Fachgerechte Planung von Videoanlagen

Wegweiser statt Pannenhilfe

Seite 2

Gute Schneider, schlechte Schneider

Tobias Schmid von der Schmid Alarm GmbH verdeutlicht es so: „Es ist wie mit dem Maßanzug und dem Modell von der Stange. Der Maßanzug ist bei individuellen Anforderungen natürlich sinnvoll. Es gibt aber auch sehr viele Maßanzüge, die schlechter passen als ein Modell von der Stange, weil der Schneider die Anforderungen nicht verstanden hat, oder nicht in der Lage war, diese umzusetzen. Unsere Projekte sind immer Maßanzüge und ich beobachte momentan, dass die Ausschreibungen hierzu mit zunehmender Komplexität der Technik schlechter werden.

Statements „Wir als großer Errichter haben die Projekte am liebsten, bei denen wir ganz am Anfang ab dem Schutzkonzept oder dem Nutzungskonzept hinzugezogen werden. Da muss man noch gar nicht über Produkte sprechen, sondern erst einmal den Prozess verstehen, was der Kunde überhaupt machen will. Darauf muss man dann aufbauen, um einen zufriedenen Kunden zu bekommen. Schlimm wäre es, wenn der Anwender am Ende etwas bekäme, das viel Geld gekostet hat und schon wieder saniert werden müsste.“
Gerhard F. Kastl, Leiter Lifecycle Fire Safety and Security Solutions, Siemens AG, Building Technologies Division
„Man muss sich als Fachplaner Wege überlegen, wie man im Markt etwas bewegen kann. Ich glaube fest daran, dass die Planung ein großes Potenzial hat. Man muss den Kunden aber einen echten Mehrwert anbieten, dann sind sie auch eher bereit, dafür zu bezahlen.“
Dirk Ostermann, Inhaber, DOI Dirk Ostermann International

Daher muss die Philosophie von uns Fachleuten allgemein sein – seien es nun Errichter, Planer oder Hersteller – dass die einzelnen Stationen in der Wertschöpfung ineinandergreifen und die Qualität von der Planung bis zum letzten Handgriff auf der Baustelle hoch gehalten wird.“ Errichter Wilhelm Fischer von Netzwerkservice-Fischer erlebt auch mangelndes Problembewusstsein: „In den Projekten stehen oft Kommunikation, Netzwerkinfrastruktur, Brandmeldetechnik und dergleichen weit oben auf der Liste, aber Videoüberwachung kommt manchmal erst auf Position 15 und wird stiefmütterlich behandelt. Da werden Lösungen ausgeschrieben, die schon von den Komponenten her nicht funktionieren können.“

Fischer verfolgt daher einen ganz praktischen Ansatz, wenn er seine Kunden berät und Anlagen entwirft: „Ich fahre zur Kundschaft und zeige 1:1, was für ein Bild der Anwender bekommt, wenn ich eine Kamera an einer bestimmten Position anbringe. Es ist für mich eine Art Grundkonzept, dass ich den Kunden vorher zeige, was sie später sehen werden. Das hat zwei Vorteile: Erstens, der Kunde weiß, was er von mir bekommt, inklusive der Qualität. Und zweitens: Ich bin auch abgesichert, weil man nachher nicht sagen kann, es hätte alles ganz anders aussehen sollen.“

Je nachdem, welchen Markt man betrachtet, liefern auch Distributoren durchaus Beratungs- und Planungsleistung. Ludwig Bergschneider erklärt: „Die Rolle der Distribution hängt von der Größe des Projekts ab. Es gibt auch den Markt der Do-it-yourself-Lösungen aus dem Baumarkt oder aus dem Internet. Das ist genauso wenig unser Markt wie der der komplexen Megaprojekte, die von Konzernen abgewickelt werden. Wir sind als Distributor im professionellen Mittelfeld aufgestellt und liefern hier eine Menge Beratungsleistung, in der Regel bei den Projekten, wo sich der Endkunde keinen Berater oder Fachplaner leisten will.“

Statements „Für einen klassischen Errichter ist es ein gutes Projekt, wenn einen der Kunde weiter empfiehlt. Denn das ist das, was er braucht, nicht den Hochglanzprospekt. Und wenn man dazu noch die nötige Erfahrung hat, dann ist auch ein Prospekt völlig uninteressant, weil man den Kunden verschiedene Vorschläge unterbreiten kann, was er wie lösen kann.“
Wilhelm Fischer, Inhaber, Netzwerkservice-Fischer
„Wir bieten alle viel Service an, planen und beraten – aber wird das bezahlt vom Endkunden? Er nimmt es natürlich gern an, wenn er das gratis bekommt; und sicher muss man auch mal in Vorleistung treten, aber ein vielversprechender Ansatz wäre es doch, wenn Hersteller, Distributor und Errichter in einer klaren Aufgabenteilung zusammenarbeiten und ihre Kompetenzen bündeln.“
Andreas Fieberg, Head of Marketing & Product Management, Digital Data Communications GmbH

Rollenverständnis

Die Beispiele zeigen, dass je nach Art und Umfang des Projekts nicht nur Fachplaner der kompetente Ansprechpartner des Kunden sein können, sondern genauso gut Errichter oder Distributoren. Dennoch bleibt die Frage, welche Rolle der Hersteller dabei einnimmt.

Rainer Gräfendorf von der Heitel Digital Video GmbH gibt zu bedenken: „Die verschiedenen Hersteller fahren auch zum Endkunden und beraten ihn – das liegt in ihrem eigenen Interesse. Natürlich ist auch jeder überzeugt davon, dass die eigenen Produkte für den Endkunden am besten geeignet sind. Aber man darf sich dennoch fragen, ob auch die gesamte planerische Leistung beim Hersteller richtig angesiedelt ist, oder ob nicht eine neutrale Stelle besser auf die tatsächlichen Kundenanforderungen eingehen kann.“

Peter Reithmeier vom Verband für Sicherheitstechnik sieht es recht ähnlich: „Ich kenne kaum eine Firma, die nicht zu den Verantwortlichen, die ein Projekt oder eine Ausschreibung betreuen, sagt: Hier sind meine Produkte und die passen mit deinen Anforderungen zusammen. Die Planungsleistung dazu bieten sie dann gleich kostenlos mit an. Besser wäre es, man würde ein Modell finden, auf das sich alle Beteiligten einlassen und das die gesamten Kompetenzen bündelt. Hierbei müssen Fachplaner genauso eingebunden werden wie Hersteller, Errichter und Distributoren. Nur wenn alle mitmachen, wird sich durchsetzen lassen, dass Planungsleistung künftig auch angemessen bezahlt wird.“

vorige Seite 1 - 2 - 3 nächste Seite
Foto: Zumpe/Gückel

Fachgerechte Planung von Videoanlagen

Wegweiser statt Pannenhilfe

Der Weg zum Idealprojekt ist in der Videoüberwachung oftmals kein leichter, viele Stolpersteine können das Vorwärtskommen erschweren: Seien es technische Probleme, Schwächen im Konzept, unklare Anforderungen oder falsche Produktauswahl. Trotz dieser häufigen Probleme, wird ein „Wegweiser“ in Form eines kompetenten Fachplaners noch zu selten in Anspruch genommen.