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Zutrittslösungen mit NFC-fähigen Geräten

Theorie und Praxis

Noch vor zwei Jahren herrschte Aufbruchstimmung, wenn es um das Thema NFC ging. Doch nun zeigt sich: Die Verbreitung des Standards lässt zu wünschen übrig und auch die Geschäftsmodelle fehlen zum Großteil. Hat NFC also überhaupt noch eine Zukunft in der Zutrittskontrolle?

Im Jahr 2012 war Near Field Communication (NFC) zum ersten Mal ein Thema im Rahmen des PROTECTOR Forums Zutrittskontrolle. Die Diskussion von damals nimmt Moderator Boris Stamm sogleich wieder auf und klopft den aktuellen Stand bei allen Teilnehmern ab: „Was hat sich in Sachen NFC gegenüber der Diskussion von vor zwei Jahren getan? Wie ist die Nachfrage und die Bekanntheit auf Kundenseite?“

Die Antworten fallen größtenteils verhalten bis ernüchternd aus. So sieht Axel Schmidt von Salto Systems wenig Bewegung: „Rein technisch gibt es keine Veränderungen gegenüber 2012. Und auch die Nachfrage ist eher gebremst im deutschen Raum. Natürlich hat man hin und wieder Anfragen – beispielsweise von Hotels, die ihren Gästen mit NFC-Handys Zugang zu ihrem Raum geben möchten. Leider ist das heute noch nicht sinnvoll machbar, weil man hierzu extra eine App aufspielen muss.“

Auch Robert Karolus von Normbau kann nicht von einem Kundenansturm sprechen: „Natürlich kommt das Thema NFC immer wieder einmal im Kundengespräch auf, aber generell ist die Nachfrage nicht überwältigend. Es schneit nicht so, dass alle gleich auf diesen Zug aufspringen.“

Vorsichtig herantasten und ausprobieren lautet auch die Strategie von Thomas Weber und Simonsvoss: „Eine konkrete Nachfrage spüren wir in der Form hier nicht. Wir haben aber ein paar Pilotprojekte gemacht, auch im Bereich der Pflege, oder im Hotelbereich.“

Gerhard Haas von PHG sieht die Anwendungen momentan ebenfalls noch begrenzt, jedoch mit gewissem Potenzial: „Bei einem unserer batteriebetriebenen Produkte, einem RFID-Möbelschloss, haben wir auch konkrete Nachfrage nach NFC – im Online-Bereich dafür umso weniger. Zudem sind wir dabei, auf NFC-Basis ein eigenes Handgerät zu entwickeln, um nicht abhängig zu sein, von den Standards die auf dem Mobiltelefon unterstützt werden. Dieses NFC Mobile Tool verwenden wir dann, um unsere Stand-alone-Geräte zu administrieren und um Logbuchdaten abzuholen – es ist also eher ein Servicetool.“

Schleppende Entwicklung

Die Entwicklung und die Verbreitung von NFC kann als bestenfalls als schleppend bezeichnet werden. Doch wo liegen die Gründe dafür? Robert Karolus sieht die Mobilfunkprovider als größten Bremser in der Sache: „Man muss sagen, dass sich auch die Einstellung der MNOs, also der Mobilfunkbetreiber, aus meiner Sicht zu 2012 gar nicht verändert hat. Das Secure Element, auf dem man den Schlüssel sicher ablegen könnte, machen sie immer noch nicht für uns zugänglich. Da sind uns, die wir einen klassischen Ausweis emulieren wollen, dann die Hände gebunden. Wir können die Verbreitung also gar nicht forcieren.“

Statements

„Man merkt in Gesprächen oft, dass sehr viel vermischt wird, wenn von NFC die Rede ist. Es heißt eigentlich nur, dass man sich aus vier bis zehn Zentimetern auf Basis von 13,56-Megehertz-Technik identifizieren kann. Darüber hinaus gibt es aber auch Technologien, die unter den Begriff NFC fallen und vermarktet werden, den Reader-Writer-Mode zum Beispiel. Hier kann man sich überlegen, ob man das Handy künftig zum Beispiel als Programmiergerät verwendet.“
Thomas Weber, Corporate Vice President Product Management, Simonsvoss Technologies GmbH


„Die Provider sind sich in Deutschland immer noch nicht einig, was sie mit NFC umsetzen wollen. Erfolgreich in der Praxis laufende Projekte gibt es deshalb bisher nur in Ländern, in denen ein Anbieter 80 oder 90 Prozent Marktanteil hat – etwa in Korea, China oder Saudi Arabien. Dort gibt es dann einen Anbieter, der Sim-Karten mit NFC und Secure Element ausgeben kann. Aber in Deutschland gibt es im besten Fall ein paar proprietäre Lösungen von wenigen Herstellern. Die mögen zwar sinnvoll sein, erschließen aber nicht den großen Markt.“
Axel Schmidt, Geschäftsführer, Salto Systems GmbH

Axel Schmidt stimmt zu: „Die Provider sind sich in Deutschland immer noch nicht einig, was sie mit NFC umsetzen wollen. Erfolgreich laufende Projekte gibt es deshalb bisher nur in Ländern, in denen ein Anbieter 80 oder 90 Prozent Marktanteil hat – etwa in Korea, China oder Saudi Arabien. Dort gibt es einen marktbeherrschenden Anbieter, der Sim-Karten mit NFC und Secure Element ausgeben kann. Aber in Deutschland gibt es im besten Fall ein paar proprietäre Lösungen von wenigen Herstellern. Diese mögen zwar sinnvoll sein, erschließen aber nicht den großen Markt.“

Die mangelnde Verbreitung kann aber zum Teil auch an den Anwendern liegen, wie Thomas Weber erfahren hat: „Wenn es um größere Entwicklungsprojekte wie NFC geht, dann werden natürlich auch Testausrüstungen gemacht. Dabei haben wir festgestellt, dass es bei manchem Pflegedienst teilweise gar nicht möglich war, die NFC-Handys zu bedienen; oder die Geräte waren nicht aufgeladen oder wurden vergessen. Solche Ergebnisse muss man eben nachher bewerten und überlegen, wie hoch das Potenzial hier wirklich ist.“

Gerhard Haas glaubt, dass auf Anwenderseite noch Informationen fehlen: „Es geht auch um die Kenntnisse, was man mit NFC machen kann. Smartphone-Benutzer wissen zwar ganz genau, welche Spiele und Apps sie auf dem Handy haben, aber was sie mit der integrierten NFC-Technik machen könnten, davon haben sie keine Vorstellung.“

Licht am Ende des Tunnels?

Trotz dieser ersten teilweise durchwachsenen Erfahrungen, gibt es dennoch einige Anwendungsfelder, in denen NFC-basierende Zutrittskontrolle nützen kann. Carsten Hoersch von Sesam nennt eines davon: „Ich fände NFC wirklich interessant für die Hotel-Applikation. Auf diese Weise könnte man sich über das Internet ein Zimmer buchen und bekommt die Berechtigung direkt auf sein Handy aufgespielt. Sofern gewünscht, kann man dann gleich bis zum Zimmer durchlaufen und braucht nicht mehr an der Rezeption zu warten. Das wäre schon eine optimale Anwendung.“

Das es in der Praxis gut funktionieren kann, zeigt auch ein Beispiel von Axel Schmidt: „Wir haben ein großes Projekt mit einer Universität in Spanien umgesetzt, bei dem sowohl NFC-Studentenkarten als auch NFC-Mobiltelefone zum Einsatz kommen. Die Studenten können auch mit dem enthaltenen Chip in der Mensa bezahlen oder Bustickets lösen. Dies sind mit Sicherheit interessante Anwendungen, die auch zeigen, dass man Karten und Handys gut kombinieren kann.“

Und Manfred Golfels von PCS Systemtechnik ergänzt: „Weitere Einsatzszenarien, die auch in Pilotprojekten teilweise realisiert sind, das sind solche, wo Mitarbeiter immer wieder einmal in Türen hinein müssen, für die sie regulär keine Zutrittsrechte haben. Das kann einerseits der Störfall-Techniker sein, dem man ad hoc neue Zutrittsrechte über die Luftschnittstelle übermitteln kann. Ich denke auch, dass man in der Altenbetreuung, wo sonst der Schlüssel unter der Fußmatte liegt, es mit NFC deutlich besser lösen kann. Anwendungsfelder gibt es also, jedoch betreffen sie einen eher eingeschränkten Nutzerkreis.“

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Foto: Michael Gückel

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