Die digitale integrierte Planung, nachfolgend bewusst vereinfachend als BIM (Building Information Modeling) bezeichnet, verändert nicht nur die Rollen aller am Objekt Beteiligten, also auch in der Sicherheitstechnik.
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Building Information Modeling

Wie BIM die Planung in der Sicherheitstechnik verändert

Dr. Peter Fey und Florian Kaiser von W&P über die Veränderungen, die Building Information Modeling (BIM) in der Planung von Sicherheitstechnik bewirken könnte.

Die digitale integrierte Planung, nachfolgend bewusst vereinfachend als BIM (Building Information Modeling) bezeichnet, verändert nicht nur die Rollen aller am Objekt Beteiligten, also auch in der Sicherheitstechnik, sondern auch die erforderlichen Kompetenzen und Arbeitsweisen. Auch Geschäftsmodelle bei den Ausführenden ändern sich, denn im Kontext einer guten BIM-Planung ist es für das ausführende Unternehmen deutlich schwieriger durch Nachtragsmanagement Projekte nachvertraglich profitabel zu gestalten.

Planung mit BIM hat sich inzwischen durchgesetzt

Der Einwand, dass der Anteil von BIM-Projekten derzeit immer noch gering sei, ist irreführend. Denn zum einen pflegen BIM-Anwender heute ihre Netzwerke sehr effizient und geschlossen, so dass diese BIM-nutzenden Fachplaner, Ausführende und die jeweiligen Auftraggeber unter sich bleiben und Spieler außerhalb dieses BIM-Netzwerks von den Projekten in der Regel nichts mitbekommen. Zum anderen – dass zeigen zahlreiche Gespräche – planen führende Planungsbüros und Projektentwickler mehr als 90 Prozent ihrer Projekte bereits in BIM 5D, also inklusive Zeit- und Kostenplanung, und gerade die großen Player der Branche stellen bereits seit Jahren BIM-Daten für ihre Produkte zur Verfügung.

Sicherheitstechnik-Branche wird sich zukünftig immer stärker mit BIM befassen

Ein zentrales Argument, sich aus Sicht eines Herstellers in der Sicherheitstechnik mit der Erarbeitung einer BIM-Strategie zu befassen, ist die deutliche Veränderung, die sich daraus für den Zugang zum Markt und zum Objekt ergibt. Wer als Hersteller keine adäquaten BIM-Angebote hat, ist schlichtweg nicht mehr im „relevant-set“ – wird also nicht mehr wahrgenommen. Zum einen werden Errichter den bequemeren Weg gehen und Produkte im BIM-Modell verplanen, da dies bequemer und zuverlässiger ist. Zum anderen lassen sich die Auftraggeber von den durch professionelle BIM-Planung reduzierten Zeit-, Kosten und Ausführungsrisiken bemerkenswert schnell überzeugen.

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Häufig wird man sich für eine zügige Evolution hin zur zweiten oder dritten Stufe dieser Darstellung entschließen.

Messen entdecken das Thema Building Information Modeling (BIM)

Zudem hat das große Interesse zum Beispiel Anfang des Jahres auf der ersten „Digital BAU 2020“-Messe in Köln als auch auf dem „BIM Live Kongress“ von BIM-Object in Malmö (Schweden) eindrücklich gezeigt, wie sich eine Revolution am Horizont zusammenbraut. Durch konsequente Nutzung von BIM lassen sich nicht nur die Ressourcen und Kosten in Planung und Ausführung, sondern auch das Ausführungsrisiko erheblich reduzieren.

Schließlich zeigt auch die unternehmerische Praxis, wie BIM an Bedeutung bei den Herstellern gewinnt. Aus unserer Erfahrung befassen sich führende Hersteller derzeit aktiv damit, ihre BIM-Strategie mit Leben und Praxisbezug zu füllen. Hinsichtlich Marktzugang, strategischer Ausrichtung und Zukunftsfähigkeit ist die Relevanz und die Notwendigkeit somit unstrittig. Doch welche Aspekte sind bei der Erarbeitung der individuellen BIM-Strategie zu beachten?

Zu Beginn sollte die grundlegende Frage beantwortet werden, wie weit man in seiner neunen „Rolle“ gehen will. Reicht es aus, BIM-Objekte auf der eigenen Homepage anzubieten? Wir meinen: Nein, das reicht nicht! Oder will man vielmehr die Revolution wagen und vielleicht ein komplett neues Geschäfts-modell entwickeln, was in der Regel zu anspruchsvoll sein kann? Irgendwo dazwischen wird die leistbare Antwort liegen. Häufig wird man sich für eine zügige Evolution hin zur zweiten oder dritten Stufe dieser Darstellung entschließen.

Zur Erarbeitung einer BIM-Strategie, insbesondere aus der Sicht der Hersteller sicherheitstechnischer Komponenten, sind folgende zentrale Leitfragen zu beantworten:

  • Wie wird sich das für uns relevante Gewerk hinsichtlich der Rollen der Beteiligten (insb. Errichter, Hersteller, Handel) im Kontext von BIM verändern?
  • Welche Rolle wollen und können wir als Spieler zukünftig einnehmen?
  • Welche Bedürfnisse der Errichter können wir als Hersteller sicherheitstechnischer Produkte ad-ressieren? Hier hilft auch ein Blick auf andere Segmente der Gebäudeausstattung.
  • Welche BIM-spezifischen Angebote werden von uns heute erwartet und welche differenzieren uns mittelfristig?
  • Wie sind diese BIM-Angebote (z.B. BIM-Beratung, Planung, Field to BIM, BIM to Field, …) konkret auszugestalten und zu erbringen (insb. Ressourcen, Kompetenzen, Erlösmodell)?
  • Wie ist die BIM-Strategie mit der Digitalisierungs- und der Unternehmensstrategie zu verknüpfen?

Konkrete Planung mit BIM

Ein wesentlicher Punkt ist die konkrete Ausgestaltung der Leistungen im BIM-Kontext. Hierbei kommt es darauf an, die tatsächlichen zukünftigen Bedürfnisse der Beteiligten zu antizipieren und ihnen Leistungen anzubieten, welche einen realen Nutzen und damit Mehrwert bieten. Methodisch sauberes Arbeiten und der Zielgruppe genau zuzuhören sind hierfür die Grundlagen. Dabei sollten Fehler, wie beispielsweise ein unpassendes LOD (Level of Detail) der BIM-Objekte, fehlender konkreter Nutzen oder zu langwierige interne Prozesse unbedingt vermieden werden. Sonst besteht die Gefahr, dass das Vorhaben zum Rohrkrepierer wird.

Zur Erarbeitung einer optimalen BIM-Strategie bietet es sich an, die Customer Journey der jeweiligen Zielgruppe strukturiert zu betrachten und zu hinterfragen, an welchen Stellen welche Interaktionsmomente und Leistungen zu gestalten sind. Schematisch bringt man die Leistungsphasen der HOAI und die Phasen des AIDASL-Modells in Deckung und orientiert sich daran.

Digitalisierung in der Planung in der Sicherheitstechnik wird kommen

Aus Unternehmersicht mag es mitunter schmerzhaft und mühsam erscheinen, sich mit diesem wichtigen Zukunftsthema strukturiert und mit Weitblick zu befassen. Doch spätestens, wenn die Erstellung von BIM-Modellen bereits am unsauber funktionierenden PIM-System (Produktinformationsmanagement-System) ausgebremst wird, wird sich zeigen, warum eine halbherzige strategische Entwicklung in eine unternehmerische Sackgasse führt.

Die Digitalisierung der Planung in der Sicherheitstechnik wird in ihrer ganzen Bedeutung erst in einigen Jahren voll sichtbar werden. Doch bereits heute entscheidet sich, wer auf diesem Weg zur „BIM-Elite“ gehören wird und sich von seinen Wettbewerbern positiv differenzieren kann. Und das betrifft sämtliche Player der Wertschöpfungskette: Ob Hersteller, Händler, Errichter oder auch gewerblicher Auftraggeber - sämtliche Gruppen werden künftig ihre strategische Ausrichtung, die Konfiguration ihrer Geschäfts- und Erlösmodelle, ihre Strukturen und Kompetenzen sowie ihre marktseitigen Schnittstellen signifikant verändern.

Unternehmer, die sich jetzt konsequent mit diesem Thema und den Implikationen der Digitalisierung befassen, können einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten, der - je nach Mut und Geschick - bis weit in die Zukunft einen wichtigen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten wird.

Kostenfreies Online-Seminar zu BIM am 1. Oktober 2020

Die Studie „BIM – are you ready?“ von Dr. Wieselhuber & Partner kann über die Homepage der Unternehmensberatung kostenfrei angefordert werden. Zum Thema Strategische und operative Anwendung von BIM bietet Dr. Wieselhuber & Partner gemeinsam mit BIM-Object ein kostenloses Online-Seminar an.

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Es überrascht mittlerweile nicht mehr, wie stark das Thema Digitalisierung in den letzten Jahren völlig branchenunabhängig an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Eines steht fest: Ein reiner „Hype“ ist es definitiv nicht. Vielmehr birgt die Digitalisierung auf Grund der vielbeschworenen disruptiven Energie tatsächlich großes Veränderungspotential für etablierte Strukturen und Prozesse.

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Foto: Fey

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