Dirk Brand, ehemaliger Mitbegründer von Seetec und Eigentümer des Start-ups Security-Max.
Foto: Security-Max

Interviews

Videobasierte Prozessoptimierung in der Cloud

Mit der Speicherung von Daten in der Cloud, verändert sich auch die Videosicherheits-Branche. PROTECTOR sprach mit Dirk Brand, Gründer des Start-ups Security-Max.

PROTECTOR: Herr Brand, Sie sind wohl eine der bekanntesten Personen in der Videosicherheits-Branche, und waren unter anderem bereits Ende der 90er-Jahre Mitgründer von Seetec. Vor circa einem halben Jahr haben Sie mit Security-Max wieder eine Firma gegründet. Welche Geschäftsidee hatten Sie diesmal?

Dirk Brand: Ja, ich bin schon ein paar Jahre in der Sicherheitsbranche tätig und habe einen umfangreichen Überblick über den Markt und seine Trends. Der Impuls für die Gründung von Seetec gab uns die erste netzwerkbasierte Überwachungskamera. Eine Kamera, die Bilder ins Internet übertragen konnte, lieferte ganz neue Nutzungsmöglichkeiten. Die Firma Seetec, die Softwareentwicklung für IP Kameras vorantrieb, wuchs von 1997 bis 2017 auf über 200 Mitarbeiter. Jetzt gibt es wieder eine grundsätzliche Veränderung in der Videoüberwachungstechnologie, welche den Anwendern in vielerlei Hinsicht einen großen Nutzen und Effektivitätssteigerungen bringt: die Speicherung sicherheitsrelevanter Daten in der Cloud. Dieses Thema haben wir bei Security-Max aufgegriffen und daraus ein ganzheitliches Lösungskonzept entwickelt. Unsere Plattform stellt die Basis für ein professionelles, standortunabhängiges Sicherheits- und Datenanalysetool dar. Kameras senden Bilder oder Metadaten über das Netzwerk in eine in Deutschland befindliche Cloud. Die Informationen werden dort analysiert und für Kunden anwendungsbezogen aufbereitet. Durch die Zentralisierung der Services und die Vereinheitlichung der Prozesse bei gleichzeitiger Erhöhung der Flexibilität entsteht ein Tool zur Prozessoptimierung. Davon profitiert vor allem der stationäre Handel. Entgegen meiner bisherigen Erfahrung, dass technologische Veränderungen nur zögerlich beim Endkunden ankommen, verändert sich speziell der Einzelhandel rasant. Der Internethandel hat in den letzten Jahren immer mehr Marktanteile gewonnen. 2017 hat es eine Kaufkraftverschiebung von neun Prozent in Richtung Onlinehandel gegeben. Jeder Internethändler hat über seine Kunden umfangreiche Daten, die er für eine zielgruppengerechte Ansprache nutzt. Dort setzen wir mit unserer Lösung an. Der stationäre Handel ist gezwungen, seine Kunden aktiver und individueller zu betreuen, um nicht noch mehr Umsätze an seine Internetkonkurrenz zu verlieren. Die Sicherheitstechnik kann mithilfe der Cloud nicht nur als Überwachungs- und Alarmsystem eingesetzt werden, sondern – und das ist neu – auch als intelligentes Analysesystem.

Wie funktioniert ein intelligentes Analysesystem im Detail?

Auf der eigenen, intelligenten Sicherheitsplattform Security-Max werden sämtliche Kundenaufschaltungen zentral verwaltet. Max, der schlaue Fuchs, weiß alles zum Thema Sicherheit und beantwortet alle Fragen über die Plattform. Innerhalb der Anwendung hat er Zugriff auf die verknüpften Videokameras und auf diverse Sensoren. Das Rechenzentrum steht in Deutschland und unterliegt den Richtlinien der DSGVO. Stellt das System Alarmbilder auf der Plattform zu Verfügung, können diese selbstverständlich auch auf eine NSL aufgeschaltet und im Alarmfall professionell abgearbeitet werden. Die Installation und Inbetriebnahme erfolgt bundesweit ausschließlich über Security-Max zertifizierte Installationspartner um ein Höchstmaß an Qualität und Sicherheit zu garantieren. Kundenzufriedenheit hatte für mich schon immer die höchste Priorität. Meine neue Firma ermittelt gemeinsam mit dem Kunden ein individuelles Anforderungsprofil an sein Sicherheits- und Analysesystem. Wir integrieren bestehende Kamerasysteme ebenso wie Spezialsysteme in die Cloud Plattform.

Welche Funktionen bietet die Security-Max Cloud Plattform?

Durch die Analysesoftware stehen unseren Kunden Standardauswertungen, sogenannte Dashboards, zur Verfügung, welche auf Kundenwunsch individuell angepasst werden können. Aber lassen Sie mich hier ein paar konkrete Beispiele zur Datenanalyse aufführen: Durch die Auswertung von Eingangsfrequenz beziehungsweise Frequenzverteilung wird die Besuchsverteilung nach Öffnungszeit, Wochentag oder auch nach saisonalen Schwankungen ermittelt. Hierdurch lässt sich zum Beispiel die Personaleinsatzplanung effizienter gestalten. Durch die Ermittlung der „Conversion Rate“, also der Kunden, welche auch einen Umsatz generiert haben, und der Auswertung der „Mean residence time“, also der Verweildauer, und des „Heat Mappings“ lassen sich sowohl Marketingmaßnahmen bewerten als auch analysieren, an welchen Sortimenten und Lagen der meiste Umsatz erwirtschaftet wird. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, das Personal über längere Wartezeiten an der Kasse zu informieren und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dies erhöht die Kundenzufriedenheit und zufriedene und wiederkehrende Kunden möchten wir ja alle.

Bietet die Cloud weitere Vorteile?

Durch den Einsatz der Cloud in einem Filialbetrieb werden viele dezentrale Informationen zentral ausgewertet und gesteuert. Die Zusammenführung der Daten in der Cloud bietet unseren Kunden Maximale Sicherheit in Verbindung mit einer umfangreichen Analysefunktion. Vor allem Firmen mit Filialen und Niederlassungen haben über die einheitliche Administration hinaus erhebliche Vorteile in der Datensicherung und Datensicherheit. Für Security-Max ist es selbstverständlich, Kunden nach erfolgter Inbetriebnahme der Lösung weiter zu betreuen. Wir bieten Schulungen zur erfolgreichen Datenauswertung an. Als weiteren Vorteil bieten wir Cloudlösungen als Mietkonzept mit unterschiedlichen Laufzeiten an. Dies umfasst Hardware, Software und diverse Zusatzfunktionen wie zum Beispiel frei konfigurierbare Dashboards. Am Ende der Vertragslaufzeit kann jeder Kunde entscheiden, ob er die Verträge verlängern möchte oder ob die Anlage zurückgebaut wird. Unsere Lösung stellt für den Handel eine intelligente Zukunftsinvestition dar. Hierbei sind die Kosten klar kalkulierbar. Der stationäre Handel kann das Informationsdefizit gegenüber dem Onlinehandel nur aufholen, indem er in intelligente Sicherheitssysteme investiert und mit Hilfe der Analysemöglichkeiten Kostensenkungs- und Kundenbindungsmaßnahmen einleitet.