Fachartikel aus PROTECTOR Special Videoüberwachung 2018, S. 46 bis 47

Digitalisierung The Need for Speed

Im digitalen Zeitalter ist Geschwindigkeit so wichtig wie nie zuvor. Die Kunden erwarten eine sofortige Antwort auf eine Anfrage. Führungskräfte erwarten die Verfügbarkeit von Umsatzzahlen in Echtzeit auf ihren Tablets. Der Standortleiter einer Ölraffinerie muss eine sofortige Warnmeldung erhalten, wenn ein Ventil defekt ist. Die schnellere Informationsbereitstellung hat auch Auswirkungen auf Innovationen in der Videoüberwachungstechnik.

Bild: Honeywell
Der Kunde will eine immer schnellere Informationsbereitstellung zur besseren Entscheidungsfindung haben – das betrifft auch die Videoüberwachung. (Bild: Honeywell)

Das „Verlangen nach Geschwindigkeit“ wirkt sich auch auf den Bereich der physischen Sicherheit aus. Kunden erwarten zunehmend, dass ihre Sicherheitssysteme Bedrohungen erkennen und reagieren, bevor sich diese in echte Vorfälle verwandeln. Sie erwarten, sofort informiert zu werden, ob es sich bei dem Brand- oder Einbruchalarm um einen echten Alarm oder lediglich einen Fehlalarm handelt, um zeitnah entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können. Durch diese verstärkte Nachfrage der Kunden nach schnellerer Informationsbereitstellung zur besseren Entscheidungsfindung haben sich die Innovationen im Bereich der Videoüberwachungstechnik in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt.

Videoanalyse

Die moderne Videoanalyse versetzt Standortleiter und Sicherheitskräfte in die Lage, rasch auf Bedrohungen in Gebäuden oder innerhalb eines Umkreises zu reagieren, oftmals sogar noch, bevor sie überhaupt entstehen. Beispielsweise können mit bestimmten Technologien Personen erkannt werden, die sich in verdächtiger Art und Weise auf einem Gelände bewegen. Das System sendet eine Warnmeldung an die Sicherheitskräfte oder eine zentrale Leitstelle und kann sogar eine präventive Durchsage als Warnung an den potenziellen Kriminellen veranlassen. Die neuesten Lösungen auf dem Markt sind so ausgereift, dass sie bei korrekter Installation sogar zwischen grasenden Schafen in der Nähe eines Zauns am Flughafen und einem sich kriechend nähernden, potenziellen Eindringling unterscheiden können. Sie sind außerdem dafür konzipiert, Kräften von außen standzuhalten, die sich negativ auf die Systemleistung auswirken könnten, wie beispielsweise raue Wetterbedingungen oder Beschädigungen durch Wildtiere. Einige der neuesten Entwicklungen ermöglichen auch das „Geofencing“, das heißt die Überwachung eines vordefinierten Gebiets, wobei das System so eingestellt werden kann, dass der Alarm nur dann ausgelöst wird, wenn eine Person in einen bestimmten Bereich des Bildes eindringt. In stark frequentierten Bereichen, wie zum Beispiel einem Parkhaus oder einem Einkaufszentrum, helfen solche Innovationen, spezielle zu überwachende Bereiche zu sichern und gleichzeitig Fehlalarme zu minimieren.

Videoverifikation

Fehlalarme kosten Unternehmen Geld, verursachen Ärger und schädigen den Ruf, wenn sich nicht schnell und entschlossen darum gekümmert wird. Aus diesem Grund ist die Einbindung der Technologie zur Videoverifikation, die durch eine Sichtprüfung das Vorhandensein einer Bedrohung bestätigen kann, eine der interessantesten Entwicklungen im Bereich der physischen Sicherheit von heute. Angenommen, eine zentrale Leitstelle, die ein großes Industriegelände überwacht, erkennt, dass in einer der Wartungshallen ein Alarm ausgelöst wurde. Heutzutage entscheidet sich das verantwortliche Personal oftmals standardmäßig dafür, den Standortleiter anzurufen, gefolgt von einer zeitraubenden Standortbegehung. Ebenfalls oft praktiziert: ein Anruf bei der regionalen Polizeiwache mit Bitte um Aufklärung. Die Videoverifikation ermöglicht eine sofortige Erkennung, ob und inwiefern ein versuchtes Eindringen vorliegt sowie eine sofortige Reaktion. Auf diese Art kann auch so manch unnötiges automatisches Ausrücken von an das Alarmsystem gekoppelten privaten Sicherheitsfirmen im Falle eines Fehlalarms unterbunden werden, da das in den meisten Fällen mit hohen Kosten verbunden ist.

Erweiterte Erkennung

Ein weiterer Bereich, in dem die Videoverifikation die Entscheidungsfindung beschleunigt, ist die entscheidende Früherkennung von Feuer und anderen toxischen Emissionen. Moderne Ansaugrauchmelder sind bis zu 15-mal empfindlicher als Standard-Rauchmelder, die an die Decke montiert werden. Die Ergänzung solcher Produkte durch die Videoverifikation ist zwingend für Installateure und Endkunden. Ausgelöst von dem Rauchmelder können neue Technologien Bilder von strategisch positionierten Kameras analysieren, um das Vorhandensein von Rauch mithilfe von Videotechnik zu bestätigen. Diese Bilder werden dann an eine zentrale Leitstelle zur Auswertung und entsprechenden Ergreifung von Maßnahmen übermittelt und dienen Ersthelfern als relevante Informatio nen, um deren Entscheidungsfindung zu beschleunigen und zu verbessern.

Integration

Die nahtlose Integration unterschiedlicher Technologien für Schutz, Sicherheit und Gebäudemanagement in ein einheitliches System bietet Unternehmen eine weitere Möglichkeit, sowohl die menschliche als auch die automatisierte Entscheidungsfindung zu beschleunigen. Ein einfaches Beispiel sind Video-Management-Systeme, mit denen ein Benutzer mehrere Video-Subsysteme in einer Einrichtung steuern kann, um Videoaufnahmen klar und präzise zu erfassen, zu verwalten und zu präsentieren. Dies versetzt Sicherheitskräfte bei großflächigen Arealen in die Lage, gleichzeitig mehrere Videoeingänge zu sichten, Risiken in Echtzeit abzuwägen und schnell auf Gefahren zu reagieren. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz der integrierten Sicherheits-Suite „Pro-Watch“ von Honeywell am Universitätsklinikum Nantes in Frankreich, die Systeme zur Videoüberwachung, Zugangskontrolle und Einbruchserkennung umfasst, um die Sicherheit der Mitarbeiter, Besucher und Patienten zu verbessern. Es wird nur ein einziges Überwachungszentrum benötigt, um Warnmeldungen und Videoaufzeichnungen durch das Sicherheitspersonal zu überwachen, während die Zufahrtskontrolle für Rettungswagen und Versorgungsfahrzeuge über ein weiteres Kameraset erfolgt. Dank dieses Systems für das Gebäudemanagement können die 12.000 Angestellten des Klinikums sowie rund 5.000 Besucher die Gebäude, Parkplätze und Restaurants des Klinikums mit einer einzigartigen Zugangskarte betreten.

Benutzeroberfläche

Mehr auf Sicherheit.info

In allen Branchen hat sich viel in Richtung des „Apple-Effekts“ getan, wodurch sich die Qualität der Benutzeroberfläche und Benutzerfreundlichkeit stark verbessert haben. Der größte Vorteil einer hochwertigen Benutzeroberfläche ist jedoch nicht die Ästhetik, sondern die Funktionalität. Einfache, übersichtliche Benutzeroberflächen können die Installation, die Einführung, den Betrieb und die Wartung eines Systems erheblich beschleunigen sowie manuelle Fehler reduzieren. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Digitalisierung Geschäftsabläufe erheblich beschleunigt hat. Alle, die in diese Geschäftsprozesse involviert sind – Kunden, Mitarbeiter, Verantwortliche – legen ganz neue Maßstäbe an. Die Videoüberwachungstechnik – Analyse, Verifikation, Integration, Benutzeroberfläche – berücksichtigt dies entsprechend und entwickelt sich rasant. Die Unternehmen sollten diese Technik allerdings auch konsequent einführen, um mit dem schnelllebigen, neuen Geschäftsumfeld Schritt zu halten.

Mick Goodfellow, Hauptgeschäftsführer Commercial Security EMEA - Security and Fire, Honeywell Commercial Security

Kontakt- und Firmen-Infos im Branchenverzeichnis