Kommentar aus PROTECTOR 9/2017, S. 3

Editorial Glänzende Perspektiven

Meldungen über Cyberangriffe und IT-Attacken auf Unternehmen haben mittlerweile ein Maß erreicht, dass die PROTECTOR & WIK-Redaktion darüber nachdenkt, eine eigene Rubrik einzuführen: Den „Hack des Monats“, zum Beispiel.

Andreas Albrecht, Chefredakteur. 

Wären wir eine Tageszeitung, wir müssten uns auch keine Sorgen darüber machen, uns könnte das Material für die Rubrik „Hack des Tages“ ausgehen. Das Problem wäre wohl vielmehr selbst dann, den Überblick zu behalten und einschätzen zu können, ob eine Meldung einen ausführlichen Bericht unter dieser Rubrik verdient hätte, oder doch eher unter der Kategorie „so what?“ einzuordnen wäre. Denn inzwischen lösen selbst Nachrichten über mil-lionenfachen Datenklau wie bei Yahoo Ende letzten Jahres oft nicht viel mehr als ein Schulterzucken aus. Resignativ klingen auch viele Studien und Berichte zu Gefahren und geeigneten Schutzmaßnahmen vor Cyber-Angriffen. Oft gelangt man hier bereits nach wenigen Zeilen zu der Erkenntnis, es fehle schlicht an genügend Fachkräften für IT-Sicherheit, um auf die zunehmenden Bedrohungen angemessen reagieren zu können. Eine von dem US-amerikanischen IT-Unternehmen Veracode in Auftrag gegebene Studie, die auf der Befragung von 400 IT-Experten beruht, kommt sogar zu dem Schluss, dass selbst die vorhandenen Fachleute ihrer eigenen Einschätzung nach nicht über ausreichendes IT-Sicherheitsfachwissen verfügen. Und fast jeder zweite IT-Entscheider kritisiert die Komplexität der Anwendungen und den hohen manuellen Aufwand mit IT-Sicherheitssystemen.

Einen Ausweg aus dem Dilemma sehen immer mehr Unternehmen in der Security-Automation oder in der Auslagerung der IT-Sicherheit an so genannte Managed Security Services Provider (siehe Bericht auf den Seiten 44 bis 45). 83 Prozent von 1.600 Vollzeit-IT-Fachkräften, die der Sicherheitsanbieter Trustwave befragt hatte, gaben an, mit einem externen Sicherheitsprovider zusammen zu arbeiten, oder das in naher Zukunft tun zu wollen.

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Der Grund dazu dürfte einerseits am vorausgesetzten Know-how-Vorsprung der Spezialisten liegen. Vor allem aber könnte die Auslagerung der IT-Security dabei helfen, ein in den nächsten Jahren recht dringendes Problemen zu lösen: Den dramatischen Mangel an Experten für IT-Sicherheit, den wie gesagt unzählige Studien erwarten. Wer sich aktuell also beruflich umorientieren möchte, oder nach einem Tipp für die Berufswahl seiner Kinder sucht, müsste nicht lange überlegen: Das Beratungsunternehmen Frost & Sullivan erwartet bis zum Jahr 2022 in Europa 350.000 unbesetzte Stellen für IT-Sicherheitsexperten.

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