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Fachartikel aus PROTECTOR 9/2017, S. 72

Compliance-Checks Niemand ist eine Insel

Politische Entwicklungen wie Trumps „America First“-Policy, der Brexit oder die Öffnung neuer Wirtschaftsstandorte wie China zwingen deutsche Unternehmen, sich neuen Märkten zuzuwenden. Mit neuen Handelspartnern kommen aber auch neue Regelungen, Gesetze und Vorschriften zum Tragen, deren Einhaltung in Unternehmen nicht nur gelernt und verankert, sondern auch kontrolliert werden muss.

Bild: Kira auf der Heide/Unsplash.com
Deutsche Unternehmen wollen in neue Märkte expandieren. Dabei müssen sie auf zahlreiche Regeln und Gesetze achten. (Bild: Kira auf der Heide/Unsplash.com)

Drei Viertel (71 Prozent) der deutschen Unternehmen findet es zunehmend wichtiger, neue Absatz- und Einkaufsmärkte zu erschließen, um ihre Wettbewerbsposition zu verteidigen oder zu verbessern. Die Tuchfühlung mit den neuen Handelspartnern birgt aber auch Risiken und sorgt für Unsicherheiten: Zwar sind sich 76 Prozent der Befragten bewusst, dass mit der internationalen Expansion rechtliche Risiken verbunden sind. Allerdings geben 47 Prozent zu, dass ihnen der Überblick über die Vielzahl der internationalen Gesetze fehlt. Diese Ergebnisse einer aktuellen Studie des Ediscovery-Anbieters Krolldiscovery unter 256 Entscheidern aus Vertriebs- und Einkaufsabteilungen sowie der Geschäftsführung deutscher Unternehmen zum Thema internationale Geschäftsbeziehungen lassen aufhorchen. Denn sie zeigen Risiken im Umgang mit internationalen Compliance-Vorschriften auf, denen Unternehmen entgegentreten sollten.

Heiligt Erfolg die Mittel?

Vier von fünf Unternehmen (79 Prozent) zeigen trotz Regeldschungel die nötige Sensibilität für internationale Compliance und haben Prozesse und Regeln für grenzübergreifende Geschäftsbeziehungen definiert. Allerdings kontrollieren nur 57 Prozent der befragten Unternehmen die Einhaltung der internationalen Regelungen, etwa durch präventive, interne Untersuchungen. Rund die Hälfte der Unternehmen weiß also nicht, ob ihre Mitarbeiter sich im Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern gesetzes- und regelkonform verhalten. Dabei wäre eine solche Kontrolle überaus wichtig, denn 55 Prozent der Befragten räumen ein, dass die Anpassung an lokale Gebräuche internationaler Geschäftspartner wichtiger ist als die Einhaltung von Compliance-Vorgaben. Der unmittelbare Geschäftserfolg, der „gute Abschluss“, wiegt hier schwerer als die Compliance-Treue. 37 Prozent geben sogar unumwunden zu, dass das Zahlen von Schmiergeldern oder der Austausch kleiner Gefälligkeiten für den Erfolg im internationalen Handel unverzichtbar sind. Besonders offensichtlich sind der Erfolgsdruck und die damit verbundene Manipulierbarkeit im Einkauf: 67 Prozent der Entscheider stehen dazu, sich hin und wieder bewusst gegen das günstigste oder transparenteste Angebot zu entscheiden, um gute Beziehungen zu ausländischen Lieferanten aufrecht zu erhalten. Weltweit tätige Unternehmen agieren in einem komplexen Netz aus nationalen, internationalen und internen Regeln und Gesetzen. So kann ein Verstoß gegen Antikorruptionsrichtlinien in Fernost bei der Anbahnung eines Geschäfts eine Kettenreaktion in Gang setzen, an deren Ende nicht nur das Geschäft im lokalen Markt in Gefahr ist. Auch in Deutschland können Ermittlungen die Folge sein, oder das Unternehmen sieht sich im Rahmen des „Foreign Corrupt Practices Acts“ gar internationaler Verfolgung durch die USA ausgesetzt.

Künstliche Intelligenz

Um untersuchungsrelevante Daten mit vertretbarem Aufwand zu sammeln, zu sichten und für eine Untersuchung aufzubereiten, sind Unternehmen gut beraten, auf Ediscovery-Plattformen zurückzugreifen. Künstliche Intelligenz in Form von „Technology Assisted Reviews“ (TAR) unterstützt hierbei die Projektjuristen bei der Sortierung und Priorisierung von Daten und hilft so, Untersuchungen schnell und kosteneffizient durchzuführen. „Predictive Coding“ als Teil von TAR hilft dem Bearbeiter zum Beispiel, zunächst alle wahrscheinlich fallrelevanten Dokumente und Daten gezielt herauszufiltern und zu priorisieren – und damit alle nicht relevanten Dokumente auszuklammern. Dies geschieht über sogenanntes „Continuous Active Learning“ (CAL): Die Software erkennt die Muster, nach denen Reviewer Dokumente als relevant bewerten und erstellt nach einer inhaltlichen und kontextuellen Analyse aller weiteren Dokumente eine nach Relevanz geordnete Liste. Das spart Zeit und personelle Ressourcen sind besser planbar.

Helmut Sauro, Senior Business Development Manager bei Krolldiscovery

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