Die Trinkwasserversorgung als Teil der Kritischen Infrastrukturen muss entsprechend gesichert werden – hier das Beispiel eines Wassertransportmoduls.
Foto: M. Lülf, Berufsfeuerwehr Mülheim an der Ruhr

Katastrophenschutz

Trinkwasser als Teil der Kritischen Infrastruktur

Die Trinkwasserversorgung gehört zu den Kritischen Infrastrukturen (Kritis). Für Not- und Krisensituationen muss entsprechend vorgesorgt werden.

Aufgrund der sich gegenwärtig verändernden klimatischen, demographischen und technischen Rahmenbedingungen ist eine funktionstüchtige, resiliente Trinkwasserversorgung als Teil der Kritischer Infrastrukturen von herausragender Bedeutung für das Gesellschafts- und Wirtschaftssystem in Deutschland. Besonders auch deshalb, weil andere Sektoren der Kritis von einer funktionierenden Wasserversorgung abhängig sind. Dazu zählen etwa die Sektoren Ernährung, Gesundheit oder das Notfall- und Rettungswesen, die alle zwingend auf die Aufrechterhaltung der leitungsgebundenen Wasserversorgung angewiesen sind. Deshalb sind koordinierte Maßnahmen der Vorsorge und Bewältigung seitens der Wasserversorgungsunternehmen (WVU), der Behörden und der unterstützenden Einsatzorganisationen verstärkt gefordert.

Trinkwasserversorgung als Herausforderung

Trinkwasser gehört zu den wichtigsten Lebensmitteln überhaupt. Dementsprechend wichtig und unerlässlich ist der Schutz all derjenigen Anlagen und Infrastrukturen, die für die Bereitstellung von Trinkwasser notwendig sind. Aufgrund der ausgesprochen hohen Versorgungssicherheit wird die ständige Verfügbarkeit von Wasser in Trinkwasserqualität und in gewünschter Menge in Deutschland von vielen als eine Selbstverständlichkeit angesehen. Sie ist allerdings auch das Ergebnis vorausschauender und vorsorgender Planung sowie kontinuierlicher Verbesserung von Sicherheitsvorkehrungen. Außergewöhnliche Ereignisse, insbesondere im Kontext von Extremwetterlagen zeigen jedoch, dass auch die Wasserversorgung als Teil der Kritis in Deutschland verwundbar sein kann, vor allem dann, wenn notwendige Maßnahmen zur Bewältigung fehlen.

Anzeichen des Klimawandels

In den vergangenen Jahren wurden die Anzeichen des Klimawandels, unter anderem durch das gehäufte Auftreten von Extremereignissen wie Hochwasser, Starkregen oder Trockenheit und Dürre zunehmend deutlich. Ein für viele Menschen noch präsentes Beispiel hierfür ist die anhaltende Trockenheit in den Sommermonaten der Jahre 2018 und 2019, in der räumlich und zeitlich begrenzte Engpässe in der Trinkwasserversorgung auftraten und damit neue Herausforderungen der Versorgungssicherheit deutlich wurden (Deutscher Bundestag 2019).

Neben den naturbedingten Gefahren sind in den vergangenen Jahren die Abhängigkeit der Gesellschaft von der Informationstechnik (IT) und die sich daraus entwickelnden Gefährdungen in den Fokus gerückt. Auswirkungen auf die Bereitstellung kritischer Dienstleistungen, unter anderem im Bereich der Wasserversorgung, gehören zu diesen Gefährdungen. Ebenso kann ein länger andauernder Stromausfall für die Wasserversorgung schwerwiegende Folgen haben, da die Funktionsfähigkeit der Wasserversorgungsanlagen in vielen Fällen von der Verfügbarkeit von Energie abhängig ist.

Not- oder Krisensituationen jenseits des Normalbetriebs bewältigen

Zur Bewältigung von Ereignissen jenseits des Normalbetriebs sind vorsorgende Maßnahmen seitens der WVU, der zuständigen Behörden und der unterstützenden Einsatzorganisationen unerlässlich. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auch auf solchen Ereignissen, die zwar in ihren Folgen einschätzbar, deren Vorhersehbarkeit oder Eintrittswahrscheinlichkeit jedoch nur begrenzt möglich ist (zum Beispiel ein länger andauernder Stromausfall). Mögliche Maßnahmen zur Bewältigung von Not- und Krisensituationen sind:

  • Die Verfügbarkeit von Redundanzen im Versorgungssystem (n-1, Verbundsysteme),
  • die Verfügbarkeit von Notfallressourcen für außergewöhnliche, schwer kalkulierbare Ereignisse (Notstromversorgung, Ressourcen der Ersatzwasserversorgung),
  • ein ganzheitliches Risiko-und Krisenmanagement von WVU und Behörden unter Berücksichtigung außergewöhnlicher Gefahrenlagen.

Die Planung von Maßnahmen der Notfallvorsorge in der Wasserversorgung sollte den bei Ausfall notwendigen Wasserbedarf sowie die vorhandenen und benötigten Kapazitäten und Ressourcen zur Versorgung der Bevölkerung beinhalten. Welche Ersatzversorgungsmaßnahmen und Ressourcen die optimale Lösung sind, entscheidet sich auf Grundlage der vor Ort gegebenen Versorgungsstrukturen, der vorhandenen und nutzbaren Ressourcenpotenziale sowie der organisatorischen Rahmenbedingungen. Der mobile Wassertransport wird dabei meist einen wichtigen Bestandteil der Planung darstellen.

Die Bewältigung von Extremereignissen und die dazu erforderlichen vorsorgenden Maßnahmen können nur durch die Zusammenarbeit aller relevanten Akteure im Rahmen eines integrierten Risiko- und Krisenmanagements erfolgreich sein (DIN SPEC 91390:2019-12).

Zukünftige Aufgaben zur Sicherung der Kritischen Infrastruktur Trinkwasser

Um eine Sensibilisierung der Aufgabenträger der Wasserversorgung für die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Risikomanagements und einer abgestimmten und koordinierten Notfallvorsorgeplanung unter Einbeziehung aller Beteiligten zu erreichen, hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat zwei Fachinformationen erarbeitet. Bei der Konzeption dieser Fachinformationen war es dem BBK ein Anliegen, erfahrene Praktiker aus WVU, Behörden und Einsatzorganisationen zu beteiligen, um eine möglichst hohe Akzeptanz, gute Anwendbarkeit und Praxisnähe zu gewährleisten. Somit hat die Fachinformation „Sicherheit der Trinkwasserversorgung – Teil I: Risikoanalyse“ (BBK 2016) einen ersten wichtigen Beitrag geleistet, indem sie die Zusammenarbeit und die Maßnahmen aller beteiligten Akteure im Rahmen einer ganzheitlichen Risikoanalyse erläutert und eine Vorgehensweise zur praxisnahen Umsetzung der Risikoanalyse auf Basis der bestehenden Regelwerke und Normen an die Hand gibt.

Mit dem im Jahr 2019 erschienenen Teil II: „Notfallvorsorgeplanung“ werden diejenigen adressiert, die bei einer Beeinträchtigung oder einem Ausfall der öffentlichen Wasserversorgung verantwortlich und oder an der Planung und Durchführung von Notfallmaßnahmen beteiligt sind. Dies sind die WVU, die zuständigen kommunalen Behörden – vor allem die Gesundheitsämter und der Katastrophenschutz – sowie die Einsatzorganisationen. Zusätzlich zu den rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen im Kontext der Daseinsvorsorge werden in dieser Fachinformation die Fähigkeiten und Ressourcen der Ersatz- und Notwasserversorgung staatlicher und nicht-staatlicher Organisationen erläutert, die die Kommunen bei der Bewältigung von Not-, Krisen- oder Katastrophenfällen in der Wasserversorgung unterstützen können. Vor dem Hintergrund außergewöhnlicher Ereignisse wird damit eine bislang existierende Lücke im Prozess des Risiko-
managements hin zum Krisenmanagement geschlossen.

Dr. Ina Wienand, Referentin (Referat Risikomanagement Kritischer Infrastrukturen, Schutzkonzepte Kritischer Infrastrukturen) im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Im Fall einer Versorgungskrise kommt es schnell zu Hamsetrkäufen und Engpässen bei Lebensmitteln.
Foto: Wikimedia Commons

Wirtschaftsschutz

Versorgungskrisen: Was tun, wenn das Wasser ausgeht?

In Versorgungskrisen ist effektives Katastrophenmanagement gefragt. Das Projekt „Nolan“ erforscht dazu öffentlich-private Partnerschaften.

Foto: Kalscheuer

Cluster-Forum Stromausfall

Die Stromversorgung sicherstellen

Lichter und Ampeln gehen aus, Geschäfte sind lahmgelegt, die Bevölkerung sitzt im Dunkeln. Ein Stromausfall aufgrund von Schneefall bescherte im Jahr 2005 im Münsterland 250.000 Menschen vier Tage lang eine Ausnahmesituation. Das Cluster-Forum Stromausfall gab Ende 2017 darüber Aufschluss, ob sich die Bevölkerung zukünftig an Stromausfälle gewöhnen muss, und was für Konsequenzen ein Stromausfall für die öffentliche Ordnung hat.

Die Füllstände der Gasspeicher können sinken, wenn technische, wirtschaftliche und wetterbedingte Faktoren zusammenkommen.
Foto: muratart - stock.adobe.com

IT-Sicherheit

Das Unwahrscheinliche denken

Eine stabile Versorgungslage ist für gesellschaftliche und politische Stabilität sehr wichtig. Kritische Infrastrukturen müssen daher entsprechend geschützt werden.

Foto: BBK

Lükex erprobt IT-Sicherheit

Eingespieltes Team

Die fünfte Krisenmanagement-Übung „Lükex 11“ (Länder Übergreifende Krisenmanagement-Übung/Exercise) erreichte am 30. November und 1. Dezember 2011 mit der Übungsdurchführung ihren Höhepunkt. In diesem Jahr im Fokus: die IT-Sicherheit.