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Betriebliche Notfallpläne bei Pandemie

Vorbereitet sein

Ebola ist zweifellos eine furchtbare Todesseuche, die eine der massivsten humanitären Katastrophen der Weltgeschichte ausgelöst hat. Das Zeug zur globalen Pandemie hat sie bei nüchterner Betrachtung aber nicht. Dennoch sollte die tückische Infektionskrankheit zum Anlass genommen werden, einen Blick auf die vorhandenen oder noch zu generierenden betrieblichen Notfallpläne zu werfen.

Trotz der alarmierenden Meldungen aus Westafrika ist sicher: Die Gefahr, dass sich der gegenwärtig beobachtete Ebola-Virus in signifikantem Ausmaße in Europa ausbreitet, ist derzeit minimal. Ein stärkeres Risiko ist allenfalls in Großbritannien und Frankreich zu erblicken, da diese Staaten einen regen Austausch mit Ländern Westafrikas pflegen. In Deutschland sind allenfalls „einzelne Exportfälle“ möglich, wie es Oberfeldarzt Dr. Roman Wölfel vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München formuliert.

Dafür sorgt schon der Übertragungsweg: Nach aktuellen Forschungsergebnissen können sich Menschen nur dann anstecken, wenn sie direkten Kontakt mit Erkrankten haben, insbesondere dann, wenn sie mit deren Körperflüssigkeiten (wie Speichel, Urin, Kot, Spermien) in Berührung kommen.

Medizinische Grundversorgung mangelhaft

Als extrem risikoreich gelten die in Westafrika üblichen Bestattungsrituale, bei denen auch Ebola-Opfer zeremoniell gewaschen, berührt und geküsst werden. Eine andere Übertragungsart ist der Verzehr von Fleisch infizierter Tiere (Menschenaffen, Flughunde, Fledermäuse, Waldantilopen), der aber nicht als typisch für europäische Essgewohnheiten gelten dürfte. Anders als bei der echten Grippe kann Ebola in seiner derzeitigen Erscheinungsform nicht durch die Tröpfcheninfektion, also durch niesende oder hustende Mitmenschen, übertragen werden. Eine massenhafte Ausbreitung ist deshalb nur in Ländern mit unterdurchschnittlichen medizinischer Grundversorgung, gepaart mit archaischen Grundsteinstellungen gegenüber der modernen Medizin denkbar.

Allerdings darf nie aus dem Auge verloren werden, dass das Ebola-Virus mutiert. Das ist beileibe nichts Ungewöhnliches: Viren verändern sich genetisch ständig, Mutationen gehören zu ihrer Natur. Allerdings wäre die urplötzliche Übertragung von Ebola über die Luft ein zwar theoretisch denkbarer, aber eher unwahrscheinlicher Schritt. Der Virologe Dr. Jonas Schmidt- Chanas vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg vergleicht eine solche genetische Modifikation anschaulich mit dem Umbau eines Panzers zu einem Flugzeug.

Besonders stark betroffen sind die drei Staaten Guinea, Liberia oder Sierra Leone. Aber auch in Nigeria und der zentralafrikanischen Demokratischen Republik Kongo (vormals Zaire) wurden bereits Fälle festgestellt, wobei es sich bei dem kongolesischen Ausprägung um einen anderen Virenstamm als in Westafrika handelt.

Als gefährdet gelten in unterschiedlichem Maße Benin, Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali und Uganda. Von effektiver Vorbereitung auf das Virus kann aufgrund des nur marginal oder gar nicht vorhandenen Gesundheitssystems und schwacher staatlicher Strukturen in diesen Ländern keine Rede sein.

Risiken minimieren

Geschäftsreisende in diese Staaten sind folglich gewissen Risiken ausgesetzt. Das Robert-Koch-Institut ewertet das Gefährdungspotenzial allerdings als gering, solange „kein direkter Kontakt mit erkrankten oder verstorbenen Menschen und Tieren beziehungsweise deren Körperflüssigkeiten“ besteht. Das Auswärtige Amt hat bislang für die drei Ebola-Staaten eine Warnung herausgegeben und rät angesichts der aktuellen Lage explizit von Reisen nach Guinea, Liberia oder Sierra Leone ab.

Dennoch sollten Vorsichtsmaßnahmen auch für Geschäftsreisende in die zwar nicht massiv betroffenen, aber gefährdeten Ländern getroffen werden. Denn jeder übersehene Ebola-Erkrankte ist ein Fall zu viel, zumal die Sterblichkeit (Letalität) je nach Virenspezies 30 bis 90 Prozent beträgt.

Zu den wichtigsten Punkten gehört dabei eine präventive Schulung und die Selbstkontrolle der relevanten Reisenden nach der Rückkehr nach Deutschland. Denn Ebola zu erkennen, ist zunächst nicht einfach. Die ersten Symptome wie erhöhte Temperatur oder Fieber (mehr als 38,5 Grad Celsius), Kopf- und Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bindehautentzündung) ähneln dem vergleichsweise harmlos verlaufenden grippalen Infekt und werden deshalb oftmals nicht ernst genommen.

Dies ändert sich laut Robert-Koch-Institut allerdings schlagartig ab dem fünften bis siebten Krankheitstag. Dann treten Hämorrhagien, also Blutungen, beispielsweise der Schleimhäute, des Magen- Darm-Traktes und der Genitalien auf. Als Anhaltspunkt gilt dabei: Wer in den zurückliegenden 21 Tagen mit einem Ebola-Erkrankten in Berührung kam oder sich in einem bekannten Hochrisikoland aufgehalten hatte, sollte die Anfangssymptome sehr viel aufmerksamer verfolgen als ein Normalpatient ohne einen solchen Hintergrund. Vor allem sollte der behandelnde Arzt ausdrücklich auf den Aufenthalt in den ebolagefährdeten Staaten und den angrenzenden Gebieten hingewiesen werden. Selbstredend sollte im Unternehmen eine Nachsorge erfolgen, die bei möglicherweise verdächtigen Erkrankungen zum Tragen kommt.

Für den Notfall gerüstet

Nicht nur für Ebola-Risiken, sondern generell für pandemieartige Erkrankungen sollte ein betriebliches Notfallmanagement etabliert werden. Denn Faktum ist: Die größere Gefahr als von Ebola in seiner aktuellen Form geht von Mutationen des Influenzavirus („echte Grippe“) aus. Man denke an Vogel- und Schweinegrippe und erinnere sich an die Spanische Grippe, der zwischen 1918 und 1920 weltweit 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen – mehr als in den Schlachten des Ersten Weltkrieges. Die massivsten virologischen Gefahren, die den Menschen in Deutschland und Europa drohen, müssen nicht erst aus Westafrika eingeschleppt werden, sie sind mitten unter uns.

So sollte im Unternehmen, unabhängig wie groß oder klein, ein Ansprechpartner für medizinische Notfälle benannt werden. Dieser sollte einen virologisch erfahrenen Mediziner im Hintergrund haben, der in der Echtlage schnell und unkompliziert zur Verfügung steht. Wichtig ist auch ein regelmäßiger Kontakt mit dem zuständigen Gesundheitsamt und das Wissen um die Erreichbarkeit der jeweiligen Zentren für gefährliche Viruserkrankungen.

Isolationsraum einrichten

Für unklare Krankheitsbilder sollte in den Unternehmen ein Raum eingerichtet, in dem Erkrankte mit verdächtigen Symptomen isoliert werden können, um eine potenzielle Ausbreitung im Unternehmen zu vermeiden. Kann ein solcher Raum, zum Beispiel aus Platzgründen, nicht ständig vorgehalten werden, sollte ein Zimmer bestimmt werden, dass rasch für Isolationszwecke umgerüstet werden kann. Mundschutz und andere Schutzmaterialien (Ganzkörperanzüge, Hauben, Einmalhandschuhe) müssen vorhanden sein.

Zum Schutz der Mitarbeiter und zur Aufrechterhaltung der elementaren Geschäftsprozesse sollte sodann überprüft werden, inwieweit Mitarbeiter ihre Arbeit zu Hause weiterführen können, da dann dem Infektionsrisiko im Unternehmen vorgebeugt würde. Für diesen Zweck ist es sinnvoll, im Vorfeld abzufragen, welche Beschäftigten über einen Internetanschluss verfügen. Die Anbindung an das Unternehmen könnte dann durch eine VPN-Verbindung erfolgen.

Eminent wichtig sind Notfallpläne zur Aufrechterhaltung des operativen Betriebes. Bei massenhaften Erkrankungen können 30 bis 60 Prozent der Beschäftigten ausfallen. Das gilt auch für Zulieferer und andere Geschäftspartner. Bereits eine schwache Infektionswelle kann die Geschäftsprozesse empfindlich stören. Es gilt folglich zu untersuchen, wie überlebenswichtige Minimalfunktionen auch unter dramatischen Bedingungen (bis hin zur Stilllegung des Betriebes) gewährleistet werden können. Dabei müssen unabdingbare Grundfunktionen identifiziert werden. Das ist zugegebenermaßen keine einfache Aufgabe, aber einer der wichtigsten Schritte, das Überleben des Unternehmens gerade auch im Krisenfall zu sichern.

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