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Brandschutz in Heimen und Kitas

Wenn Retter Angst verbreiten

Feuerwehrleute werden als Retter in der Not betrachtet. Demenzkranke oder anders verwirrte Menschen können jedoch durch das Auftreten von Rettungskräften in ihren martialisch wirkenden Uniformen, Helmen und Masken in Angst und Schrecken versetzt werden.

Beispiele dafür nannte auf dem diesjährigen Symposium „Baurecht und Brandschutz“ von Bureau Veritas in Frankfurt am Main der Referent Dr. Volker Meyer von der „Mission Sicheres Zuhause“. Ebenso können Kleinkinder in Kitas oder Krippen wie auch Menschen mit Migrations-hintergrund und fehlendem Umgang mit Rettungskräften wie Polizei und Feuerwehr panisch reagieren, wenn sie im Gefahrenfall mit diesen „unbekannten Ungeheuern“ konfrontiert sind.

Andererseits sind Feuerwehrleute und Polizeikräfte überfordert, wenn sie in Übungseinsätzen und Fortbildungsseminaren nicht mit solchen Reaktionen vertraut gemacht sind. „Aus Angst vor den ihnen unheimlichen Rettungskräften verstecken sich Demenzkranke in oder hinter Schränken, flüchten in Duschecken und entziehen sich so der Rettung“, berichtete Dr. Meyer beim Bureau-Veritas-Symposium. Und er plädierte dafür, frühzeitig und regelmäßig Menschen mit Behinderungen, Mitarbeiter und Leitungspersonal solcher Einrichtungen zusammen mit Polizei- und Feuerwehrkräften einander vertraut zu machen. Die „Mission Sicheres Zuhause“ bietet sowohl im Internet als auch bei Veranstaltungen Material zur Prävention an.

Spielend lernen

In vielen Kindertagesstätten stehen inzwischen Besuche bei Feuerwehr und Polizei auf dem Jahresprogramm, wobei den Kindern anhand von kleinen selbst gelegten Bränden auch die Gefährlichkeit vom Umgang mit Feuer demonstriert wird. Spielerisch wird in vielen Kitas auch gezeigt, wie täglich genutztes Spielgerät (zum Beispiel Rutschen oder Hüpfburgen) im Gefahrenfall zu sicheren Rettungswegen werden kann. Mit Einführung der U-3-Kinderbetreuung kommt auf die Kindertagesstätten eine besondere Verantwortung zu.

Aber ebenso kritisch verhält es sich mit kranken bettlägerigen älteren Menschen, die vielleicht sogar zum eigenen Schutz mit Bauchgurten am Bett festgelegt sind. Wenn Feuerwehrleute nicht wissen, wie mit solchen Menschen umgegangen werden soll, kann dies „im Brandfall fatale Folgen haben“, wie Dr. Meyer betonte. Auf keinen Fall kommt in solchen Fällen eine Evakuierung im Krankenbett infrage. Aber: Sind für den Gefahrenfall überall genügend Stühle, Rollstühle oder ähnliche Gerätschaften griffbereit vorhanden, um damit die in ihrer Mobilität eingeschränkten und zudem womöglich noch verwirrten Menschen in Sicherheit zu bringen?

Früherkennung und Personal

Die allgemein geltende Regel: „Retten – Räumen – Raus“ gilt in den meisten von Referent Meyer angesprochenen Fällen nicht als Grundsatz. Seine „Mission Sicheres Zuhause“ plädiert deshalb dafür, für solche Einrichtungen ein individuelles Konzept des organisatorischen Brandschutzes zu entwickeln.

„Früherkennung mit einer Aufschaltung auf eine ständig besetzte Stelle“ sollte Standard sein und „mindestens zwei Pflegekräfte pro Abteilung“ müssen nach seiner Erfahrung auch nachts anwesend und einsatzbereit sein. Regelmäßig geübt werden müssen auch mit behinderten Menschen Evakuierungspläne, die immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden sollten. Dazu rät Dr. Meyer immer erst eine horizontale Evakuierung in den nächsten sicheren Rauch- beziehungsweise Brandabschnitt. Erst danach sollte die vertikale Evakuierung folgen und daran anschließend die Verbringung in geschützte Bereiche wie Bus, Turnhalle oder Gaststätte.

Weniger Zeit

Bei seinen Überlegungen verwies Dr. Volker Meyer auch auf die Tatsache, dass es auf Grund der allgemeinen demografischen Entwicklung „zukünftig immer weniger Feuerwehrangehörige geben wird“. Er meinte zudem, dass „sich die Zeiten, um sich im Brandfall zu retten, verkürzen werden“. Daher würden in Zukunft besonders Personen gefährdet sein, „die sich nicht selbst in Sicherheit bringen können“.

Das sind die Unter-Dreijährigen in den Kitas ebenso wie Demenzkranke oder körperlich Behinderte. Zudem kritisierte er, dass es in 16 Bundesländern unterschiedliche Bau- und Feuerwehrgesetze gibt und teilweise nicht einmal Rechtsvorschriften vorhanden seien. Daraus resultieren „Unsicherheiten im Brandschutz bei allen Beteiligten, wie Trägern, Betreibern, Fachplanern, Behörden und Feuerwehren“. Und im Besonderen sind die Mitmenschen gefährdet, die auf Grund von Demenz die Bedeutung und Vorgehensweise von Rettungskräften nicht mehr einschätzen können.

Ganz praktisch forderte Dr. Meyer in Frankfurt, dass die jeweiligen Feuerwehren von den Verantwortlichen für die Behinderten-Einrichtungen darüber informiert werden, wie (und ob) fixierte Patienten aus ihren Betten befreit werden können, sie sollten mit den verschiedenen Arten der Behinderungen vertraut gemacht sein und über die jeweils vorhandenen Rettungsmittel und deren Anwendung informiert sein.

Georg Ubenauf

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Brandschutz für Jung und Alt

Neu justieren

Die demografische Entwicklung in Deutschland verlangt auch vom Brandschutz neue Definitionen und Überlegungen. Das wurde wieder ganz deutlich auf dem diesjährigen „Symposium Baurecht und Brandschutz“ von Bureau Veritas in Frankfurt am Main.

Bureau Veritas

Neue Blick-Achsen

Das Gefühl, im Rollstuhl zu sitzen und dann vor Barrieren zu stehen, konnten die Besucher im diesjährigen Symposium „Baurecht & Brandschutz“ vom Bureau Veritas, am eigenen Leib erproben. Für eine der Vortragspausen war in Halle 11 der Messe Frankfurt eigens ein Rollstuhl-Parcour aufgebaut. Aber auch sonst gab es im 15. Jahr dieser Symposiums-Reihe wieder eine Vielzahl aktueller und bedrängender Aspekte zu erfahren.

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Evakuierungsübung im Krankenhaus

Komplexität erkennen

Brände in Krankenhäusern erfordern von den Verantwortlichen ein besonders schnelles und geübtes Eingreifen, denn im Gegensatz zu anderen Betrieben sind hier auch eine Vielzahl von Personen in das Rettungsszenario einzubeziehen, die sich nicht aus eigener Kraft in Sicherheit bringen können.