Uwe Gleich, Geschäftsführer des Errichterbetriebs Gleich GmbH, zur aktuellen Lage in seinem Unternehmen sowie zu den Corona-Krisenfolgen.
Foto: Michael Gückel

Sicherheitstechnik

Wie Errichterbetriebe in Zeiten von Corona agieren

Corona trifft auch die Sicherheitsbranche. Wie sich die Krise auf seinen Errichterbetrieb auswirkt, erklärt Uwe Gleich in unserem aktuellen Kurzinterview.

Uwe Gleich ist Geschäftsführer des Errichterbetriebs Gleich GmbH: Wir haben ihn zur aktuellen Lage in seinem Unternehmen sowie zu seiner Einschätzung der Krisenfolgen durch ds Coronavirus für die Sicherheitsbranche allgemein befragt.

Spüren Sie die Auswirkungen der Corona-Krise bereits? Und wenn ja, wie äußert es sich in Sachen Kunden und Auftragslage?

Bisher spüren wir die Auswirkungen noch nicht in der erwarteten Größe – aber haben uns auch sehr gut vorbereitet. Einige Kunden stellen Investitionen zurück oder verweigern den Zutritt zu den Gebäuden so dass wir nicht arbeiten können – aber das können wir bisher mit anderen Projekten kompensieren.

Was unternehmen Sie selbst, um in der Krise handlungsfähig zu bleiben und sich und Kunden zu schützen?

Neben den typischen Vorkehrungen wie verstärktes Arbeiten aus dem Homeoffice, Videokonferenzen und dem Verteilen von Desinfektionsmitteln haben wir zum Beipsiel feste Technikerteams gebildet, die in der Krisenzeit immer zusammenbleiben. Kollegen wechseln nicht zwischen diesen Teams wie es sonst üblich war. Weiterhin haben wir viel in die Aufklärung investiert und etwa für unsere Kunden Webinare organisiert, die sich mit dem Thema befassen „Soll ich aufgrund von Corona keine Techniker mehr zur Wartung oder Montage meiner Gefahrenmeldeanlage ins Gebäude lassen? Soll ich die Baustellen schließen? Oder gehe ich damit ein größeres Risiko ein, wenn ich meinen Betreiberpflichten nicht nachkomme?“

Folgen der Corona-Krise für Errichter und die Sicherheitswirtschaft

Wie denken Sie wird sich diese Krise kurz- und mittelfristig auf die Sicherheitsbranche und die Wirtschaft allgemein auswirken?

Ich halte die Sicherheitsbranche grundsätzlich für sehr krisenfest – sehe aber gerade bei kleineren oder nicht sehr gut organisierten und strukturierten Marktbegleitern große Fragezeichen für die Zukunft. Kurzfristig wird das sicherlich auch den ein oder anderen schwächeren Errichter vor Probleme stellen. Mittelfristig wird sich dadurch der Markt bereinigen und konsolidieren. Die Wirtschaft allgemein wird sich hoffentlich schnell erholen und im Anschluss Entscheidungen nachhaltiger und überlegter treffen als bisher. Gerade was das Risikomanagement angeht wird auch bei der Auswahl der Dienstleister perspektivisch nicht mehr so oft nur der Preis das Kriterium sein. Gleiches gilt zum Beispiel für die Lieferketten unserer Lieferanten – Entwicklung und Produktion ins Ausland zu verlegen, Lagerhaltung zu minimieren und an jeder Stelle Kosten zu sparen – wie viele Konzerne das tun - ist einfach nicht nachhaltig und es wird hier hoffentlich zu einem Umdenken kommen. Wir werden jedenfalls unsere Strategie mit nachhaltigen und zuverlässigen Partnern zu arbeiten noch mehr intensivieren. Leider zeigt die Vergangenheit jedoch, dass in der Wirtschaft hier nicht wirklich lernfähig ist.

Welche Maßnahmen könnten aktuell und künftig der Sicherheitswirtschaft in Krisenzeiten helfen?

Aktuell und kurzfristig halte ich die von den Landesregierungen und dem Bund beschlossenen Soforthilfen und Maßnahmen für angemessen und ausreichend. Gleichzeitig wäre natürlich auch hier ein Umdenken wünschenswert nicht ausschließlich über den Preis Aufträge zu vergeben, sondern etwa soziales Engagement und „das was die Firmen für das Allgemeinwohl“ tun in nennenswertem Umfang mit zu bewerten. Diese Verbesserungen wären allerdings grundsätzlich wünschenswert und angemessen – konkrete Hilfen für „nach der Krisenzeit“ wird die Sicherheitswirtschaft meiner Meinung nach nicht brauchen. Eine angemessene Wertschätzung für Dienstleistungen und das Handwerk allgemein würden mich freuen.