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Werner Wagner, Geschäftsführer der Wagner Group.

Wagner Group

Von Langenhagen in die weite Welt

Im Mai feiert der Brandschutzexperte Wagner Group sein 40-jähriges Bestehen. Eine Erfolgsgeschichte, die in einem Keller in der Nähe von Hannover begann und heute in der ganzen Welt geschrieben wird. Geschäftsführer Werner Wagner gibt im Interview Einblicke in das Geheimnis des Erfolgs und in die Zukunftsperspektiven des Unternehmens.

PROTECTOR & WIK: Sie blicken auf 40 Jahre Unternehmens-geschichte zurück und wurden erst kürzlich als „Familienunter-nehmer des Jahres 2016“ ausgezeichnet. Was ist die Philosophie hinter diesem Erfolg?

Werner Wagner: Unser Erfolgsrezept lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wir liefern keine Produkte, wir liefern Lösungen. Wir haben ein ganzheitliches Brandschutzkonzept, das wir dem Kunden anbieten. Wir sind die Firma, die Brandmeldetechnik, Löschtechnik und auch die Brandvermeidung parallel nebeneinander betrachtet und für den Kunden richtig kombiniert, plant, baut und in Betrieb setzt. Unsere Philosophie basiert auf einem Dreieck, das drei grundsätzliche Ziele vereint: Dauerhaft zufriedene Kunden, technologischer Vorsprung aus Leidenschaft und aktive beständige Verbesserung von Produkten und Prozessen, um dem stetigen Wandel Rechnung zu tragen.

Vor allem zwei Spitzentechnologien sind Ergebnis dieser Philosophie: Die Brandfrüherkennung mit Ansaugrauchmeldern der Marke Titanus, die Brände sehr frühzeitig und fehlalarmsicher detektieren. Und das Oxyreduct-System zur aktiven Brandvermeidung mittels Sauerstoffreduktion, die ein Vorreiter im vorbeugenden Brandschutz ist. Sie reduziert in wertkonzentrierten oder prozesssensiblen Bereichen den Sauerstoffanteil durch Stickstoffeintrag so weit, dass Brandrisiken von vornherein minimiert werden.

Sie haben im Laufe der Jahre zahlreiche Lösungen für komplexe Aufgaben im Brandschutz entwickelt. Welches sind die Hauptanwendungsfelder ihrer Produkte?

Zu unseren Stärken zählt zum einen der Brandschutz in Bereichen mit hohen Wertkonzentrationen. Das sind Archive, Depots, Bibliotheken und Museen, denn hier lagern unwiederbringliche Artefakte und Unikate. Persönlich stolz bin ich auf unsere Aufträge in der British Library und auf unsere Anlage im Kostümdepot des Bolschoi Theaters, die sich beide für unsere Innovation, dem Prinzip der Brandvermeidung durch Sauerstoffreduktion, entschieden haben.

Zum anderen schützen wir Bereiche, in denen eine ständige Verfügbarkeit und Lieferfähigkeit gegeben sein muss, wie Rechenzentren und automatisierte Hochregallager. Spannende Projekte waren das 1&1-Rechenzentrum, das in einem ehemaligen Bunker untergebracht ist. Auch die Brandvermeidungsanlage im größten Tiefkühllager der Welt in den USA, mit 1,05 Millionen Kubikmeter Raumvolumen, war eine neue Dimension für uns. Ich könnte Ihnen so viele besondere Projekte nennen, denn jede Anlage, die wir bauen ist ja einzigartig. Sogar im Weltall auf der ISS haben wir einen Ansaugrauchmelder mit an Bord.

Wie kommen Innovationen in Ihrem Hause generell zustande?

Familienunternehmen und der Mittelstand sind heute die Innovationstreiber in Deutschland. Wir bei Wagner nehmen Probleme und Grenzen konventioneller Systeme im Markt wahr und erfinden Lösungen in unserer eigenen Entwicklungsabteilung. Allein für die Entwicklung von Stickstoffanlagen beschäftigen wir mehr als 40 Ingenieure. Dies ist eine hohe Investition, die sich am Ende durch die Erschließung neuer Marktpotenziale gewinnbringend refinanzieren muss. Dafür braucht es einen sehr langen Atem. Wir haben gerade die agile Entwicklung eingeführt, um die Entwicklungszeiten zu verkürzen.

Viele Unternehmen nehmen heute nur noch Geld in die Hand, wenn sich kurzfristig der Return on Investment einstellt – einfacher und sicherer ist dies, wenn der Markt bereits besteht und ähnliche Systeme über eine gewisse Akzeptanz verfügen. Darauf warten wir nicht. Und bis jetzt waren wir immer schon einen Schritt weiter. Und das soll so bleiben.

Inwiefern haben sich die Anforderungen an Lösungen des Brandschutzes in den letzten Jahrzehnten gewandelt, gibt es grundlegende Veränderungen, auf die man reagieren muss?

In Unternehmen wird aufgrund der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung immer mehr Energie gebraucht. Damit steigt auch die Brandgefahr, denn häufig wird die Energie ja in Wärme umgesetzt und muss abgeführt werden. Geschäftsschädigend kann eine Betriebsunterbrechung vor allem im Logistikbereich oder auch in Rechenzentren sein.

Wenn Kunden heute online Waren bestellen, dann erwarten sie, dass die am nächsten Tag geliefert werden. Wenn ein Unternehmen wegen eines Brandfalls nicht liefern kann, können die Konsequenzen, die aus dem Lieferverzug und einem Großbrandschaden resultieren, sogar existenzgefährdend sein. Darum gewinnt der vorbeugende Brandschutz zunehmend an Bedeutung.

Wie lautet Ihre Antwort auf die heutigen, oft komplexen Herausforderungen?

Unsere Kunden wissen, dass sie ihre Prozesse gegen die eben geschilderten Gefahren sichern müssen, damit sie durch ein Brandereignis eine geringe oder gar keine Unterbrechung haben. Früher ging es in erster Linie darum, Personen zu schützen und das Gebäude zu erhalten, darum wurden in der Regel Sprinkler zur Brandbekämpfung eingebaut. Heute ist das anders, die Kunden machen sich Gedanken um ihre Betriebsprozesse. Darum haben wir gerade bei Oxyreduct einen sehr großen Zuspruch aus dem Bereich Lager und Logistik.

Was plant Wagner für die nächsten 40 Jahre?

40 Jahre vorauszuschauen ist bei der rasanten technischen Entwicklung kaum möglich. Aber eine gute Basis für weiteres Wachstum zu schaffen, ist möglich, und daran arbeiten wir. Dabei ist für uns wichtig, ein Familienunternehmen zu bleiben und organisch aus eigener Kraft zu wachsen. Dazu rüsten wir gerade auf ein neues Warenwirtschaftssystem um und bauen eine Schulungsakademie auf. Unsere einzigartigen Lösungskonzepte und Anlagenbauer-Erfahrung wollen wir international vermarkten. Erste Auslandsgesellschaften sind gegründet und entwickeln sich jetzt positiv. Unsere Planungen sehen auch die Weiterentwicklung unserer Systeme vor.

Und was können wir an Produkten erwarten?

Das neueste Produkt, das wir im Herbst auf den Markt bringen, ist der Ansaugrauchmelder Titanus Multisens. Dessen Entwicklung, ein anlernbarer Rauchmelder, hat länger gedauert als ursprünglich geplant. Bislang konnten wir Brände sehr, sehr früh erkennen und auch sehr täuschungsalarmsicher. Mit dem Titanus Multisens sind wir in der Lage, nicht nur zu erkennen, dass es brennt, sondern auch was da brennt – zum Beispiel die Zigarette. Dadurch können wir ganz andere Entscheidungen treffen, um Fehlalarme aufgrund kundenspezifischer Störgrößen wie Zigarettenrauch, Theaternebel oder Staub zu vermeiden. In Schienenfahrzeugen beispielsweise würde der Ansaugrauchmelder bei Zigarettenrauch den Schaffner alarmieren und nicht die Wassernebel-Löschanlage aktivieren und zum Nothalt führen.

Außerdem spielt Industrie 4.0 für uns in allen Bereichen eine große Rolle. Ich schätze in fünf Jahren sind wir so weit, dann können wir Diagnosesysteme implementieren und können sagen, dieses Teil wird in den nächsten 1.000 Betriebsstunden ausfallen und es bei der nächsten Routinewartung vorsorglich austauschen. In Ansätzen gibt es das heute schon. Das vollautomatisierte Tiefkühllager in den USA ist bei uns in Langenhagen aufgeschaltet. Da können wir via Fernüberwachung sehen, ob die Anlage reibungslos läuft.

Wie wird sich der Brandschutzmarkt allgemein entwickeln?

Der Brandschutzmarkt allgemein wächst jedes Jahr um etwa drei Prozent. Wagner wächst aber deutlich stärker, weil wir Lösungsanbieter sind und in Wachstumsmärkten wie Rechenzentren, Logistikzentren und Tiefkühllagern aktiv sind. Allein im Geschäftsjahr 2015/2016 haben wir mit rund 500 Mitarbeitern ein Umsatzwachstum von zehn Prozent auf 85 Millionen Euro erzielt. Und so soll es weitergehen.

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