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Geld- und Werttransportfahrzeuge

Vom Geldtransporter zum Cashprovider

Wie lassen sich Transportwege und -kosten in der Zukunft noch weiter optimieren und wie sähe der optimale Bargeldkreislauf aus? Zwei Fragen, denen sich Experten im Rahmen des Bargeldlogistikkongresses 2014 gestellt haben.

Blickt man einmal weit zurück, in die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts, so findet man Geldtransport-fahrzeuge, die mehr oder weniger ungeschützt von A nach B fahren und die Werte in Kisten oder Säcken im Laderaum aufbewahren.Seit dieser Zeit ist viel geschehen, die Fahrzeuge haben eine regelrechte Evolution durchlaufen. Panzerungen und Verriegelungstechniken geben den Fahrzeugen heute eine hohe physische Sicherheit, und komplexe Elektroniken machen sie zu hochintelligenten, rollenden Sicherheitsapparaten.

Intelligente Vernetzung

Die Fahrzeuge dienen dem Schutz von Personal und den zu transportierenden Werten. Heute werden in ihnen die verschiedenen Systeme und Techniken des Bargeldkreislaufs zusammengeführt und intelligent vernetzt. Transportsysteme, Kommunikations- und Erfassungstechnik sind hierbei nur einige Beispiele der im Fahrzeug zusammenlaufenden Systeme. Doch wie geht die Entwicklung weiter und welche zusätzlichen Aufgaben werden die Fahrzeuge in der Zukunft übernehmen?

Seit 1835 beschäftigt sich die Deutsche Bahn mit dem Thema Bargeldtransport und zählt damit zu einem der ältesten Wertelogistiker weltweit. Die Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen und Gütertransporten mussten von Beginn an auf den Personen- oder Güterbahnhöfen sicher gelagert und dann entsprechend transportiert, buchhalterisch bearbeitet und einem Bankinstitut zugeleitet werden.

Heute ist bei der Deutschen Bahn ein eigener Geschäftsbereich zuständig für die Wertelogistik. Bundesweit sorgt dieser mit einem eigenen Fuhrpark und eigenen Cash Centern für eine integrierte Wertelogistik. Das Portfolio umfasst die kundenindividuelle Beratung, die Individuelle wertelogistische Bedienung sowie die buchhalterische Betreuung.

Eine besondere Herausforderung stellen im Rahmen der Logistik die großen Bahnhöfe mit diversen Ein- und Auszahlungspunkten dar. Das Bargeld wird an verschiedenen Orten eingesammelt und im Fahrzeug zusammengetragen. Von dort wird das Geld in Cash Center transportiert und anschließend zur Bundesbank befördert. Nachdem es dort geprüft und für tauglich erklärt wurde, kommt es über die gleichen Transportwege wieder zurück in den Bargeldkreislauf. Möglicherweise also sogar wieder an den Bahnhof, wo es vorher abgeholt wurde.

Es stellt sich die Frage, welche ökonomische und ökologische Effizienz und Effektivität diese Verfahren in der heutigen Zeit, dem Zeitalter von Hochtechnologie, noch hat? Oder anders formuliert: Warum leisten wir uns noch einen solchen Aufwand und warum nutzen wir nicht intelligente Technologien und Prozesse zur Lösung beziehungsweise zur Effektivitätssteigerung für die Wertelogistik?

Ein möglicher Ansatz zur Optimierung dieses Prozesses kann das Verlagern einzelner Tätigkeiten des Cash Centers beziehungsweise der Bundesbank in das Fahrzeug sein. Einfach gesagt, man nimmt das Geld, das man am Bahnhof eingesammelt hat, prüft es im Fahrzeug, schreibt es den Kundenkonten gut und führt es dann direkt wieder dem Bargeldkreislauf zu. Die Fahrten zu den Cash Centern und zur Bundesbank werden auf ein Minimum reduziert. Aus dem Geldtransportfahrzeug wird also ein mobiles Cash Center, ein Cashprovider.

Flexibel

Lediglich das überschüssige Geld muß noch in die Cash Center beziehungsweise zur Bundesbank transportiert werden. Um das Fahrzeug voll auszulasten, kann es je nach Bedarf an verschiedenen Orten eingesetzt werden. Heute ver- und entsorgt es den Bahnhof mit all seinen Ein- und Auszahlungspunkten, morgen steht es an einem großen Einkaufszentrum mit einer ähnlichen Bedarfsstruktur und übermorgen bedient es einen Jahrmarkt.

Natürlich erfordert der Einsatz eines Cashproviders eine umfangreiche Vernetzung der Geldbearbeitungs-, Transport-, Kommunikations, und Sicherheitssysteme im Fahrzeug, aber die künftigen Vorteile, hin zu einer effektiven Zukunft in der Wert- und Logistikbranche, lohnen weitere Gedankenspiele.

Robert Frischbier, Key-Account-Manager Apprich Secur GmbH, Joachim Elm, Leiter Geldlogistik und Vermarktung, DB Vertrieb GmbH

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IT-gestützter Bargeldkreislauf

Der Weg des Geldes

Ohne IT geht heute fast nichts mehr, besonders im Zahlungsverkehr. „IT-gestützt“ heißt aber nicht gleich bargeldlos. Im Gegenteil: 80 Prozent der Transaktionen in Deutschland werden bar abgewickelt.

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Geldtransporter

Gepanzerter Computer

Man muss schon sehr genau hinsehen, um heute einen Geldtransporter im Straßenbild auf den ersten Blick zu erkennen. Von außen eher schlicht und von einem normalen Transporter kaum zu unterscheiden, verbirgt sich im Innern ein hochmodernes Spezialfahrzeug.

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Geld- und Wertdienstleister

Zuverlässige Partner

Bargeld ist in Deutschland nach wie vor das mit Abstand beliebteste Zahlungsmittel. Fast 80 Prozent aller Zahlungen werden bar getätigt. Die Bargeldver- und -entsorgung hat für das Funktionieren der Gesamtwirtschaft in Deutschland nach wie vor eine enorme Bedeutung.

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Überfälle auf Geldtransporte lohnen nicht

Fast 20 Jahre nach einem Überfall mit Todesfolge auf einen Geldtransporter in Brandenburg wurde am 19. März 2012 ein heute 61-Jähriger zu 15 Jahren Haft verurteilt.