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Compliance im Unternehmen

Vertrauen schaffen

Das Thema Compliance betrifft mittlerweile alle Unternehmen und Institutionen gleich welcher Größe oder in welchen Bereichen agierend. International aufgestellte oder größere Unternehmen sind sicherlich mehr betroffen als Mittelständler. Jedoch ist auch bei mittelständischen Unternehmen, gerade durch die räumliche Nähe und zum Teil örtliche Verbundenheit zum potentiellen Auftraggeber, ein Risikopotential gegeben, was auch auf Krankenhäuser zutrifft.

Dabei ist zwischen Krankenhäusern und Unikliniken zu differenzieren. Denn an letzteren steht neben der Patienten-versorgung auch die Forschung im Mittelpunkt, die zumeist von Drittmittelgebern wie pharmazeitsuchen Unternehmen gesponsert und finanziert wird. Hier besteht das Risiko der Abhängigkeit der Forscher von den Geldgebern. Daher ist es in diesen Fällen besonders wichtig, auf Transparenz zu setzen und die forschenden Ärzte entsprechend zu sensibilisieren, nicht zuletzt, weil Verstöße gravierende rechtliche und imagepolitische Konsequenzen nach sich ziehen können. Seit einiger Zeit wird die Einwilligung in Regelwerke auch bei der Mitarbeiterauswahl, zumindest bei Führungskräften und für sensible Positionen, im Rahmen von Verhaltens-Profil-Analysen (VPA), als wesentliches Charaktermerkmal bewertet.

Jürgen Schreiber Jürgen Schreiber ist Securitymanager bei der Tiroler Landes-krankenanstalten (Tilak) GmbH Innsbruck
- Kaufmännischer Ausbildung, Werkschutzmeister, Studium Security & Safety Management
- Von 1996 bis 2004 selbständig als unabhängiger Berater mit Schwerpunkt Sicherheitsberatung
- Seit 2004 für die Tilak GmbH als Securitymanager tätig
- Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger in der Fachgruppe Sicherheitswesen

Die Maßnahmen eines Compliance-Systems im Unternehmen gründen auf den drei Säulen Vorbeugung, Erkennung und Reaktion. Als Kontroll- beziehungsweise Meldeinstrument kann ein Hinweisgebersystem (Whistleblowing) implementiert werden. Meldewesen können etwa internetbasiert oder auf E-Mail-Basis aufgebaut sein oder als Telefonhotline funktionieren. Der Einsatz von internen Vertrauenspersonen oder einer externen Ombudsstelle sind ebenfalls vorstellbar. Eine grundsätzliche Voraussetzung für die Effektivität und Effizienz solcher Instrumente ist die Glaubhaftigkeit des Datenschutzes (Schutz der Hinweisgeber) und die professionelle Planung und Umsetzung. Dabei müssen Sinn und Zweck des Compliance-Managements allen Beschäftigten einfach und verständlich übermittelt werden.

Wachsende Bedeutung

Die Bedeutung von Compliance hat in den vergangenen Jahren aus mehreren Gründen stark zugenommen. So ist die Anzahl der strafbewehrten Rechtsvorschriften und entsprechenden Verfolgungen von Organisationen gestiegen und die Strafverfolgung wurde verstärkt. Das mediale Interesse ist angewachsen und die Reputationsrisiken nehmen an Bedeutung zu. Als eine Antwort auf diese Entwicklung wurde in Österreich die ONR 102050 (Compliance Management Systeme (CMS) ― Anforderungen und Anleitung zur Anwendung) geschaffen und Anfang 2013 veröffentlicht. Daneben gibt es von Transparency International Austria ein Grundsatzpapier mit dem Titel „Transparenzmängel im Gesundheitswesen: Einfallstore zur Korruption“ sowie ein von der EU verfasste Studie mit dem Titel „Study on Corruption in the Healthcare Sector“.

Im Rahmen von Informationsveranstaltungen für die Belegschaft, auf Abteilungs- oder Stationsebene und durch die Präsenz im Intranet können die Mitarbeiter angesprochen und sensibilisiert werden. Bei den Führungskräften gilt es, die Einsicht und Verantwortung für das eigene Tun zu stärken und gleichzeitig Unterstützung bei der Umsetzung der Compliance-Richtlinien anzubieten. Nach der Einführung, also im täglichen Krankenhausleben, muss die Abteilung Compliance für die Anliegen und Informationen der Beschäftigten und Führungskräfte erreichbar sein und im Bedarfsfall „Quellenschutz“ garantieren

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Compliance im Krankenhaus

Ohne Risiken und Nebenwirkungen

Überall, wo Produkte und Dienstleistungen eingekauft werden, kann es zu Korruption kommen – auch in Krankenhäusern. PROTECTOR befragte zum Thema Compliance Jürgen Schreiber, Security Manager der Tiroler Landeskrankenanstalten (Tilak) GmbH.

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Compliance

Sicherheit schaffen

Anti-Korruptionsgesetze, verschärfte Compliance-Regelungen und Empfehlungen zu guter Unternehmensführung – das Jahr 2017 birgt Herausforderungen und Stolpersteine. Das richtige Compliance-Lösungssystem schafft Sicherheit und schützt vor Haftungsrisiken.

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Hinweisgebersysteme

Mehr als ein Feigenblatt

In Folge der Umsetzung der Basel-III-Regelungen gelten für Finanzinstitute in den Ländern der EU weitreichende Compliance-Anforderungen. Die Einführung eines Hinweisgebersystems im Rahmen der Betrugsprävention ist dabei ein wesentlicher Bestandteil.

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Hinweisgebersystem im Krankenhaus

Straftaten frühzeitig erkennen

Mindestens 90 Patienten fielen der Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels H. zum Opfer. Durch anonyme Meldemöglichkeiten hätte er womöglich früher gestoppt werden können.