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Geld- und Wertdienstleister

Zuverlässige Partner

Bargeld ist in Deutschland nach wie vor das mit Abstand beliebteste Zahlungsmittel. Fast 80 Prozent aller Zahlungen werden bar getätigt. Die Bargeldver- und -entsorgung hat für das Funktionieren der Gesamtwirtschaft in Deutschland nach wie vor eine enorme Bedeutung.

Im Jahr 2011 gingen insgesamt rund 30 Milliarden Banknoten im Wert von knapp einer Billion Euro über die Schalter der Filialen der Deutschen Bundesbank. Voraussetzung dafür: eine zuverlässige Geld- und Werttransport-branche.

Täglich sind bundesweit ungefähr 2.500 Spezialgeldtransportfahrzeuge mit Bargeld in einem Wert von circa drei Milliarden Euro auf deutschen Straßen im Einsatz. Die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) ging 1989 aus dem Zusammenschluss des Fachverbandes der Geld- und Werttransportunternehmen und der Bundesvereinigung für Sicherheitstransporte hervor. Ihr gehören zurzeit 43 Geld- und Wertdienstleister als ordentliche Mitglieder an. Diese repräsentieren ungefähr 90 Prozent der Marktanbieter. In den letzten Jahren ist es zunehmend gelungen, außerordentliche Mitgliedsunternehmen für die BDGW zu gewinnen. Ohne die Transportversicherungen, die Hersteller von Spezialtransportfahrzeugen, spezialisierte Softwareanbieter, Lieferanten von Sicherheitstechnik oder Dienstkleidung wäre die Arbeit der ordentlichen Mitgliedsunternehmen nicht machbar.

Insgesamt verfügen die ordentlichen Mitgliedsunternehmen über mehr als 2.500 gepanzerte Spezialgeldtransportfahrzeuge und beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter im Bereich Geld und Wert. Über 7.300 bewaffnete und speziell ausgebildete Mitarbeiter versorgen Banken und Handel. In den Cash-Centern leisten knapp 3.700 Mitarbeiter ihren Dienst, indem sie Banknoten und Münzen sortieren, zählen und auf Echtheit prüfen. Der Branchenumsatz lag im Jahr 2011 nach ersten Berechnungen bei rund 525 Millionen Euro.

Ein besonderer Schwerpunkt der Verbandsarbeit liegt seit der Gründung in der Sicherstellung von sicheren Geldtransporten. In der über 40-jährigen Geschichte deutscher Geld- und Wertdienstleister ist es laut polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2011 erstmals gelungen, keinen einzigen Überfall auszuweisen. Das ist vor dem Hintergrund wieder steigender Kriminalitätsraten in Deutschland und der Situation in anderen europäischen Ländern ein herausragendes Ergebnis und auch Beleg für die erfolgreiche Verbandsarbeit.

Die in Deutschland zur Anwendung kommenden Sicherheitskonzepte sind beispielgebend in Europa. Im Unterschied zu allen anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland keine staatliche Regulierung beziehungsweise staatliche Gesetzgebung für den Geld- und Werttransport. Wesentliche Bausteine deutscher Sicherheitskonzepte sind der Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen, Zwei-Mann-Besatzung, GPS-Ortung der Fahrzeuge, Bewaffnung der Beschäftigten sowie der Einsatz von Transportsicherungsgeräten.

Heros und die Folgen

In den letzten 40 Jahren hat sich die Branche vom Geldtransporteur hin zum anerkannten Geld- und Wertdienstleister entwickelt. Das Jahr 2006 war durch die Insolvenz des kriminellen Unternehmens Heros zweifellos das schwärzeste in der 40-jährigen Geschichte der bundesdeutschen Geld- und Wertdienste. Hatte man im Jahr 2002 noch zu einer sicheren und effizienten Einführung des Euros beigetragen und damit vielfältige Anerkennung gefunden, so haben die Schadenfälle im Jahr 2006 das Image der Branche nachhaltig beschädigt.

Die Insolvenz der Heros-Unternehmensgruppe hat zu weitreichenden Marktveränderungen geführt. Erstmals waren amerikanische Finanzinvestoren in den deutschen Markt der Geld- und Wertdienste eingestiegen und hatten vom Insolvenzverwalter große Teile des früheren Konglomerats übernommen und Securlog gegründet. Dieses Kapitel ist inzwischen abgeschlossen. Zum Jahreswechsel 2011/2012 wurde Securlog durch das börsennotierte spanische Familienunternehmen Prosegur übernommen. Mit diesem Einstieg des spanischen Marktführers haben auch die mit der Gewerkschaft Verdi im Jahr 2010 vereinbarten Mindestlöhne für den größten Marktanbieter wieder Gültigkeit. Ab 1. Januar 2013 liegen die Löhne für Geld- und Werttransportteure zwischen zehn Euro in den neuen Ländern und 14 Euro in Nordrhein-Westfalen.

Das Auseinanderfallen der Löhne ist immer noch Folge einer tarifpolitischen Zersplitterung, die nach der deutschen Einheit entstanden ist und nur langsam abgebaut werden kann. Erst durch die Umwandlung der BDGW vom reinen Wirtschaftsverband zum Wirtschafts- und Arbeitgeberverband war es möglich, eigenständige Tarifverträge zu verhandeln. Die BDGW hat nach der Heros-Katastrophe ihre Hausaufgaben gemacht. Sie hat gemeinsam mit eigenen Sicherheitsbeauftragten, Vertretern der Berufsgenossenschaften, Versicherungen und den Kundenverbänden von Handel und Kreditgewerbe einen eigenen BDGW-Sicherheitsstandard entwickelt. Dieser gilt mittlerweile für 90 Prozent der Geld- und Wertdienstleister. Seit dieser Zeit kam es zu keinen weiteren Schadensfällen.

Eine wichtige Änderung für die Wertdienstleister steht in wenigen Wochen an. Bis Ende Dezember 2012 muss die europäische Verordnung für den gewerbsmäßigen grenzüberschreitenden Straßentransport von Euro-Bargeld zwischen Mitgliedsstaaten des Euro-Raums aus dem vergangenen Jahr auch in Deutschland umgesetzt werden. Damit sind grenzüberschreitende Geld- und Werttransporte möglich. Nach langem Hin und Her steht nun fest, dass das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) die Lizenzen für grenzüberschreitende Transporte vergibt.

Ausblick

Das Bargeldhandling in Deutschland hat sich nach der Euro-Einführung vor zehn Jahren dramatisch verändert. Die Bundesbank zieht sich von bestimmten Aufgaben und auch weiter aus der Fläche zurück. Das begünstigt tendenziell die Wertdienstleister. Zu Beginn des Jahres 2011 wurde der Norm-Container für Münzgeldhandling eingeführt und als Standard für Ein- und Auszahlungsgebinde zugelassen. Ein- und Auszahlung kleinerer Stückelungen sind gegen ein Entgelt von 25 Euro möglich. Es wird Zeit, diese Sonderregelung abzuschaffen. Die Mitgliedsunternehmen der BDGW haben bewiesen, für Handel und Kreditwirtschaft den Münzgeldkreislauf sicher, kostengünstig und flächendeckend zu gewährleisten.

Am 30. September 2012 schließen sieben von bisher noch 47 Filialen beziehungsweise Betriebsstellen der Deutschen Bundesbank. Damit werden die Fahrten von und zu den Kunden länger. Durch den Rückzug der Bundesbank wird es zukünftig zu einem „Cash-Recycling“ kommen (müssen). Darunter versteht man Bargeldströme jenseits der 40 verbleibenden Filialen der Deutschen Bundesbank. Die BDGW-Mitgliedsunternehmen können jedoch nur dann aktiv am Cash-Recycling teilnehmen, wenn sie eine Zulassung als Finanzdienstleister durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erhalten und die Kunden der Dienstleister am Cash-Recycling teilnehmen.

Aufgrund formaler Hindernisse ist eine Zulassung bis heute nicht erteilt worden. Daher waren weitreichende Kooperationen mit regionalen Kreditinstituten und Sparkassen notwendig. Erneut haben die BDGW-Mitglieder bewiesen, ihre Unternehmen auf sich permanent wandelnde Rahmenbedingungen erfolgreich einzustellen und marktgerechte Lösungen für Kunden anzubieten.

Dr. Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer BDGW

Seit 30 Jahren ist die BDGW ein anerkannter Partner in der Bargeldlogistik. Die Vereinigugn blickt zurück auf die Entwicklung der Geld- und Wertbranche.
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30 Jahre Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW): Ein Rückblick auf die Entwicklung der Geld- und Wertbranche.

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Foto: Deutscher Bargeldlogistik Kongress 2014/Jürgen Lecher

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