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Feuerrisiken entlang der Supply Chain

Vorsicht bei der Standortsuche

Die Wirtschaft wird immer globaler, vernetzter – und risikoanfälliger. Deutsche Unternehmen müssen auf Konsequenzen von Ereignissen entlang ihrer globalen Lieferketten vorbereitet sein. Wo lauern Risiken entlang der Supply Chain, die sich auf das Unternehmen auswirken können? Wie steht es um die Zulieferer?

Antworten auf diese und weitere Fragen zur Resilienz der Lieferkette bringen Daten und Fakten. Resilienz ist die Fähigkeit eines Unternehmens, sich im Falle einer Betriebs-unterbrechung schnell zu „erholen“: Je widerstands-fähiger die Lieferkette ist, desto schneller kann der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden – und desto resilienter und erfolgreicher ist ein Unternehmen.

Wichtige Datenquellen

Zur Risikobewertung gehören neben finanziellen, geopolitischen oder rechtlichen Fragen vor allem standortbezogene Kriterien wie die Wirtschaftslage, Infrastruktur und vorherrschende Elementarrisiken. Bei der Risiko- und Resilienz-Beurteilung geben Berichte wie der FM Global Resilience Index eine erste Orientierung. Der Index ist das erste datenbasierte Tool, das die Resilienz von Lieferketten in 130 Ländern weltweit in einem Ranking vergleicht. Datenquellen für dieses Staatenranking sind unter anderem Veröffentlichungen des Weltwirtschaftsforums und der Weltbank sowie die Datenbank Riskmark, die von Fm Global- Risikoingenieuren durch Ortsbegehungen gefüllt wird.

Die Analysen für den Resilience Index hat die unabhängige Forschungs- und Analysefirma Oxford Metrica durchgeführt. Seit 2011 werden Daten analysiert, seit 2014 erscheint der Index jährlich. Im Resilience Index werden neun Treiber, die sich auf die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten auswirken, zu drei Faktoren zusammengefasst – Wirtschaft, Risikoqualität und die Lieferkette selbst. Insbesondere der Faktor Risikoqualität soll hier nun gezielt betrachtet werden. Dieser Faktor setzt sich aus den vorherrschenden Naturgefahren sowie der Qualität des Risikomanagements bei Elementar- und bei Feuerrisiken in den einzelnen Ländern zusammen. Insbesondere die Daten zur Qualität des Risikomanagements bei Feuerrisiken geben Aufschluss darüber, welche Länder an der Verbesserung des Brandschutzes arbeiten und somit ihre Risiken aktiv minimieren.

Risikoqualität weltweit

Die allgemeine globale Entwicklung spiegelt sich auch bei der Betrachtung der Resilienz von Lieferketten wider: Die lange gelobten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) verlieren an Glanz – Aspekte wie Infrastruktur, Schutz vor Naturgewalten und Feuerprävention halten nicht das, was einst prophezeit wurde. Die BRIC-Staaten belegen mittlere bis hintere Plätze im Ranking. Indien beispielsweise findet sich im Gesamtranking auf Platz 119 von 130 bewerteten Ländern. Die Bedrohung durch Naturgewalten hat hier zugenommen, zeitgleich hat sich aber auch die Prävention davor verschlechtert beziehungsweise ist gleichbleibend schlecht geblieben. Und auch die Prävention von Feuerrisiken hat sich in Indien verschlechtert, von Rang 89 auf 103 im Jahr 2015. Zwar hat die geografische Lage natürlich auch Auswirkungen, beispielsweise bei Aspekten wie der Bedrohung durch Naturgefahren. Doch Faktoren wie die Feuerprävention im Land können aktiv beeinflusst werden.

Geografisch ähnlich gelegen wie Indien ist Pakistan. Hier sieht man im Verlauf der Zeit, dass tragische Ereignisse wie Brandkatastrophen die Unternehmen wachgerüttelt haben. Mittlerweile findet sich Pakistan im Mittelfeld auf Rang 61 des Resilience Index bei der Feuerprävention, von anfänglich Rang 95 im Jahr 2011. Pakistans Gesamtrang ist mit 123 immer noch relativ schlecht, doch anhand einzelner Faktoren, wie dem der Feuerprävention, wird deutlich: Das Land bemüht sich, und erste Verbesserungen sind zu erkennen.

Aufschwung bei den „Next Eleven“

Pakistan zählt zu den „Next Eleven“ (N-11), die als die „neuen BRIC“ angepriesen werden. Auch im Resilience Index lässt sich erkennen, dass einige der „Next Eleven“-Staaten zu den aufstrebenden Ländern zählen. Sie verbessern sich überwiegend stetig. Negative Ausreißer in Sachen Feuerprävention sind jedoch die Türkei und Ägypten. Ägypten findet sich im aktuellen Ranking mit dem Gesamtrang 122 von 130 Ländern in unmittelbarer Nähe zu Pakistan. Während Pakistan schlecht startet und sich langsam verbessert, bedeutet dies für Ägypten jedoch eine Verschlechterung von rund 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2011. In puncto Feuerprävention liegt Ägypten auf Platz 98 von 130 betrachteten Staaten.

Insbesondere bei Betrachtung der Feuerprävention ragen Indonesien und Vietnam heraus. Indonesiens Brandschutz hat sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert, von Platz 86 im Jahr 2011 ist es nun auf Platz 70 gestiegen. Eine Verbesserung um 16 Plätze in fünf Jahren, das ist ein Trend, den man im Auge behalten sollte, wenn man vorhat, neue Standorte zu erschließen. Rundum Steigerung findet man in Vietnam. Die Gesamtplatzierung wirkt zwar mit Rang 96 auf den ersten Blick eher „schlecht“, stellt aber eine stetige Verbesserung dar. Die Feuerprävention ist hier besonders löblich: Hier verbesserte sich das Land um fast 30 Prozent.

Risiken berücksichtigen

Die Prävention von Bränden, Naturkatastrophen und der Umgang mit Risiken sind Aspekte, die jedes Unternehmen beachten sollte. Fragen sind: „Entsprechen Sicherheitsstandards in dem Land, in dem ich meine Lieferkette aufbauen möchte, denen meines Unternehmens? Falls nicht, was kann und muss ich tun um, eine sichere Supply Chain zu gewährleisten?“ Tools wie der Resilience Index oder auch der „Doing Business Report“ der Weltbank geben hier eine erste Orientierung und informieren über potenzielle Risiken.

Frank Drolsbach, Operations Engineering Manager, FM Global Deutschland

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