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BOS und Unternehmen

Webbasierte Alarmierung im Notfall

BOS und Unternehmen müssen zur Alarmierung von Einsatzkräften und anderen Personenkreisen heute nicht mehr nur auf etablierte Funknetze (POCSAG, Tetra) zurückgreifen, sondern können mobile sowie stationäre Telefon- und Datennetze mitnutzen. Intelligente, plattformunabhängige Alarmserver erledigen hierbei das Management und schaffen Redundanzen.

Alarmszenarien gibt es viele. Bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sind es Unfälle, Brände und Katastrophen, in Unternehmen gehören Störfälle, Unfälle auf dem Werksgelände sowie Probleme bei Maschinen oder in der IT dazu. Eine planmäßige und gute Vorbereitung auf den Ernstfall ist in allen Fällen unerlässlich. Webbasierte Alarmserver können die Verwaltung und Durchführung von Alarmierungen und Benachrichtigungen komfortabler, schneller und sicherer gestalten.

Die Alarmierungssoftware Groupalarm des Aachener Unternehmens Cubos Internet GmbH ist ein solcher webbasierter Alarmierungsdienst zur zeitgleichen Benachrichtigung großer Personengruppen. Vor über 15 Jahren ursprünglich von Thomas Göttgens (heute noch Geschäftsführer bei Cubos Internet) für den Eigenbedarf eines Ortsverbands des Technischen Hilfswerks entwickelt, kommt das System mittlerweile bei namhaften Organisationen und Großunternehmen aus der Industrie zum Einsatz. Insbesondere für Störfallbetriebe mit möglicher Außenwirkung bei Unfällen im Bereich des Krisenmanagements ist ein Alarmierungssystem unerlässlich.

Was Blaulichtorganisationen und Störfallbetriebe miteinander verbindet, ist die Notwendigkeit, im Not- oder Störfall die relevanten Personen oder Einsatzkräfte zu alarmieren. Hierbei gelten wie bei allen Organisationen und Unternehmen dieses Bereichs besondere Bedingungen für das Krisenmanagement. Festgelegte technische und organisatorische Vorsorge- und Bewältigungsmaßnahmen, darunter auch die Krisenkommunikation mit verschiedenen Behörden, Organisationen, der Bevölkerung sowie dem internen Notfall- und Servicepersonal, sorgen für die Alarmierung der relevanten Personen.

Vorteile digitaler Systeme

In Störfallbetrieben wie zum Beispiel verarbeitenden Unternehmen der Chemiebranche definieren normalerweise Notfallpläne, wer wann bei welchem Störfall benachrichtigt werden muss. In der Praxis bestehen diese Notfallpläne dann häufig aus einer Checkliste mit Telefonnummern in Papierform, die im Not- beziehungsweise Krisenfall hervorgeholt und abgearbeitet wird. Vor allem bei größeren Unternehmen ist diese Vorgehensweise im Notfall als besonders kritisch zu bewerten, da dies eine Menge Zeit in Anspruch nimmt, Personal bindet und keine Sicherheit besteht, die Beteiligten rechtzeitig zu erreichen. Außerdem ist diese Methode genau wie die Nutzung von hauseigenen Telefonie-Servern abhängig von der Verfügbarkeit der eigenen Infrastruktur.

Moderner als die Telefonalarmierung ist die Alarmierung per Funk, Pager und Short Message Service (SMS), wie sie auch im BOS-Bereich verwendet wird. Hier findet die Alarmierung per Knopfdruck von der Leitstelle aus statt. Doch auch hier gibt es inzwischen technisch fortschrittlichere Lösungen. Besonders deutlich wird die Diskrepanz dort, wo noch mit analogen Funkmeldeempfängern gearbeitet wird. So ist hier nicht nur die Auslöseverzögerung um einige Sekunden länger als bei digitalen Lösungen, sondern auch Features wie Empfangsquittungen oder Rückmeldungen werden nicht angeboten.

Die professionellste und schnellste Alarmierung erreicht man durch intelligente Systeme, die automatisch wissen, wer über welchen Kanal erreichbar ist, die Primär- und Sekundäralarmierungskanäle nutzen und von vornherein mehrere Alarmmittel integriert haben. Solche Systeme werden vorab mit Informationen gemäß dem erstellten Notfallplan gespeist, ergänzt um persönliche Präferenzen der einzelnen Person hinsichtlich des Alarmierungskanals (SMS, Anruf, Pager, E-Mail) und um aktuelle Schicht- und Arbeitszeitpläne. Bei einem Notfall reichen dann wenige Klicks in der Leitstelle, um jeden gewünschten Teilnehmer über den für ihn hinterlegten Kanal zu informieren. Kommt keine Antwort, erfolgt eine Alarmierung über weitere Kanäle oder die Alarmierung des Stellvertreters.

Webbasierter Alarmserver

Mit der Alarmierungslösung Groupalarm kann jeder Mitarbeiter mit der entsprechenden Berechtigung über eine zentrale Alarmoberfläche alarmieren, die rund um die Uhr mit mehreren dedizierten Verbindungen an die vier deutschen Mobilfunknetzbetreiber und an das deutsche Festnetz angebunden ist. Dies ermöglicht eine schnelle Verfügbarkeit und Geschwindigkeit, sodass pro Minute mehrere tausend SMS und einige hundert Anrufe verarbeitet werden können.

Das Auslösen eines Alarms erfolgt über jeden internetfähigen PC, per Smartphone oder Tablet (Internetzugang vorausgesetzt) und sogar von jedem beliebigen Telefonanschluss aus und kann zeitgleich per App, als SMS, Telefonanruf, Fax, E-Mail oder Pager an jegliche vorher festgelegte Gruppe eines beliebigen Alarmierungsszenarios übertragen werden.

Die gesendete Nachricht wird dann sofort an alle textbasierten Kommunikationsmittel der Teilnehmer gesendet. Gleichzeitig wird die Textnachricht in Sprache umgewandelt, um Teilnehmer auch per Festnetz- und Mobiltelefon zu mobilisieren. Jeder Empfänger erhält den Alarm über die von ihm favorisierten und im System hinterlegten Alarmmittel. Nach Eingang des Alarms können die Empfänger eine Statusmeldung zurückgeben. Entweder per Antwort-SMS oder über einen Tastendruck beim Telefonanruf. Kann ein Teilnehmer nicht erreicht werden, wird beispielsweise automatisch sein Stellvertreter mobilisiert.

Übersichtlich aufbereitete Rückmeldungen vom System dokumentieren, wen die Nachricht erreicht hat und wer wann verfügbar ist. Falls nicht ausreichend Nutzer mobilisiert werden, besteht die Möglichkeit der automatischen Nachalarmierung. Eine Übersicht des Feedbacks lässt sich via PDF-Protokoll sowohl in Form eines Zwischenberichts als auch nach abgeschlossener Alarmierung automatisch per Fax, E-Mail oder SMS verschicken.

Primäralarmierung per M2M-Pager

Ganz neu ist die Alarmierung über den Emergency-Rescue-Immediately-Call (ERIC)-Pager der Unitronic GmbH. Durch die Nutzung sämtlicher GSM-Netze Deutschlands und der angrenzenden Nachbarländer im nationalen und internationalen Roaming stellt dieser eine ständige Erreichbarkeit sicher und erlaubt aufgrund besonders sicherer IP-Kommunikation eine bidirektionale Benachrichtigung. Durch diese Kombination ist eine über 99-prozentige Abdeckung gegeben, auch innerhalb von Gebäuden – das ist besser als digitale oder analoge Funknetze. Eine zu den vier unabhängigen GSM-Netzen (T-Mobile, Vodafone, O2, E-Plus) gleichwertige Abdeckung durch ein einziges Funknetz für die POCSAG-Alarmierung wird sich nur schwer wirtschaftlich darstellen lassen. Defizite bei der Inhouse-Versorgung gerade im kritischen Frequenzbereich der GSM1800-Netze werden durch die Netzbetreiber durch ein engmaschigeres Netz in Ballungsgebieten berücksichtigt. Zudem können durch den Einsatz von GSM-Repeatern oder Basisstationen auch Bereiche wie U-Bahnen oder Straßentunnel besser abgedeckt werden.

Der Pager sendet permanent Informationen über seine Erreichbarkeit an die Zentrale. Im Notfall weiß das System, wer aktuell zur Verfügung steht. Somit gehört eine zweite Alarmierungswelle aufgrund von Nichtverfügbarkeiten der Vergangenheit an. Das spart wertvolle Zeit, da das Notfall- und Servicepersonal schneller eingreifen kann. Insbesondere die Privatwirtschaft gewinnt damit einen sicheren und redundanten Alarmierungsweg, da hier die Netze der Behörden nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Bei der Feuerwehr Ratingen sind als Primärmittel die M2M-Pager von Unitronic im Einsatz.

Bei einem Pilotversuch im Jahr 2012 mit etwa 60 Geräten im Feuerwehr- und Rettungsdienst konnten von über 4.000 Alarmierungen nur knappe zehn nicht zugestellt werden. Da durch die stehende Datenverbindung ebenso ausgewertet werden kann, welche Melder erreichbar sind, kann die durchschnittliche Erreichbarkeit der Melder mit 99,26 Prozent angegeben werden – das entspricht etwa zehn Minuten Nicht-Erreichbarkeit am Tag. Diese kommt ebenso wie bei digitalen Netzen zum Beispiel durch den Aufenthalt in Kellern, Tiefgaragen oder gut abgeschirmten Gebäuden ohne Handyempfang zustande.

Der Vorteil gegenüber Funkmeldesystemen: Durch den Rückkanal kann der Disponent direkt sehen, ob eine Einsatzkraft erreicht wurde oder nicht. Aufgrund dieser Information können auch schon Rückschlüsse über weitere Einsatzoptionen gewonnen werden. Nach nur elf Sekunden hatten 97 Prozent aller alarmierten Geräte den Empfang der Nachricht automatisch bestätigt, die durchschnittliche Bestätigungszeit liegt bei 6,6 Sekunden. Ein großes Plus: Ist ein Melder nicht erreichbar, wird das dem Disponenten angezeigt und das System versucht zeitgleich, den Teilnehmer auf anderen Kanälen zu erreichen.

Alternative Alarmierungsmittel

Gerade im Bereich der BOS ist die bisherige Alarmierung über eigene Funknetze weitestgehend sichergestellt. In ländlichen Gebieten, wo der Empfang nicht ausreichend sein kann, ist aber auch schon heute die SMS oder Alarmierung per Internet eine gängige Alternative. Durch die Vielzahl an verwendeten Alarmmitteln und damit Übertragungstechniken versuchen Alarmserver, möglichst große Redundanz zu schaffen. Fällt eines der Medien aus, wird direkt ein anderes verwendet (Internet, mobiles Internet, GSM, Festnetztelefon, Fax). Fällt ein Funknetz für BOS aus, gibt es keine automatische Redundanz.

Die Verfügbarkeit des Groupalarm Alarmservers ist hoch, da er in verschiedenen Rechenzentren angebunden ist. Diese können jeweils den Betrieb einzeln übernehmen, sollte ein anderes ausfallen. Verschiedene SMS- und Telefonieserver arbeiten autark und holen sich Ihre Versandaufträge entsprechend ab. Daher kann das System auch bei großem Alarmaufkommen sehr gut skalieren. Die SMS werden über entsprechende Uplinks über redundante Aggregatoren direkt in die Netzzentralen der Netzbetreiber gegeben und haben eine Auslieferungszeit von zirka zwei Sekunden – ähnlich einer TAN-SMS einer Bank. Telefonanrufe sind nach zirka 30 Sekunden aufgebaut. Die Alarmierung auf Pager oder App ist dank stehender Datenverbindung in wenigen Sekunden ausgeliefert. Es sind weitere Mittel technisch realisierbar, die per Datenschnittstelle ausgelöst werden können – also auch über entsprechende Gateways die Integration von Pagern im BOS Netz oder anderen privaten Funknetzen.

Gegen einen Ausfall der Infrastruktur vor Ort sind die Alarmserver allerdings nicht gewappnet – jedoch muss hier genau betrachtet werden, wie wahrscheinlich die Gefahr eines kompletten Ausfalls ist. Ein Teilausfall kann hingegen jederzeit durch den Mix der verwendeten Mittel ausgeglichen werden. Das Handynetz ist nur für eine gewisse Zeit ohne Strom ausgelegt und im Falle einer Katastrophe schnell überlastet. Eine ähnliche Überlastung finden wir in der Silvesternacht. Blockiert ist hier je Zelle allerdings die Senderichtung; eine SMS zu bekommen, die beim Provider zur Auslieferung vorgesehen ist, ist hingegen kein Problem. Einen Engpass zu Neujahr konnte der Groupalarm Server bisher nicht verzeichnen, die SMS mit Neujahrsgrüßen sind durch die Netzbetreiber pünktlich ausgeliefert worden.

Ist der Strom für einen längeren Zeitraum nicht verfügbar, sind BOS- und öffentliches Handynetz gleichermaßen gefordert. In diesem Fall müssen auch angeschlossene Infrastrukturen wie die auslösende Leitstelle entsprechend mit Notstrom versorgt werden – der Alarmserver ist von einem lokalen Stromausfall hingegen komplett unabhängig. Die Übertragung einer SMS benötigt seitens der Netzbetreiber extrem wenige Ressourcen, weswegen es den Providern auch möglich wäre, den SMS-Betrieb länger aufrecht zu halten als die Telefoniefunktion. Je mehr die M2M-Technik verwendet wird, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass genau diese wenig belastenden aber wichtigen Funktionen von den Netzbetreibern länger aufrechterhalten werden.

Fazit

Dort, wo bei BOS bereits Melder gut funktionieren, schafft Groupalarm eine Einbindung derer, die keinen Melder haben und gleichzeitig eine Rückfallebene für alle Einsatzkräfte. Durch den Medienmix je Teilnehmer und verschiedene Auslösemöglichkeiten entkoppelt sich das Risiko der Alarmierung auch deutlich von den lokalen Verfügbarkeiten.

Soll ein Gebiet neu mit einer zuverlässigen Alarmierung ausgestattet werden, ist eine genaue Kosten-Nutzen-Rechnung notwendig, bevor beurteilt werden kann, ob das eigene Funknetz mit genügend Redundanz aufgebaut werden kann oder ob die Verwendung bestehender, öffentlicher Frequenzen möglich und zugleich kostengünstiger und damit wirtschaftlich sinnvoller ist. Für Unternehmen, Krankenhäuser oder Störfallbetriebe deckt Groupalarm den Bedarf an ein geeignetes Alarmierungssystem vollständig ab.

Hanno Heeskens, Geschäftsführer der Cubos Internet GmbH Aachen, seit über 15 Jahren beim Technischen Hilfswerk aktiv.

Foto: Deutschlandradio/ B.Straub

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