Gut ausgeleuchtete Bereiche verstärken in Parkhäusern das subjektive Sicherheitsempfinden.
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Wodurch zeichnen sich sichere Parkhäuser aus?

Öffentliche Parkhäuser sind für den Individualverkehr nach wie vor ein wichtiger Faktor. Deren Akzeptanz hängt aber auch vom subjektiven Sicherheitsgefühl ab.

Bewirtschaftung von sicheren Parkhäusern ist ein sehr komplexes und mitunter sensibles Thema, bei dem nicht selten öffentliche Parkräume in Konkurrenz zu anderen Nutzungsmöglichkeiten der Flächen stehen.

Sind Parkhäuser mehr als Mittel zum Zweck?

„Parkflächen und insbesondere Parkhäuser sind dabei immer nur Mittel zum Zweck für den Nutzer, denn dieser möchte in der Regel so nah wie möglich an seinem eigentlichen Ziel parken. Optimal aus Sicht der Autofahrer sind Parkmöglichkeiten entlang der Straße zum Ziel. Ist dies nicht möglich, sind Parkhäuser in der näheren Umgebung die nächste Wahl“, erläutert Dr. Karl-Ludwig Ballreich, Geschäftsführer der Mannheimer Parkhausbetriebe GmbH.

Ziele der Städte und Kommunen ist es, den verfügbaren Raum möglichst effektiv zu nutzen und den Verkehr entsprechend so zu leiten, dass eine möglichst gleichmäßige Auslastung erfolgt. Der Unterhalt und die Bewirtschaftung der Parkhäuser hängt vom Eigentümerverhältnis und gewünschten Leistungen ab.

Parkhausbetriebe sind häufig selbst Eigentümer öffentlicher Parkhäuser, aber sind auch Dienstleister für andere. Dies beginnt bei reinen Reinigungs- und Wartungsaufgaben, die Anbindung des Objekts an eine zentrale Leitstelle bis zur Geldentsorgung, also die Leerung der Automaten, Transport der Gelder sowie die anschließende Abrechnung.

Sicherheitsempfinden entscheidet über Akzeptanz von Parkhäusern

Ob und wie stark ein Parkhaus oder Tiefgarage frequentiert wird, hängt bei aller Parkplatznot dennoch von einer Reihe Faktoren ab. Zentraler Aspekt ist hier sicherlich die Sicherheit für Personen und die abgestellten Fahrzeuge, aber auch Komfort, Erreichbarkeit und Tarife spielen eine wichtige Rolle. Der ADAC hat in seinem Parkaustest 2016 44 deutsche Parkhäuser unter die Lupe genommen. Von diesen schnitten 17 mit gut ab, 19 mit „durchschnittlich“ und sieben bekamen ein „Mangelhaft“ – eines sogar ein „sehr mangelhaft“.

Der Faktor Sicherheit schlug bei der Bewertung mit 40 Prozent zu Buche, wobei das Ergebnis zeigt, dass auch durchaus ältere Parkhäuser hier sehr gut abschneiden konnten. Häufig haben Parkanlagen bei vielen Nutzern ein negatives Image, das einerseits auf reale Begebenheiten wie Straftaten zurückzuführen ist, und zum anderen eng mit dem subjektiven Sicherheitsgefühl verknüpft ist. Letzteres beginnt bereits bei der Sauberkeit der Anlage.

Polizei empfiehl für die Errichtung von Parkhäusern sichere Umgebungen

Die Sauberkeit, Graffiti oder Vandalismus im Inn- und Außenbereich können sich bereits bei der Wahl negativ auswirken und den Nutzer gegebenenfalls veranlassen, eine andere Parkmöglichkeit zu suchen. Die Polizei Hamburg weist in ihren Gestaltungsempfehlungen für Parkanlagen auf den Mangel an sozialer Kontrolle hin, der in Parkhäusern und Tiefgaragen herrscht. Während bei Parkflächen in Wohngebieten oder Geschäftsvierteln eine vergleichbar hohe soziale Kontrolle durch Anwohner und Passanten stattfindet (Entdeckungsrisiko einer Straftat) – zumindest tagsüber – gilt dies nicht für XXX Parkhäuser und Tiefgaragen.

Hier haben potenzielle Täter andere Möglichkeiten, da das Entdeckungsrisiko durch andere deutlich geringer ist. Hier müssen andere sicherheitstechnische Mittel zum Einsatz kommen, um die objektive wie subjektive Sicherheit der Nutzer zu erhöhen. Auch das Nutzerverhalten und die Bedürfnisse einzelner Zielgruppen sind für die Betreiber und Planer relevant. So spielt demografisch gesehen der Individualverkehr gerade für ältere Mitmenschen eine große Rolle, deren Sicherheitsempfinden sich durchaus von dem Jüngerer Menschen unterscheiden kann – es liegt eher höher.

Präventionsgedanke sollte bereits in der Planung berücksichtigt werden

Für ein durchdachtes Parkraumkonzept müssen die Faktoren Mensch, Objekt, Technik und Organisation betrachtet und ihrer Wechselwirkung verstanden und beachtet werden. Der Mensch und sein Verhalten sind hierbei nach wie vor mit am schwierigsten einzuschätzen. Sicher ist, dass Parkanlagen – gerade Tiefgaragen – aufgrund ihrer Bauweise häufig Stresssituationen auslösen können. Dunkle Ecken oder Korridore, unübersichtliche Flächen und die akustische Wahrnehmung von Geräuschen können Angstgefühle hervorrufen oder verstärken. Dies hängt auch mit der Organisation zusammen, wie gut eine Anlage gepflegt wird und in welchem Allgemeinzustand sie sich befindet.

Videoüberwachung stärkt Sicherheitsgefühl in Parkhäusern

Es empfiehlt sich, hochwertige Materialien einzusetzen, um die Langlebigkeit und Widerstandskraft von Elementen zu gewährleisten und den Aufwand für den Unterhalt zu reduzieren. Dauerparker können bei Misch-Parkanlagen (öffentlich und privat) von den regulären Nutzern baulich abgetrennt sein, in rein öffentlichen Parkanlagen ist eine Durchmischung durchaus wünschenswert, da durch die gemeinsame Nutzung eine größere Kontrolle besteht.

Eine gesonderte Videoüberwachung oder Bestreifung der Parkanlage wären ebenfalls denkbar. Denn es geht letztlich auch um die Fahrzeuge, die in Parkanlagen abgestellt werden. Täter haben es häufig auf im Auto liegengelassene Wertgegenstände abgesehen, die sich schnell entwenden lassen – notfalls mit dem Einschlagen der Seitenscheibe. Die Nutzer tragen damit auch eine gewisse Selbstverantwortung, etwa keine offensichtlichen Wertsachen im Auto zurückzulassen.

Interessen der Nutzer bei der Planung berücksichtigen

Der Sicherheitsgedanke einer Parkanlage spiegelt sich zuallererst im Objekt selbst wider. Während Neubauten hier im Vorfeld bereits viele Aspekte berücksichtigen können, muss im Bestand oftmals technisch nachgerüstet werden, um bestimmte Ziele zu erreichen.

Aus Objektsicht sind vor allem helle Wege und Zufahrten, eine deutliche Kennzeichnung von Wegen und Fahrspuren und sowie Parkleitsysteme wichtig. Vor allem in Tiefgaragen kommt der ausreichenden Beleuchtung eine besondere Bedeutung zu.

Eine helle Beleuchtung, die mindestens Bewegungsmelder gesteuert ist, muss dunkle Ecken verhindern und damit die Entdeckungsmöglichkeit potenzieller Täter erhöhen.

Alle Bereiche von Parkhäusern ausleuchten

Auch sensible Bereich wie Kassenautomaten, Ausgänge und gesonderte Parkflächen sollten sehr gut ausgeleuchtet sein. Je nach Bundesland sind die gesetzlichen Anforderungen gering. So sieht etwa die baden-württembergische Garagenverordnung für Mittel- und Großgaragen eine allgemeine elektrische Beleuchtung vor, „die in den Rettungswegen und den Fahrgassen eine Beleuchtungsstärke von mindestens 20 Lux sicherstellt.“ Der ADAC empfiehlt bei Hauptquerungsstellen 100 Lux, Kassenautomaten 200 Lux, Treppenhäuser 75 Lux und Aufzüge 100 Lux. Bei Neubauten sollten Laufwege allgemein gut einsehbar sein, Verwinklungen auch bei Stellplätzen oder Sackgassen sollten vermieden werden.

Gut beleuchtete Orientierungshilfen auf dem Boden oder durch Schilder (Notausgänge, Treppenhäuser) sind gerade für Ortsunkundige wichtig um sich sicher und schnell zurechtzufinden (Bild 2). Je weniger Versteckmöglichkeiten baulicher oder organisatorischer Art (Anordnung der Parkbuchten) es gibt, desto größer das Risiko für Täter, entdeckt zu werden oder bereits im Vorfeld aufzufallen.

Videoüberwachung stärkt Sicherheitsempfinden

Neben baulichen Aspekten kommt der Technik für die Sicherheit von Personen und Fahrzeugen eine große Bedeutung zu. Angefangen beim Brandschutz bis hin zur Videoüberwachung oder Leitsysteme für einzelne freie Stellplätze, bietet die Technik ein breites Spektrum an Funktionen, die die Sicherheit erhöhen und dem Nutzer Komfort und damit Wohlbefinden bieten.

Während etwa private Tiefgaragen einfacher mittels Zufahrtskontrolle zu sichern sind, müssen öffentliche Parkanlagen oftmals andere Wege gehen. Besondere Bereiche wie Kassenhäuschen sollten einbruchhemmend ausgestaltet sein, gegebenenfalls mit Anschluss an eine Einbruchmeldeanlage. Eine Videoüberwachungsanlage sollte alle Zu- und Ausgänge überwachen, dass niemand sich ungesehen in die Parkanlage begeben kann. Zur Überwachung von Parkflächen können je nach baulichen Gegebenheiten schwenk- und neigbare Kameras zum Einsatz kommen, die dann zumindest weite Teile der Parkanlage erfassen können.

Aufschaltung von Videoüberwachung in Leitstellen

„Der Wunsch vieler Autofahrer, dass quasi jede Parkbucht einzeln überwacht wird, um mögliche Beschädigungen festzuhalten, ist aber schlicht unrealistisch,“, erklärt Ballreich. Wichtig ist ebenfalls die Überwachung sensibler Bereich wie die, in denen die Kassenautomaten aufgestellt sind. Noch sind der Einsatz der Videoüberwachung und die Aufschaltung in einer Leitstelle eine Maßnahme, die vor allem der Strafverfolgung dient, denn es ist für einzelne Mitarbeiter nur schwer möglich, alle Kameras unterschiedlicher Objekte im Blick zu haben. Abhilfe könnte intelligente Videotechnik bieten, die beispielsweise bestimmte Bereiche vom Zutritt ausschließt und automatisch ein Kamerabild aufschaltet. Ebenso könnten sich Systeme eignen, die bestimmte Bewegungsmuster oder am Boden liegende Personen erkennen und den Anwender selbstständig informieren.

„Der Einsatz solcher Technologien ist für uns sicherlich interessant“, so Ballreich. Neben der Videoüberwachung ist auch die Kommunikation ein wichtiges Sicherheitselement für die Nutzer. Notrufmelder zu einer ständig besetzten Leitstelle sollten strategisch günstig platziert werden, vor allem dann, wenn es keinen oder nur unzureichenden Handyempfang gibt.

Sichere Parkhäuser sorgen auch für Wirtschaftlichkeit

Parkhausbetreiber und Kommunen sind gleichermaßen gefordert, zusammen Konzepte für eine effiziente Parkraumbewirtschaftung zu entwickeln. Neue Parkanlagen können dabei neuesten Erfordernissen bei der sicherheitstechnischen Gestaltung folgen, ältere Objekte sollten entsprechend nachgerüstet werden.

Kriminalpräventive Überlegungen gilt es von Beginn an mit einzubeziehen. Akzeptieren Nutzer eine Parkanlage nicht, weichen sie auf andere Möglichkeiten aus, die neue Probleme verursachen können, etwa auf Anwohnerparkplätzen in Wohngebieten, oder „wildes Parken“. Insofern sorgen moderne und sichere Parkhäuser nicht nur für Akzeptanz, sondern damit auch für deren Wirtschaftlichkeit.