Foto: Zumpe/Gückel

Gemeinsame Administration

Vereinte Parallelwelten

Zutrittssysteme sind in der Praxis äußerst vielfältig – häufig trifft man einen Mix aus Mechanik, Mechatronik und online vernetzter Elektronik an. Doch wie sollten die Systeme und Technologien idealerweise ineinandergreifen, um unnötigen Aufwand bei der Installation und Administration zu vermeiden?

Als Einleitung des Themenfeldes skizzierte Moderator Boris Stamm seinen Eindruck von der aktuellen Wirklichkeit in der Zutrittswelt: „Es ist durchaus üblich, dass auf Betreiberseite eine wie auch immer geartete Kombination aus – teilweise mechanischem – Schließsystem, mechatronischen Komponenten und oft auch Online-Zutrittskontrolle im Einsatz ist. Wie gut sich diese verschiedenen Systeme vertragen, ist jedoch stark davon abhängig, ob sie vernünftig integriert wurden oder ob hier mehrere Insellösungen im aufwendigen Parallelbetrieb sind.“

Axel Schmidt von Salto Systems will diese klare Aufgliederung allerdings nicht in allen Teilen unterschreiben: „Es hat sich hier in den letzten Jahren viel getan, und ich sehe in der Funktionalität gar keinen großen Unterschied zwischen Mechatronik und Online-Zutrittskontrolle. Es ist vielmehr ein fließender Übergang, bei dem es schwer wird, noch diese klaren Grenzen zwischen Offline und Online zu ziehen.“ Dem pflichtet Walter Elsner von PCS Systemtechnik bei: „Online- und Offline-Zutrittskontrolle sind nicht mehr so weit auseinander, sie wachsen in irgendeiner Form immer stärker zusammen. Oft haben Kunden an der Außenhaut eine Online-Zutrittskontrolle und in den Büros dann Offline-Beschläge. Es ist also nicht so ohne Weiteres zu trennen, weshalb es auch eine Integration geben muss – und die gelingt im einfachsten Fall über die Karte.“

Definitionssache

Dies zeigt bereits, dass Zutrittslösungen einem fortschreitenden Wandel unterworfen sind, der ständig neue Möglichkeiten und praktische Ausprägungen hervorbringt. Nebeneffekt ist, dass manche althergebrachte Definition von Offline und Online nicht mehr greift. Denn spätestens seit der Vernetzung von mechatronischen Komponenten über virtuelle Netze oder per Funkübertragung kann man kaum mehr von klassischen Offline-Lösungen sprechen. Für viele Anwender ist die Definitionsfrage auch bei Weitem nicht die dringendste – ihnen geht es um bestimmte Funktionalitäten und auch um die Vorteile, die der Einsatz einer Kombination von Lösungen bringen kann. Axel Schmidt plädiert für den individuellen Ansatz: „Die Herausforderung ist immer folgende: Welche Gegebenheiten treffe ich im Objekt an? Was will der Anwender realisieren, und welche bestehenden Komponenten müssen unter Umständen integriert werden? Sehr viel kann man dabei mit Mechatronik lösen. Aber man muss auch realistisch bleiben: Wir kommen aus der Welt der elektronischen Schließzylinder und der elektronischen Beschläge – und wir machen mittlerweile sehr viel online, aber wenn es um komplexe Herausforderungen in der Industrie geht, wie Aufzugsteuerung oder LKW-Zufahrtsregelung, dann sind die verkabelten Online-Lösungen hier sinnvoller anzuwenden.“

Statements

„Es hat sich hier in den letzten Jahren viel getan und ich sehe in der Funktionalität gar keinen großen Unterschied zwischen Mechatronik und Online-Zutrittskontrolle. Es ist vielmehr ein fließender Übergang, bei dem es schwer wird, noch diese klaren Grenzen zwischen Offline und Online zu ziehen.“
Axel Schmidt, Geschäftsführer, Salto Systems Deutschland


„Dem Endbenutzer ist es teilweise gar nicht bewusst, dass es die Möglichkeit gibt, etwas zu integrieren – und einigen Errichtern genauso wenig. Es gibt vor Ort einen Facility Manager, der vorher die Schlüsselverwaltung gemacht hat und der nun die elektronischen Berechtigungen verwaltet. Dass dies vielleicht mit der Zeiterfassung oder der Zutrittskontrolle zusammen noch effizienter geht, ist ihnen manchmal gar nicht bewusst.“
Hartmut Beckmann, Leiter Vertrieb Süd, Uhlmann & Zacher

Kein Allheilmittel

Das Allheilmittel für alle Szenarien ist logischerweise keines der Systeme, schon allein aus diesem Grund dürften verschiedenste Kombination gang und gäbe sein. Der Knackpunkt ist hierbei die Integration, die heute auf mannigfaltige Art realisiert werden kann, wie auch Hartmut Beckmann von Uhlmann & Zacher bestätigt: „Was die Integrationsmöglichkeiten angeht, sind wir recht offen. Es gibt zum einen die Möglichkeit, über eine Software-Schnittstelle Daten auszutauschen, zum anderen kann man aber die Leser und Zylinder direkt über Funkschnittstelle an einen Controller schalten. Zudem geben wir Partnern auch die Möglichkeit, über ein Entwicklungstool direkt eine Firmware mit eigenen Funktionen auf den Zylinder aufzuspielen.“

Und Thomas Weber von Simonsvoss Technologies berichtet: „Wir stellen zum Beispiel API-Strukturen, ODBC-Schnittstellen, Webservices sowie ASCII-Strukturen aus unserem System zur Verfügung, die andere verwenden können. Dann gibt es natürlich noch eine weitere Integrationsebene auf der Produktseite, etwa in Form von Komponenten, die man an externe Steuerungssysteme anschließen kann, um Zylinder über Funk fernzusteuern. Es gibt weitere Möglichkeiten der Integration auch auf Kartenebene oder sogar auf Firmware-Ebene.“

Christian Schmitz skizziert den Ansatz von Burg-Wächter: „Bei der Integration von Elektronikprodukten bilden die Endkundenanforderungen die Basis, so dass wir das elektronische System verstärkt in seinen etablierten Produktsparten mit einbeziehen – begonnen hat die Elektronik-Einbindung in der Tresortechnik schon vor über 25 Jahren. Die Integrations- und Adaptionsmöglichkeit einer Zutrittskontrolle TSE sind vielseitig – sei es eine Briefkastenanlage, eine Videoanlage oder der Tresor, der auch im Sinne eines Sicherungskonzepts für den Kunden mit eingebunden wird. Somit bezieht der Kunde verschiedene Burg-Wächter-Produkte, welche über eine Usermanagementsoftware verwaltet und gemeinsam über ein Identmedium bedient werden können.“

1 - 2 - 3 nächste Seite