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Textile Feuerschutzabschlüsse

Wenn der Vorhang fällt

Neben den bekannten Feuerschutztüren, -toren und -klappen (siehe DIN 4102-5) etabliert eine andere Gattung von Feuerschutzabschlüssen: textile Feuerschutzvorhänge. Diese werden für Planer und Architekten attraktiver und gelten als gestalterisch anspruchsvolle Alternative zu den herkömmlichen, massiven Abschlüssen.

Doch was leisten diese Systeme und wo liegen ihre Vorteile? Im vorbeugenden baulichen Brandschutz sind Feuerschutz-abschlüsse als selbstschließende Raumabschlüsse definiert, deren Funktion es ist, im eingebauten Zustand den Durchtritt eines Feuers durch Öffnungen in Wänden und Decken zu verhindern. Dass dieses Ziel nicht nur durch konventionelle Systeme erreicht wird, zeigen textile Feueroder Rauchschutzvorhänge.

Konstruktiver Aufbau

Betrachtet man die Standardausführung vertikal schließender Systeme, so ist ihr Aufbau prinzipiell vergleichbar mit dem eines normalen Rollos. Sie bestehen aus einem Stahlblechgehäuse mit einem innen liegenden Wickelrohr, auf dem ein spezielles feuerhemmendes beziehungsweise feuerbeständiges Gewebe aufgerollt ist. Seitliche Führungsschienen leiten die Vorhangfläche beim Schließvorgang bis zum Fußboden und halten das Gewebe auch bei Brandbelastung fest. Ein entsprechendes Abschlusselement (Abschlussleiste) bildet dabei den Anschluss zum Fußboden. Ebenso wie konventionelle Feuerschutztüren oder -tore sind auch textile Feuerschutzvorhänge selbstschließend und müssen mit einer für Feuerschutzabschlüsse zugelassenen Feststellanlagensteuerung ausgestattet sein.

Eine bauseitige Spannungsversorgung hält das System offen, bis ein Brandalarmsignal den Schließvorgang einleitet. Bei Stromausfall können optional installierte Ersatzstromsysteme das Offenhalten gewährleisten. Im Auslösefall rollt sich die Gewebefläche durch Gravigen-Technik geschwindigkeitsgeregelt und stromlos von der Wickelwelle ab und verschließt die Wandöffnung. Feuerresistente Kabel sind dabei überflüssig, weil Energie lediglich zum Offenhalten und motorischen Öffnen benötigt wird. Ein Textil, das einer Temperatur von mehr als 1.000 Grad Celsius widersteht und dabei über vier Stunden intakt bleibt? Ein ein Millimeter dickes Gewebe, das den Strahlungsdurchgang vereinfacht gesagt um rund 90 Prozent reduziert ?

Leistungsfähig wie massive Türen und Tore?

Fakt ist, die Leistungsfähigkeit textiler Feuerschutzabschlüsse steht herkömmlichen Systemen wie Türen und Toren kaum nach. Die Herstellung dieser Hightech-Gewebe erfordert aufwändige Web-, Beschichtungsund Laminiertechniken und bringt als Ergebnis höchst belastbare Flächenverbunde von Geweben und Metall- oder Kunststofffolien hervor. Diese mehrlagigen Textilien ermöglichen Raumabschlüsse bis zu einer Feuerwiderstandsklasse E 240 ebenso wie Raumabschlüsse mit Begrenzung des Strahlungsdurchtritts (EW-Klassifikation) bis zu 120 Minuten. Weitere Schutzziele in Verbindung mit Sprinklertechnik oder selbst isolierende Systeme (Klasse EI) ganz ohne Wasserbeaufschlagung sind ebenfalls möglich.

Betrachtet man die Funktionsweise eines aluminiumbeschichteten Glasfilamentgewebes zur Strahlungsbegrenzung: Im Brandfall geschieht hier der Wärmeeintrag in das Textil auf der dem Feuer zugewandten Seite zum größten Teil durch Wärmestrahlung, zu einem deutlich geringeren Anteil durch Konvektion (Wärmeströmung). Dabei reflektiert die eingearbeitete Aluminiumfolie einen Großteil der Wärmestrahlung und minimiert so bereits den Wärmeeintrag in das Textil. Auf der brandabgewandten Gewebeseite verhindert diese Schicht gleichzeitig die Abgabe von Infrarot-Wärmestrahlung. Zusätzlich reagieren die hauchdünnen Silikonfilme mit der Wärme und bewirken zusammen mit der Aluminium- und Gewebeoberfläche eine hochtemperaturbeständige Schicht. Darüber hinaus ist das Glasfilamentgewebe so aufgebaut, dass unter Temperatureinwirkung der Wärmeleitquerschnitt minimiert und der Wärmewiderstand maximiert wird, wodurch eine hochwirksame Isolationswirkung entsteht.

Architektonischer Gestaltungsfreiraum

Ästhetik und Funktionalität perfekt zu vereinen, ist besonders mit Blick auf baulichen Brandschutz oft eine Herausforderung, denn viele konventionelle Brandschutzlösungen greifen teils erheblich in das Raumkonzept ein. Interessant für Planer und Architekten sind daher textile Feuerschutzvorhänge vor allem hinsichtlich ihrer variablen und zugleich dezenten Einbaumöglichkeiten sowie der vielfältigen Systemverläufe. So können die Gehäuse und Führungen entweder auf der Wand, unter der Decke, in der Laibung oder aber vollständig in Zwischendecken montiert werden. Darüber hinaus bieten Systeme mit Falttechnik die Möglichkeit der Raumbildung mit oder ohne Wandanschluss und das sogar ohne zusätzlich notwendige Eckpfeiler. Für besonders hohe Ästhetikansprüche sind sogar Vorhangsysteme ganz ohne Führungsschienen erhältlich. Darüber hinaus können neben vertikalen Abschottungen auch großflächige horizontale Abschlüsse realisiert werden, wie sie beispielsweise bei offenen Raumkonzepten in Atrien oder Lichthöfen eingesetzt werden.

Aus technischer Sicht bieten textile Feuerschutzvorhänge drei wesentliche Vorteile gegenüber konventionellen Lösungsansätzen: ihr geringes Gewicht, die realisierbaren Systemgrößen und ihre kleinen Gehäusemaße. Erfolgreich geprüfte Feuerschutzvorhänge versprechen derzeit Abschottungsmöglichkeiten bis 30 Meter Breite mit nur einem System oder Abrolllängen bis neun Meter. Damit bieten sie nicht nur eine kostengünstigere Alternative zu großflächigen Festverglasungen, ebenso übertreffen Vorhänge damit die realisierbaren Tür- und Tordimensionen bei weitem. Hinzu kommt, dass der Großteil des Systems aus leichtem Textilverbund besteht, weshalb es in puncto Gewicht nur zu einer sehr geringen statischen Belastung der Gebäudestruktur kommt. Ein weiteres wichtiges Planungskriterium sind die Einbaumaße. Vergleicht man hier den Platzbedarf eines großen Rolltores mit den Dimensionen eines gleichgroßen Vorhanggehäuses, so fällt der Unterschied gravierend zugunsten der Textillösung aus.

Verwendbarkeitsnachweise

Im Gegensatz zu Türen und Toren sind die textilen Systeme derzeit im nichtgenormten Bereich angesiedelt beziehungsweise gelten als nicht geregelte Bauprodukte. Die Erbringung des Verwendbarkeitsnachweises für textile Brandschutzvorhänge bedarf daher einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung des DIBt, eines allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses oder muss durch die Zustimmung im Einzelfall ( ZiE ) von der Obersten Bauaufsicht bestätigt werden. Speziell im Fall der ZiE sollte ein Mehraufwand bereits bei der Planung berücksichtigt werden, kann aber in Zusammenarbeit mit erfahrenen Herstellern auf ein Minimum reduziert werden. Erste durch das DIBt erteilte Zulassungen für Feuerschutzvorhänge, welche seit Mitte 2011 existieren, vereinfachen diese Verfahren zunehmend.

Unsichtbare Integration

Gestalterisch betrachtet präsentieren sich Feuerschutzvorhänge insgesamt in einem deutlich breiteren Anwendungsspektrum als Türen, Tore oder Klappen. Bezüglich der möglichen Abschottungsflächen sind textile Systeme sogar unübertroffen. Größter Vorteil bleibt aber die unsichtbare Integration in optisch anspruchsvolle und offene Architektur.

Derzeit sind auf dem Markt viele Feuerschutzvorhänge mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung erhältlich. Auch die kommende europäisch harmonisierte Norm für Feuerschutz- und/oder Rauchschutzabschlüsse EN 16034 stellt eine Klassifikation textiler Feuerschutzvorhänge als geregelte Bauprodukte in Aussicht, da auch derartige Systeme unter diese Norm fallen werden. Vielleicht ein Indiz für einen langfristig ausgerichteten Trend hin zur normativen Akzeptanz textiler Brandschutzprodukte.

Olaf Grunenberg, Technischer Redakteur bei der Stöbich Brandschutz GmbH

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