In Hochsicherheitsbereichen wie Strafvollzugsanstalten müssen Mehrtürenschleusen nicht nur reibungslos funktionieren, sondern auch höchste Sicherheitsfunktionen erfüllen, um Personal, Insassen und Anwohner im Umfeld zu schützen.
Foto: Maniago & Henss

Zutrittskontrolle

Viele Türen und kein Raum für Sicherheitslücken

Mehrtürenschleusen in Hochsicherheitsbereichen erfordern eine Steuerung, die absolut zuverlässig funktioniert und im Notfall individuell kontrollierbar ist.

Es gibt Orte und Situationen, da müssen Schleusen nicht nur für reibungslose Übergänge sorgen, sondern auch besondere Schutzfunktionen erfüllen. So gelten zum Beispiel in Justizvollzugsanstalten (JVA) oder forensischen und psychiatrischen Kliniken höchste Sicherheitsanforderungen, um Bedienstete und Anwohner im Umfeld, aber auch die Insassen oder Patienten selbst zu schützen. Gleichzeitig sollte die Bedienbarkeit solcher Schleusensteuerungen einfach und flexibel sein, um Abläufe im Alltag optimal koordinieren zu können und im Notfall ein rasches Eingreifen zu ermöglichen. Diese Anforderungskombination bringt übliche Steuerungslösungen – insbesondere bei verschachtelten Schleusen – schnell an ihre Grenzen.

Mittels Schleusen lassen sich Zu- und Austritte einzelner Personen oder begrenzter Personengruppen gezielt regeln. Dabei sorgt die Schleusensteuerung dafür, dass bestimmte Türen nur geöffnet werden können, wenn andere geschlossen sind. Die einfachste Schleuse besteht aus zwei Türen und folgt simplen Regeln. Sie lässt sich leicht mit Türkontakten realisieren, die über Kreuz verbunden sind. Dabei entscheiden die Türsteuerungen in der Regel selbstständig über die Freigabe. Sie teilen im geöffneten Zustand der anderen Steuerung über Kontakte oder Busbefehle mit, dass sie verriegelt bleiben muss.

Ein bekanntes Problem solcher Standard-Systeme ist die sogenannte Gleichzeitigkeit der Ereignisse, die in einem kleinen Zeitfenster zur unerwünschten, simultanen Freigabe von zwei Türen führen kann. Zudem können über die Signallaufzeiten zwischen den Einzelsteuerungen weitere Sicherheitslücken entstehen. Bei geringen oder mittleren Sicherheitsanforderungen werden diese Risiken oft bewusst oder auch unwissentlich in Kauf genommen.

Herausforderung Hochsicherheitsschleusen

In Einsatzfeldern wie Justizvollzugsanstalten oder forensischen Psychiatrien hingegen, können auch noch so kleine Lücken im Sicherheitssystem von Schleusen unmittelbar zu Gefahrensituationen führen. Zumal Insassen solcher Einrichtungen über hinreichend Zeit und Motivation verfügen, Funktionsabläufe und Schwachstellen einer Anlage genau zu analysieren, um sie im Zweifel gezielt zu nutzen oder zu manipulieren.

Erschwert wird die Umsetzung einer verlässlichen Schleusenlösung, wenn mehr als zwei Türen beteiligt sind und sogenannte verschachtelte Schleusen vorliegen. So ist es in Vollzugsanstalten zum Beispiel üblich, neuralgische Bereiche wie Durchgangsflure und Zellbereiche mit vorgelagerten Eingangsschleusen auszustatten. Die innere Flureingangstür ist dann gleichzeitig Teil zweier oder mehrerer Schleusengruppen (siehe hierzu auch Grafik). Beim Öffnen der äußeren Eingangsschleusentür soll die Schleusenfunktion der Flurtüren dann zum Beispiel noch nicht beeinträchtigt werden. In solchen verschachtelten Mehrtürenschleusen steigt die Komplexität der Steuerung enorm an und viele Systeme stoßen an ihre Grenzen.

Individuelle Kontrolle für den Notfall

Gerade bei der Realisierung komplexer Sicherheitskonzepte kommt es neben leistungsfähigen Einzelprodukten auch auf deren intelligente Vernetzung an, die für ein zuverlässiges und effizientes Zusammenspiel sorgt. Darüber hinaus sollte das Gesamtsystem am Ende flexibel und intuitiv bedienbar sein – insbesondere in Situationen, die ein zügiges und zielgerichtetes Handeln verlangen.

Wird in einer Haftanstalt beispielsweise eine Türe bei der Flucht mutwillig blockiert, kann das Sicherheitspersonal nicht mehr durch die Schleuse nachrücken. Für solche Notsituationen muss die Schleusenfunktion schnell und zentral deaktiviert werden können. Deshalb gilt: Genauso wichtig wie eine sichere Schleusenfunktion im Normalfall, ist auch die Einplanung und Realisierung von Ausnahmen.

Zentrale Softwarelösung für den Härtefall

Der deutsche Entwickler und Hersteller Maniago & Henss setzt bei Schleusen, die eine 100-prozentige Funktionsgarantie erfordern, auf einen zentralen Schleusenmanager. Die Vorort-Steuerungen geben damit ihre Eigenständigkeit ab und leiten Begehungsanfragen mittels Schlüsselschalter, Taster oder Zutrittskontroll-Leser an eine Zentrale. Diese erkennt die Verriegelungszustände aller beteiligten Schleusentüren und entscheidet somit auf gesicherter Informationsbasis, ob die gewünschte Tür entriegelt werden darf. Auf diese Weise lassen sich auch in komplex verschachtelten Schleusen mit vielen Türen Sicherheitslücken durch Signallaufzeiten ausschließen. Das wiederum macht umfangreiche Sicherheitsregelungen für „zusammengebastelte“ Lösungen überflüssig und ermöglicht effizientere und reibungslose Zeitabläufe im Betriebsalltag.

Darüber hinaus kann die Schleusenfunktion im Gefahrenfall über die zentrale Steuerung schnell außer Kraft gesetzt werden, damit zum Beispiel bei einem Fluchtversuch das Wachpersonal handlungsfähig bleibt und unmittelbar nachfolgen kann. Die Deaktivierung erfolgt über Schlüsselschalter, Kartenleser oder das speziell entwickelte Anzeige- und Parametrierprogramm „FT-Show“.

Schneller Überblick im Ernstfall

Die Software „FT-Show“ listet dem Verantwortlichen die Türzustände übersichtlich und nach Prioritäten sortiert auf. Das ersetzt grafische Anzeigepläne, die optisch gefällig wirken, aber in der Praxis häufig zu Problemen führen. Denn Gebäudegrundrisse orientieren sich selten am Bildschirmformat, weshalb meist mehrere Pläne benötigt werden. Liegt nun ein Notfall vor, bei dem Ereignisse auf verschiedenen Plänen angezeigt werden, ist die vermeintliche Übersichtlichkeit solcher Plandarstellungen augenblicklich verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass das Bedienpersonal in solchen Situationen gestresst ist und eine konzentrierte, sichere Programmbedienung mit Mauszeiger und Tastatur nicht vorausgesetzt werden kann.

Die zentrale Softwaresteuerung bündelt somit alle beteiligten Einzelsysteme einer verschachtelten Schleuse zu einem homogenen Gesamtsystem. Gleichzeitig wird die Komplexität der Sicherheitsanforderungen vor dem Nutzer verborgen, indem diese maßgeschneidert in ein einfaches und übersichtliches Bedienkonzept abgebildet werden.

Maniago & Henss hat bei der Entwicklung der zentralisierten Steuerungslösung das Augenmerk auf verschachtelte Schleusen mit komplexen Sicherheitsanforderungen gerichtet. Demnach qualifiziert sie sich insbesondere für Hochsicherheitsbereiche, in denen absolute Funktionsgarantie gefordert ist (Vollzugsanstalten, forensische Kliniken, geschlossene Krankenhausabteilungen, Demenzbereiche in Pflegeheimen, Labore etc.). Das System ist aber auch für solche Anwendungsbereiche interessant, wo Mehrtürenschleusen mit wenig Software- und Hardwareaufwand zentral und flexibel gesteuert oder mit weiteren Funktionen wie Zutrittskontrolle kombiniert werden sollen.