Telehouse hat ein zweistufiges Brandschutzkonzept von Wagner in seinem Frankfurter Rechenzentrum implementiert.
Foto: Wagner

Brandschutz

Zweistufiges Brandschutzkonzept für Rechenzentrum

Der Frankfurter Rechenzentrumsbetreiber Telehouse setzt zum Schutz seiner IT-Infrastruktur auf ein neuartiges, zweistufiges Brandschutzkonzept von Wagner.

Das zweistufige Brandschutzkonzept von Wagner sichert die IT-Infrastruktur beim Frankfurter Rechenzentrumsbetreiber Telehouse effektiv ab. In Frankfurt am Main liegt einer der größten Datenknotenpunkte der Welt: der Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX) mit Spitzenwerten von 6,7 TB Datenvolumen pro Sekunde. Die Telehouse Deutschland GmbH unterhält eines der größten Rechenzentren Frankfurts. Dort gelten höchste Sicherheitsanforderungen, denn auch im Brandfall müssen hier die zahllosen Transaktionen unbeeinträchtigt ablaufen.

Brandschutzkonzept ermöglicht, dass Kundenserver rund um die Uhr betriebsbereit sind

Als Colocation-Anbieter stellt die Telehouse Deutschland GmbH seinen Kunden Rechenzentrumsfläche mit der dazugehören physischen Infrastruktur zur Verfügung. Dazu gehören sämtliche elektrische und klimatechnische Komponenten, das Gebäudemanagement, Sicherheit und Brandschutz. Die Kunden, dazu zählen vornehmlich internationale Cloud-Anbieter, Branchenriesen aus dem Bereich E-Commerce und Unterhaltung sowie andere große Dienstleistungs- und Industrieunternehmen, setzen eigene IT-Racks in das Rechenzentrum ein. Und die haben es nicht nur gewichtsmäßig – ein Serverschrank kann bis zu zwei Tonnen wiegen – in sich: „Ein Rack kann schon mal eine Million Euro kosten; das ist keine Seltenheit. Aber die Daten, die darauf lagern, sind wiederum ein Vielfaches wert“, erklärt Asko Hamberger, Safety & Securitymanagement bei der Telehouse GmbH. „Wir haben somit ein größtmögliches Interesse daran, dass unsere Kundenserver rund um die Uhr betriebsbereit sind.“ Und dazu gehört insbesondere auch der individuelle Brandschutz. „Wo viel Technik drinsteckt, kann auch immer etwas passieren.“

Fehlende Auflagen zum Brandschutz im Telehouse-Rechenzentrum

Als vor drei Jahren neue Rechenzentrumsflächen in einem Bestandsgebäude von Telehouse geplant wurden, ließ Telehouse ein eigenes Technikgebäude für die benötigte technische Infrastruktur errichten. Das Technikgebäude ist über zwei zentrale Versorgungsflure mit dem Bestandsgebäude verbunden. Die für den Betrieb existenzielle Versorgungsleitungen für Klimatisierung und Stromversorgung liegen in zwei Zwischengeschossen des Gebäudes mit Raumvolumina von 730 und 1.700 Kubikmeter. Das Telehouse-Rechenzentrum verbraucht jährlich etwa so viel Strom wie eine Kleinstadt mit 30.000 Einwohnern. Doch trotz dieser großen Mengen an Elektrizität, die von einem ins andere Gebäude fließen, sah das Brandschutzkonzept für das Technikgebäude keinen Brandschutz vor – weder Detektion noch Löschung. Und somit auch nicht für die beiden unternehmensrelevanten Zwischengeschosse. „Aber das ist ein extrem wichtiger Teil unseres Campus‘. Wenn es hier zu einem Brandereignis kommt, sind die Folgeschäden für uns und unsere Kunden immens“, sagt Hamberger.

Lösung mit zweistufigem Brandschutzkonzept von Wagner

Telehouse suchte somit aus eigenen Antrieb nach einer passenden Brandschutzlösung für die beiden wichtigen Zwischengeschosse. Eine aktive Brandvermeidung mittels Sauerstoffreduktion stand zunächst im Raum. Doch: „Eine Brandschutzlösung mit dauerhaft abgesenktem Sauerstoffniveau erschien uns nicht die optimale Lösung zu sein, denn die Begehbarkeit ist dann nur für gesundheits-medizinisch untersuchtes Personal gegeben“, erklärt Hamberger. Eine Alternative musste her, die darüber hinaus die folgenden Schutzziele abdecken musste: Stetige Begehbarkeit (für anstehende Wartungsarbeiten, Reparaturen, Ursachensuche), kein Abschalten der Energieversorgung im Brandfall, zu jeder Zeit gegebener Brandschutz (kein Abschalten der Anlagen bei zum Beispiel Wartungsarbeiten) und hohe Täuschungsalarmsicherheit. Die Lösung des Problems war ein neuartiger Ansatz: das „Zweistufige Konzept“ von Wagner.

Gaslöschtechnik wirkt im Rechenzentrum zusammen mit Sauerstoffreduzierung

Das „Zweistufige Konzept“ kombiniert klassische Gaslöschtechnik mit Sauerstoffreduzierung und frühestmöglicher Branddetektion zu einer intelligenten Brandschutzlösung auf höchstem Sicherheitsniveau. Detektieren hochsensible Ansaugrauchmelder einen Brand im frühesten Entstehungsstadium, wird zunächst das Sauerstoffniveau durch das sanfte Einleiten von Stickstoff aus bevorrateten Druckmittelbehältern von 20,9 auf 17 Volumenprozent Sauerstoff abgesenkt. Durch die Reduktion der Sauerstoffkonzentration wird ein deutlich reduziertes Brandverhalten erreicht, sodass im Idealfall der Brand bereits erlischt. Danach hält eine Sauerstoffreduzierungsanlage mittels vor Ort generierten Stickstoffs die abgesenkte Sauerstoffkonzentration beliebig lang auf dem konstanten Niveau von 17 Volumenprozent. So können Telehouse-Mitarbeiter bei freier Begehbarkeit des Schutzbereiches nach der Brandursache suchen und diese beheben. Detektieren die Ansaugrauchmelder weiterhin ein Brandgeschehen, wird die Sauerstoffkonzentration nochmals abgesenkt; dieses Mal auf 13,8 Volumenprozent. Auch bei diesem Sauerstofflevel können die Telehouse-Mitarbeiter noch den Schutzbereich zwecks Ursachsenbehebung betreten. Auch dieses Level hält die Sauerstoffreduzierungsanlage so lange wie nötig. Den Nachweis, dass die zweistufige Absenkung bis zum Minimalsauerstoffwert wie geplant funktioniert, haben Probeflutungen erbracht. Und dieser Nachweis der Funktionalität kann mithilfe der verbauten Lösung jederzeit wiederholt werden.

Wiederbefüllung der Wagner Gaslöschbehälter vor Ort bei Telehouse

Die durch die Probeflutungen entleerten Gaslöschbehälter konnten und können auch in Zukunft vor Ort wiederbefüllt werden. Dafür kommt der Stickstoffgenerator der Sauerstoffreduzierungsanlage zum Einsatz, der das benötigte Inertgas in höchster Reinheit generiert und übereinen Hochdruckverdichter in die entleerten Gaslöschbehälter füllt. „Bei der Anzahl unserer Behälter hätten sich die Kosten einer externen Befüllung auf etwa 75.000 Euro belaufen. Da nimmt man keine Probeflutung vor“, erklärt Hamberger. Mit der Lösung der Wiederbefüllung vor Ort fielen bei den Probeflutungen aber weder extra Kosten an noch musste die Brandschutzanlage dafür ausgeschaltet werden. Maximaler Schutz für die Unternehmenswerte von Telehouse und deren Kunden ist somit zu jeder Zeit gegeben. „Insgesamt eine runde Lösung, die genau unsere Anforderungen erfüllt“, betont Hamberger, der sich übrigens auch privat mit dem Thema Feuer beschäftigt: Er nimmt eine Führungsposition bei der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatstadt ein.