen, unsere Produkte werden flexibler und bieten umfassendere Funktionen. Unser technologischer Ansatz aber bleibt bestehen: Aufgrund der vielen Vorteile bleiben wir dem dezentralen Konzept mit seiner Onboard-Bildverarbeitung treu.

Wie weit sind Sie mit der Umsetzung?

Anwender haben schon jetzt die Möglichkeit, sich aus unseren Produkten ein passendes Videosystem zu bauen. Dabei stehen unsere qualifizierten Partner und wir natürlich immer mit Rat und Tat zur Seite. So gibt es schon einige Anwendungsszenarien, in denen unsere Kameras, Software-Lösungen und die T24 gemeinsam mit Drittsystemen, wie Einbruch- und Feuermeldeanlagen, im Einsatz sind. Und was unsere Produktneuheiten betrifft: Flexible Funktionen und Zubehör stehen künftig ganz oben auf unserer Agenda. Da bleibt es weiter spannend!

Was haben Ihre Errichter von der Plattformstrategie?

Unsere Installateure und Integratoren können viel einfacher auf kundenspezifische Anforderungen und Wünsche eingehen, um eine passgenaue Lösung zu finden. Sie sind flexibler und können sich so ein breiteres Publikum erschließen. Der Systemgedanke generiert auch Folgegeschäft. Zusätzliche Module, Softwarefeatures und Zubehör, wie beispielsweise unsere Funktionsboxen, sind hier das Stichwort. Dank der Kostenvorteile schaffen sie sich einen klaren Vorteil im Wettbewerb. Außerdem sparen sie Zeit für aufwändige Planung, Installation und Work-around-Strategien.

Und die Anwender?

Der Anwender hat nicht nur eine passgenaue Videolösung, sondern spart vor allem Kosten. Natürlich zum einen durch die reduzierte Anzahl an Kameras und die geringere Bandbreite, die durch das dezentrale Konzept benötigt wird. Zum anderen aber auch dadurch, dass die Systeme erweiterbar und flexibel sind, sollten sich die Anforderungen in Zukunft ändern.

Ein Beispiel zeigt das ganz gut: Ein Hotelbetreiber, der sich künftig für unsere S15 entscheidet, möchte mit der Kamera zunächst nur tagsüber seine Lobby im Auge behalten und setzt die Tagvariante mit zwei 90-Grad-Objektiven und damit einem 180-Grad-Panorama ein. Nach einem Jahr möchte er die Videoaufnahmen auch auf die Nachtstunden ausdehnen. Anstatt eine neue Kamera zu kaufen, in das Netzwerk zu integrieren und zu installieren, muss er nur ein Nachtsensormodul besorgen und kann es ganz einfach mit einem der beiden Tagobjektive der bereits installierten S15 „via Klick“ austauschen. Die Objektiv-Einheiten der M15 werden zudem mit den Objektiv-Einheiten der künftigen S15 austauschbar sein, so dass auch kameraübergreifend dieser Plattformgedanke umgesetzt wird.

Ein weiterer Pluspunkt: Auch Anwender älterer Kameramodelle können dank kostenloser Software-Updates an neuen Funktionen partizipieren.

Sehen Sie sich mit diesem Konzept eigentlich eher als Vorreiter oder Außenseiter?

Da sage ich jetzt mal: Ganz klar als Vorreiter. Wir sind uns sicher, dass sich nur die Hersteller langfristig erfolgreich im Markt positionieren können, die auf die Anforderungen ihrer Kunden reagieren und diese zu fast 100 Prozent erfüllen. Wir haben schon früh auf Netzwerk- und IP-Technik gesetzt. Zwei grundlegende Voraussetzungen, um flexible Plattformen im Bereich Videotechnik überhaupt erst zu ermöglichen. Mit unserem dezentralen Konzept, mit dem wir als erster im Markt unterwegs waren, verfolgen wir schon seit Jahren einen Systemgedanken. Wir verstehen jede unserer Kameras nicht als Einzelprodukt sondern bereits als System. Denn: Die wesentlichen und rechenintensiven Funktionen wie Speicherung und Entzerrung sind bereits in der Kamera selbst enthalten. Diese „Mini-Systeme“ sind mit weiteren Kameras, Zubehör und anderen Sicherheitsprodukten vernetzbar und bieten einen erheblichen Mehrwert durch vielfältige Zusatzfunktionen. So ist der Weg geebnet zu einem umfassenden Mobotix-System.

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Flexible Doppelhemisphärenkamera

Mobotix bringt mit der S14 Flexmount eine erste flexible Doppel-Hemispheric-Kamera auf den Markt.

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M15 Kameraplattform ist auf dem Markt

Die Mobotix AG bringt mit der M15 eine weitere Kameraplattform auf den Markt, die auf der neuen Mobotix Fünf-Megapixel-Technologie basiert. Das System bietet zwei austauschbare Sensormodule und baut auf dem Mobotix-Plattformkonzept auf.

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Gastkommentar

Videosicherheit: Wo geht’s hin im Jahr 2013?

Das Marktwachstum in Sachen Videosicherheitssysteme wächst ungebremst. Laut den Marktforschern von „MarketsandMarkets“ wird der globale Markt bis 2016 bei einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 19 Prozent ein Volumen von über 25 Milliarden US-Dollar aufweisen.

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Doppel-Hemispheric Kamera

Mit der S14 Flexmount stellt Mobotix auf der Security eine flexible Doppel-Hemispheric Kamera vor.