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Foto: Genetec
Vereinheitlichte Plattformen wie Genetec Security Center beschleunigen die digitale Transformation und wurden in der Coronakrise noch stärker nachgefragt.

Unternehmen

Wie Corona die digitale Transformation beschleunigt

Kay Ohse, Regional Sales Director bei Genetec, über Fluch und Segen der Coronakrise und deren Auswirkungen auf die digitale Transformation der Sicherheitstechnik.

Als Genetec im März 2020 Kay Ohse als neuen Regional Sales Director bei Genetec vorstellte, hatte die Corona-Pandemie gerade begonnen, und die digitale Transformation in der Sicherheitsbranche begann an Fahrt aufzunehmen . Wie Kay Ohse die letzten eineinhalb Jahre erlebt hat, welche Ziele er für den Softwarehersteller im deutschsprachigen Raum verfolgt, und weshalb Corona die digitale Transformation der Sicherheitstechnik-Branche noch einmal beschleunigen wird, verriet er im Interview mit PROTECTOR, das wir vor Ort in Augsburg führten.

Herr Ohse, wie haben Sie die letzte 16 Monate erlebt?

Kay Ohse: Genetec hat die Pandemie von Beginn an sehr ernst genommen. Alle 1.600 Mitarbeiter weltweit wurden bereits vor den staatlichen Anordnungen ins Homeoffice geschickt und alle Teilnahmen an regionalen und nationalen Messen und Veranstaltungen gecancelt. Der Einstieg in ein neues, spannendes Unternehmen wie Genetec ist aus diesen Gründen aber sicherlich nicht leichter. Ich habe nach 16 Monaten immer noch nicht alle Mitarbeiter meines Teams, geschweige denn unsere Vertriebs- und Technologiepartner oder Kunden persönlich kennenlernen dürfen. Trotz jetzt wieder leicht ansteigender Inzidenzwerte freue ich mich aber auch wieder auf den persönlichen Kontakt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Sicherheitstechnik-Branche in der Post-Corona-Zeit, vor allem mit Blick auf das nächste Jahr, wenn mit der Security wieder eine der größten Präsenzveranstaltungen der Sicherheitsbranche ansteht?

Coronakrise: Branche sehnt sich nach Präsenzveranstaltungen 

Kay Ohse: Die Pandemie hat viele Branchen teils hart getroffen. Auch viele Bereiche der physischen Sicherheit stehen nun vor der Aufgabe, sich neuen Herausforderungen und Prozessen zu stellen. Da wird es für viele Unternehmen ein Segen sein, ihre Produkte auf Messen wie der Security wieder persönlich präsentieren zu dürfen. Gerade Lösungen wie unsere vereinheitlichte Sicherheitsplattform Security Center lassen sich mit praktischen Demos vor Ort deutlich leichter erklären als per Telefon oder im Video-Chat. Nichtsdestotrotz haben wir auch festgestellt, dass digitale Formate wie digitale Messen und Konferenzen, sowie Webinare, wenn sie richtig durchgeführt werden, ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie geworden sind.

Bei Genetec hat sich die Pandemie vor allem in der verzögerten Umsetzung von Projekten gezeigt, was aber wenige finanzielle Gründe hatte, sondern ist in erster Linie auf die schlechtere Erreichbarkeit der Projektbeteiligten zurückzuführen war. Insgesamt sind wir bis jetzt aber sehr gut durch die Krise gekommen.

Genetec wächst vor allem in der DACH-Region momentan stark. Welche Gründe hat das?

Kay Ohse: Wir haben uns in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Das zeigt sich auch im aktuellen Report des Forschungsinstituts Omdia, in dem wir unsere weltweite Spitzenposition im Bereich Videomanagementsoftware verteidigt und unseren Vorsprung sogar ausgebaut haben. Im Bereich Zutrittskontrollsoftware haben wir beispielsweise in EMEA ein deutlich stärkeres Wachstum als der Gesamtmarkt. Das zeigt sich auch im direkten Kontakt mit potenziellen Kunden und Partnern, die sich oftmals direkt an uns wenden, weil sie in Gesprächen von den Vorteilen vereinheitlichter, IP-basierter Lösungen gehört haben. Wir arbeiten national und international mit zahlreichen weltbekannten Unternehmen und Konzernen zusammen. Als Beispiel haben wir letzte Woche unsere globale Zusammenarbeit mit Seagate Technologies bekannt gegeben, die ihre physische Sicherheitsinfrastruktur in allen weltweiten Standorten und Büros mit Genetec Security Center zentralisiert.

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Foto: Genetec
Kay Ohse, Regional Sales Director bei Genetec.

Digitale Transformation bietet viele Möglichkeiten

In Wien hat Genetec Anfang dieses Jahres eine weitere Niederlassung auf dem DACH-Markt gegründet, mit dem Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung. Welche Lösungen halten Sie für besonders vielversprechend?

Kay Ohse: Die Corona-Pandemie hat in vielen Bereichen deutlich gezeigt, wie anfällig proprietäre physische Sicherheitssysteme im Krisenfall sein können. Das hat dazu geführt, dass wir deutlich häufiger Gespräche mit potenziellen Kunden führen, die sich für den Umstieg auf digitalisierte Lösungen interessieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass die digitale Transformation, die in unserer Branche traditionell auf mehr Skepsis stößt, nun deutlich Fahrt aufnehmen wird. Gleichzeitig wird es darum gehen, diesen Umstieg so kosteneffizient wie möglich durchzuführen. Ein kompletter Austausch der gesamten Infrastruktur ist da kaum realisierbar. Daher arbeiten wir bei Genetec immer weiter an der offenen Architektur unserer Lösungen, mit der unsere Kunden aus einer großen Anzahl unterstützter Geräte von Drittanbietern die für sie ideale Lösung individuell zusammenstellen können. Außerdem kann unsere Lösung auch in bestehende und sogar analoge Infrastrukturen integriert werden, um den Umstieg in mehreren Phasen zu vollziehen.

Der Vorteil offener Plattformen liegt dabei auf der Hand. Sie lassen sich flexibel skalieren, sind in der Lage, mehrere Gewerke zu vereinheitlichen, und nutzen Künstliche Intelligenz, um aus den daraus gewonnenen Daten auch operative Prozesse zu optimieren, die wiederum zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen einsparen können.

Genetec ist vor allem als Hersteller von Videomanagementsoftware bekannt, ist mittlerweile aber auch der viertgrößte Anbieter für Zutrittskontrollsoftware weltweit. Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus, und welche vertikalen Märkte haben Sie besonders im Fokus?

Kay Ohse: Vereinheitlichte Lösungen sind ein zukunftsweisender Schritt für Unternehmen und Organisationen jeder Branche. Es steigert die Effizienz des Sicherheitspersonals, weil es alle relevanten Sicherheitssysteme auf einer einzigen Oberfläche einsehen kann. Ein Beispiel: Erkennt das System einen fehlgeschlagenen Zutrittsversuch, wird das Bild der nächstgelegenen Videoüberwachungskamera automatisch abgerufen. Das Sicherheitspersonal kann sich so ein Bild von der Situation vor Ort machen und bei Bedarf Details per Handy an Sicherheitsleute vor Ort schicken. Darüber hinaus kann ein vereinheitlichtes Sicherheitssystem auch die Business Intelligence erhöhen, indem es die gewonnenen Daten sammelt, analysiert und auf eine sinnvolle und nutzbare Art und Weise zusammenführt. Dadurch lassen sich zum Beispiel Trends und Muster bei Kunden im Einzelhandel erkennen.

Bei Genetec sind wir aber auch in der Lage, gemeinsam mit unseren Kunden individuell auf deren Anforderungen abgestimmte Lösungen zu entwickeln oder vorhandene Lösungen zu adaptieren. Das haben wir besonders im Rahmen der Corona-Pandemie mehrfach erfolgreich getan – sei es mit Krankenhäusern, um die Kontaktkette von positiv Getesteten zurückverfolgen zu können, im Einzelhandel, um die Auslastung und den Mindestabstand zu kontrollieren oder im Drive-Through Impfzentrum der University of Arizona, bei der wir mithilfe unserer Lösung Traffic Sense die Abfertigungsprozesse optimieren konnten.

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