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Foto: VZM
Jörg Schulz, Sicherheitsberater der VZM GmbH und  Mitglied im Normengremium der EN 50600.

IT-Sicherheit

Was der neue Norm-Entwurf für Rechenzentren bedeutet

Bereits seit dem Spätsommer liegt die Norm EN 50600-2-5 für Rechenzentren als neuer Entwurf vor. Jörg Schulz, Sicherheitsberater der VZM GmbH, kommentiert.

Die EN 50600-2-5 beschreibt jenen Teil der Normenreihe EN 50600 also, der sich um die sicherheitstechnischen Systeme, Anlagen und Lösungen für Rechenzentren kümmert. Jörg Schulz, Sicherheitsberater der VZM GmbH und selber Mitglied im Normengremium der EN 50600 stellt vor, welche Änderungen diese Version beinhaltet und kommentiert diese.

Die gesamte Reihe EN 50600, die Sicherungssysteme in Rechenzentren beschreibt ist zwar im Grunde nach Gewerken gegliedert, jedoch ist man um Ganzheitlichkeit bemüht, sodass insbesondere im hier besprochenen Dokument nicht nur das Thema Sicherheitstechnik/Gefahrenmeldetechnik abgebildet wird, sondern gleich am Anfang der Norm eine Brücke zur physischen Sicherung eines Rechenzentrums geschlagen wird. Dies war auch schon in der Vorgängernorm so und dieses Konzept wird sinnigerweise weitergeführt, ganz im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung.

Risikoanalyse nicht als Einzelbetrachtung für Sicherungssysteme

Auch die in den einleitenden Abschnitten beschriebene Systematik der Risikoanalyse verweist auf die übergeordnete Norm, erläutert hier aber dann trotzdem noch einmal die Methodik und die Handlungsoptionen. Ob das an dieser Stelle überhaupt erforderlich ist, könnte gern überdacht werden. Möglicherweise wäre es hinreichend, dies unabhängig von der individuellen Thematik einer jeden Einzelnorm für alle Normen vorn anzustellen.

Definition der Schutzbereiche in Rechenzentren

Ein weiterer folgerichtiger Schritt nach erfolgter Risikoanalyse ist die Definition der unterschiedlichen Schutzbereiche/Schutzklassen, bevor es an die eigentliche Technik geht. Auch an diesem Konzept hält die neue Version der Norm fest. Zunächst werden nach dieser Systematik die Themen Schutz gegen unbefugten Zugang und Einbruchschutz behandelt. Danach folgt das Thema Brandschutz – auch hier wird auf die bauliche Situation Bezug genommen, bevor es an die detektionstechnischen Lösungen geht.

Das viel diskutierte Thema Löschanlage und deren Notwendigkeit wird vom Ergebnis der Risikoanalyse abhängig gemacht und ist damit keine absolute Forderung der Norm.

Brandschutz mit baulichen und technischen Komponenten

Neu ist, dass mit dem Kapitel 11 eine eigene Rubrik für die Einzelheiten zu den technischen Lösungen geschaffen wurde, mit denen die Schutzziele erreicht werden können. Die einzelnen Technologien werden hier noch einmal benannt und es wird vermehrt auf andere europäische Norm referenziert, die Planungs- und Anwendungsdetails zu diesen technischen Systemen regeln, z. B. im Bereich Videoüberwachung und Zutrittskontrolle.

Kein Bezug zu VDE oder VdS

Insbesondere im deutschen Raum ist man es ja dann noch gewohnt, bei Gewerken wie Einbruchmeldetechnik und Brandmeldetechnik auf Regelung seitens VdS-Schadenverhütung zu schauen, oder auch deutsche Normen wie die Reihe VDE 0833 zur Hand zu nehmen. Da aber die Reihe EN 50600 im europäischen Kontext zu sehen ist, sind solche Verweise quasi systembedingt nicht möglich. Somit obliegt es dem Anwender, zusätzlich noch nationale Regelwerke zu berücksichtigen und als Ergänzung zu internationalen Normen heranzuziehen.

Fazit

 Wenn man sich an die Struktur diese Normenreihe gewöhnt hat, gelingt es zusammenfassend mittlerweile doch ganz gut, damit zu arbeiten. Wie immer bleibt abzuwarten, ob der Entwurf, so wie er jetzt vorliegt, in eine gültige Norm überführt wird, oder ob noch Anpassungen stattfinden. Derweil kann man die knapp 40 Euro, die der Entwurf kosten soll, lieber auf die Seite legen, bis der endgütige Status publiziert wird.

Jörg Schulz, von zur Mühlen'sche (VZM) GmbH

Dieser Artikel erschien ursprünglich im Sicherheits-Berater 24/2020

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