News vom 12/03/2018

RMA Risk Management Congress 2018

Die Risk Management Association e. V. (RMA) macht Köln zum Zentrum ihres Risk Management Congress 2018. Rund 200 Risikomanagementexperten aus unterschiedlichen Branchen, der Wissenschaft und des öffentlichen Sektors folgten am 15. und 16. Oktober dem kölschen Grundgesetz: „Et bliev nix wie et wor“ (Es bleibt nichts wie es war).

Bild: RMA
Rund 200 Teilnehmer aus dem Risikomanagementumfeld folgten dem 13. Risk Management Congress 2018 nach Köln. (Bild: RMA)

Ein Ausdruck, der durchaus zu Parallelen in unserem realen Leben einlädt. Denn unsere moderne Welt befindet sich in einem massiven Umbruch. Davon zeugt die Bandbreite an Risiken, mit der sich Unternehmen und ihre Vertreter heute auseinandersetzen müssen. So wurde für manchen schon die An- oder Abreise per Bahn zum Kölner Veranstaltungsort zur Herausforderung. War doch die ICE-Strecke zwischen Frankfurt am Main und Köln aufgrund eines Brandes gesperrt. Ein Anschlag im Kölner Hauptbahnhof rief zudem am Montagnachmittag ein Großaufgebot der Polizei auf den Plan. Die Folgen: Ein weiträumig gesperrter Bahnhof sowie Zugverspätungen und Ausfälle bis weit in die Nacht.

Eine Welt voller Risiken

Zwei Ereignisse die zeigen, dass unsere Welt voller Risiken steckt – angefangen bei Infrastrukturrisiken mit Ausfällen im Personenverkehr oder von Lieferketten. Hinzu kommen radikale Kräfte, die die Demokratie infrage stellen und das politische und gesellschaftliche System bis ans Limit strapazieren. Protektionistische Bestrebungen mit wirtschaftlichen Verwerfungen, Handelsbarrieren und Strafzöllen hinterlassen in der Weltwirtschaft ihre Spuren. Korruption und Misswirtschaft in Unternehmen bringen so manches Topmanagement ins Schlingern, hinterlassen finanzielle Schäden und Reputationsverluste.

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Digitale Risiken mit neuen Arbeitsprozessen und-verhältnissen sowie Cybergefahren für Organisationen in allen Branchen sind für viele Unternehmen noch immer eine Black Box. Kurzum: Das Risikomanagement hat in diesen Tagen Hochkonjunktur und ist gleichzeitig ein sicherer Wegbegleiter in unruhigen Zeiten – wenn es gelebt wird. Um all diesen Risiken in einer Welt im Umbruch Herr zu werden, braucht es Wissen, zukunftsorientierte Methoden im Risikomanagement und den Menschen als Schlüssel eines modernen Chancen- und Risikomanagements. Der diesjährige Risk Management Congress bot hierzu wieder klare Leitplanken für das Risikomanagement in unserer digitalen und eng vernetzten Welt.

Von sozialer Verantwortung, der Risikomanagementkultur und dem Digitalen

Dr. Michael Menhart, Chief Economist, Munich Re, eröffnete die zweitägige Veranstaltung mit seinem wirtschaftlichen Ausblick in einer digitalen Welt. Seiner Meinung nach waren die Ökonomen zu pessimistisch. Denn Risiken hätten sich in der Vergangenheit nicht so manifestiert, wie es erwartet worden sei. Mit Blick auf den Einfluss der Digitalisierung auf die Volkswirtschaft sähen die Prognosen gut aus. Hierzu trügen vor allem günstigere Kommunikationstechnologien und die Automatisierung bei. Und auch in puncto der weiteren Entwicklung unserer digitalen Geschäftswelt sähen viele einen Sprung in der technologischen Entwicklung.

Die Podiumsdiskussion zum Thema: „Herausforderungen bei der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten im Risikomanagement“ zeigte, wie verzahnt globale Lieferantennetze mit Reputationsgefahren seien können. Davon berichtete Dr. Katharina Kerl vom Bekleidungshersteller „s. Oliver“. Demnach prüfe das Unternehmen stets, wo Schäden in der kompletten Wertschöpfungskette und damit im Unternehmensumfeld entstünden. Hierbei geht es nach Kerl von den Mitarbeitern und deren Arbeitsbedingungen über globale Lieferketten, den Umweltschutz bis zum Transport. Für die Nachhaltigkeitsmanagerin greife Verantwortung über die Unternehmensgrenzen hinaus. Wo Klarheit fehle, müssten Unternehmen Fragen stellen und die Dinge in das Topmanagement tragen. Um Transparenz im kompletten Herstellungsprozess zu erhalten, setze man unter anderem auf die Auswertung einer großen Bandbreite an Datenquellen – von Studien über Länderrisikoprofile bis zu Expertengesprächen.

Warum die Lücke zwischen Theorie und Praxis im Risikomanagement?

Diese Frage stellte Dr. Andreas Schuler, Chief Risk Officer von der Vattenfall GmbH. Eine seiner Devisen lautet: „In der Kürze liegt die Würze, auch bei den Risikomanagementberichten“. Denn die Zeit und die Ressourcen im Organisationsumfeld seien begrenzt. Schuler erklärte es mit Effizienz-Fragestellungen: Wie kann ich mit begrenzten Ressourcen das optimale Ergebnis erzielen? Leider geht es nach dem Risikomanagementexperten Schuler täglich darum, sich das Unvorstellbare im Risikomanagement vorzustellen. Und darauf muss der schwedische Energiekonzern Antworten finden. Dies sei beispielsweise auch eine Frage der Kultur, denn in Schweden herrsche eine offene Kultur des Miteinanders und der „offenen Türen“. Dadurch ließen sich Dinge direkt ansprechen und vielfach im Vier-Augen-Gespräch schneller klären.

Apropos Reden. „Wir sollten reden“, forderte Isabella Mader, Vorstand Excellence Institute, in ihrem Vortrag auf. Der stand unter dem Titel: Der Mensch oder die Maschine als Risiko? Eine Frage, die in unseren Tagen nicht so einfach zu beantworten scheint. Beispielsweise offenbart die Möglichkeit, 3D-Baupläne für Waffen im Internet herunterzuladen, das Dilemma. Kontrollen und Exportverbote greifen nicht, wenn das Internet den Anwendern alles digital bereitstellt, um Waffen am Ende selbst zu produzieren. Dr. Volker Ressler von der Robert Bosch GmbH sieht das eigene Unternehmen als wachsend im Bereich des Internet of Things (IoT) sowie gekennzeichnet durch Industrie 4.0, der zunehmenden Digitalisierung und einer neuen globalen Gegenwart. Sicherheit sei für Ressler ein weites Thema – von Cybercrime über Spionage und Fraud bis zum Terror. Um sich den potenziellen Risiken in einer modernen Welt zu stellen, folgt Bosch im Risikomanagement einem „Three Lines of Defense Model“.

Sherpas, Compliance und Karneval

Knud Otto vor dem gentschen Felde von der Telekom lenkte in seinem Vortrag den Blick auf ein neues Risikomanagement in Zeiten des digitalen Wandels. Der Risk Management Experte beschrieb drei fokussierte Risikomanagementbereiche im eigenen Unternehmen. Hierzu zählen ein frühes und aktives Engagement, ein professioneller und gleichzeitig pragmatischer Ansatz sowie eine nachhaltige Entwicklung. Mit Blick auf das eigene Deeskalations-Management hob der Risikomanager die lokalen Stärken innerhalb des Unternehmens hervor und meint, dass das Projektmanagement sich mit dem Bergsteigen vergleichen lässt. Ähnlich erfahrenen Sherpas bei Bergexpeditionen, liegt der Mehrwert bei Mitarbeitern, die über lokale Erfahrung verfügen. Als Beispiel nannte er die Erfolgsrate bei der Besteigung des Mount Everest. Diese liege mit einem erfahrenen Sherpa bei 63 Prozent, während ohne Guide nur 33 Prozent den höchsten Berg der Erde erfolgreich besteigen würden. Demensprechend sei lokale Erfahrung ein Schlüsselfaktor. Im Rahmen seiner Ausführungen ging der Telekom-Manager auch auf das Risikomanagement im Zusammenhang mit Artificial Intelligence (AI) ein. Neben der Tatsache, dass moderne Risikomanagemententwicklungen auf Big-Data-Analysen basieren, wird sich AI im Risikomanagement weiterentwickeln und hält gleichzeitig ein großes Potenzial bereit. Und dieses erstrecke sich von der Betrugserkennung bis zu Risikokontrollen.

Den internationalen Bogen im Compliance-Umfeld spannte Max Burger-Scheidlin von der ICC Austria. Mit seiner zentralen These, nachdem Compliance- und Korruptionssysteme bei der Umsetzung in schwierigen Ländern oft mit Lücken versehen seien, nannte der Compliance-Experte eine der großen Herausforderungen im Umgang mit Korruption. So seien Anti-Korruptionssysteme meist unvollständig. Dies liege nach den Worten von Burger-Scheidlin unter anderem daran, dass unter anderem Zielvorgaben auch in Problemländern einfach übernommen würden. Allerdings brauche nach seinen Worten ein Prozess in vielen Ländern mehr Zeit als hierzulande. Zudem finden keine Schulungen zu Verhandlungstechniken mit korrupten Einkäufern statt. Letztendlich sei auch die Logik hinter vielen Compliance-Systemen nicht nachvollziehbar. Denn die Androhung harter Strafen bei Vergehen laufe in Ländern ins Leere, wo man täglich Richter, Polizisten oder Staatsanwälte besteche.

Als positive Alternativen zur Korruption nannte Burger-Scheidlin vier Faktoren auf Unternehmensebene: ein adäquates Gehalt, längerfristige Jobperspektiven, die Einbindung der Mitarbeiter in die langfristige Gesamtverantwortung sowie die ethisch-soziale Einbindung und Zielsetzung innerhalb der Gesamtorganisation. Darüber hinaus lassen sich Mitarbeiter mithilfe von Kranken- und Rentenabsicherungen stärker in das Gesamtgefüge der Organisation einbinden, was zu mehr Loyalität gegenüber dem Unternehmen führen kann und gleichzeitig hilft weniger korrupt zu agieren. „Erhöhen sie ihre Profite, reduzieren sie ihr Risiko“, so Burger-Scheidlin und meint durch Nicht-Korruption und Streitvermeidung. Letztendlich ginge es auch darum, nicht nur ein gutes Reporting zu erstellen, sondern die Nachhaltigkeit im eigenen Geschäftstun im Vorfeld mit einzubeziehen.

Nachhaltigkeit im Sinne des eigenen Tuns vermittelte auch Alexander Dieper, Festkomitee Kölner Karneval, in seinem Vortrag zum „Risikomanagement im Kölner Rosenmontagszug“. Im Grunde eine jährliche Mammutaufgabe für Dieper und sein Team. Denn trotz allen Spaßes muss der Kölner Karneval nach einem der eigens aufgestellten „Leitsätze“ finanziell auf sicheren Beinen stehen. Und das bei einer logistischen Herausforderung mit rund 12.000 Teilnehmern, 500 Pferden und 200 Fahrzeugen, die den Rosenmontagszug 2018 begleiteten. „Um finanzielle Risiken soweit es geht zu minimieren, haben wir bereits vor Jahren eine gemeinnützige GmbH gegründet. Dies geschah auch vor dem Hintergrund der Absage des Rosenmontagszugs aufgrund des Golfkriegs im Jahr 1991. Damals sprang ein großer Sponsor ein und übernahm die Kosten. Um das zukünftig zu verhindern, gründeten wir damals die GmbH“, erklärt Dieper die Professionalität hinter dem Rosenmontagszug. Und er ergänzt: „Zudem fängt im Fall der Fälle eine Ausfallversicherung die Kosten ab. Das ist wichtig, denn die Gesamtkosten des Rosenmontagszugs sind hoch und erreichen mittlerweile eine 7-stellige Eurosumme.“ Und doch sind Risiken nicht komplett zu vermeiden. Dieper ging in seinen Ausführungen auf das Unglück mit einer Pferdekutsche beim Rosenmontag 2018 ein. Neben der Sperrung des Zugweges durch die Behörden stand der Zug 40 Minuten. Letztendlich braucht es hier Alternativen, wie im konkreten Fall eine Ausweichroute. Das minimiert die Risiken und hilft, die Chancen zu wahren. Und damit wären wir wieder beim Einstieg der Nachlese. Denn auch die Verantwortlichen der Bahn mussten durch den Brand auf der ICE-Strecke reagieren und stellten eine Alternativroute bereit.

Alternativlos ist hingegen der Risk Management Congress. Oder wie es Ralf Kimpel, Vorstandsvorsitzender der RMA, formulierte: „Die RMA ist das Netzwerk der Risikomanager.“ Und davon können sich alle Interessierten im Herbst 2019 überzeugen, wenn es wieder heißt: „Willkommen zum Risk Management Congress.“ Dann in der bereits 14. Auflage.

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