Waldbrände und andere Naturgefahren treten bedingt durch den Klimawandel immer häufiger auf. Sie stellen auch ein Problem für Kritische Infrastrukturen da.
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Wirtschaftsschutz

Kritische Infrastruktur vor Naturgefahren schützen

Wenn Naturgefahren wie Starkregen, Dürre, Waldbrände oder Sturmfluten auf Kritische Infrastrukturen treffen, entfaltet sich großes Katastrophenpotenzial.

Naturgefahren und Extremwetterlagen nehmen durch dem Klimawandel bedingt zu, was vor allem für Kritische Infrastrukturen großes Katastrophenpotenzial birgt. So auch in Kalifornien in der Waldbrandsaison 2019: Dramatische Szenen spielen sich ab. Ein Youtube-Video zeigt eine Mutter, die mit ihren beiden Kindern zusammen versucht, das Nötigste zu retten und in ein Auto zu schaffen. Im Hintergrund wütet die Feuersbrunst. Ein Nachbar eilt herbei, um die Mutter zu warnen. Nur ein paar Minuten mehr und die Familie wäre verloren. Das Video endet, ohne die Antwort auf die drängendste Frage: Kann die Familie entkommen? Nicht allen gelingt die Flucht. Etliche Menschen sterben.

Deutlich mehr Naturkatastrophen sind durch den Klimawandel bedingt

Immer häufiger treten Waldbrände und andere Naturkatastrophen, wie etwa Starkregen, auch in gemäßigten Zonen auf. Schuld daran ist der vom Menschen beeinflusste Klimawandel, der zu steigenden Temperaturen, Trockenheit und vermehrten Stürmen führt. Aber auch die zunehmende und immer stärkere Besiedlung ist schuld daran, dass die Auswirkungen von Naturgefahren immer deutlicher zu spüren sind. Wie etwa in Brandenburg, wo in den Hitzesommern 2018 und 2019 zahlreiche größere und kleinere Waldbrände dazu führten, dass Siedlungen evakuiert werden mussten. Die Szenen in Kalifornien hätten sich so ähnlich auch im Landkreis Potsdam-Mittelmark abspielen können.

Naturgefahren wie Sturmfluten, Starkregenfälle, Dürrephasen und Waldbrände werden im Zuge des Klimawandels in Zukunft häufiger auftreten. Treffen Naturereignisse auf vom Menschen errichtete Infrastrukturen, wie zentrale Stellen der Gesundheitsversorgung, Wasser- und Abwasserversorgung, Energieversorgungsnetzwerke oder Verkehrsknotenpunkte, entfaltet sich ein großes Katastrophenpotenzial.

Naturgefahren gekoppelt an vom Menschen beeinflusste Prozesse

In der Regel sind Naturgefahren gekoppelt an vom Menschen beeinflusste Prozesse oder sie werden vom Menschen ausgelöst. Dies hat seinen Ursprung einerseits in der Ausbreitung menschlicher Siedlungsgebiete zusammen mit einer immer dichteren Besiedelung bis in Katastrophenregionen hinein. Andererseits liegt dies auch an den für Naturgewalten anfälligen Kritischen Infrastrukturen, die für moderne Gesellschaften essenziell sind. Telekommunikation, Mobilitätsnetzwerke und Gesundheitsversorgung sind äußert anfällig für Störungen durch Naturgefahren.

Schwierige Risikoanalyse für Kritische Infrastrukturen

Manchmal werden Naturgefahren durch menschliche Eingriffe beeinflusst oder erst ausgelöst wie beispielsweise durch den Klimawandel. Natürliche und nicht-natürliche Risiken spielen dabei zusammen und ergeben ein äußerst komplexes Interaktionsfeld, was die Risikoanalyse vor große Herausforderungen stellt. Das Konzept der systemischen Risiken setzt an der Schnittstelle zwischen Natur, Technologie und Gesellschaft an und untersucht, welche Risiken, aber auch Chancen mit Innovationen in diesem Bereich verbunden sind.

Doch was ist ein systemisches Risiko? Dieser Risikotyp unterscheidet sich durch fünf Eigenschaften von konventionellen Risiken: eine hohe Komplexität, eine grenzüberschreitende Natur, eine nicht-lineare Entwicklung mit Kipppunkten, eine möglicherweise lange Stabilität bis zu einem Wendepunkt mit raschem Zusammenbruch des Gesamtsystems und häufig eine mangelnde Regulierung des Risikos zusammen mit einer Unterschätzung des Katastrophenpotenzials. All diese Eigenschaften passen zu Naturgefahren, die auf vom Menschen errichtete Infrastrukturen treffen und mit diesen in Wechselwirkung treten.

Die umfassende Risikoanalyse systemischer Risiken sollte die folgenden Schritte umfassen:

  • Zunächst wird das Risikoproblem formuliert, indem Ausmaß und jeweiliger Kontext der Naturgefahr einbezogen werden.
  • Im nächsten Schritt müssen Risikobewertung und Bedenkenabschätzung einfließen. Vor allem Letzteres ist weniger aufgrund fehlender wissenschaftlicher Expertise als wegen der Komplexität der Daten eine große Herausforderung. Die Bewertung der Gefahr sollte sich daher vor allem auf die Nebenwirkungen und Interdependenzen fokussieren.
  • Es folgt die Wissenscharakterisierung und -bewertung.
  • Ein weiterer Faktor ist der zeitliche Aspekt; das Management von Naturgefahren in einem angemessenen Zeitrahmen ist entscheidend. Zugleich sollten an dieser Stelle Stakeholder einbezogen werden, um auch lokales und indigenes Wissen einzubeziehen.
  • Die zuvor zusammengetragenen Ergebnisse fließen in die Ausarbeitung der Risikomanagementstrategie etwa mittels Multikriterienanalyse ein. Vor allem die Schwachstellen in Bezug auf die bebaute Umgebung gilt es nun auszuloten.
  • Risikokommunikation: Von der Formulierung des Risikos über die kontinuierliche Kommunikation von Wissenschaft mit Politik bis zur angemessenen Kommunikation in die Bevölkerung hinein, um sie ausreichend über die Risiken zu informieren und alle Sichtweisen ausreichend zu berücksichtigen. Zugleich erfüllt die Kommunikation die Aufgabe der kontinuierlichen Feedback-Schleifen zwischen allen Phasen.

Empfehlungen für politische Entscheidungsträger in Kommunen und Verwaltungen

Die Voraussetzungen für diese umfassende Analyse sollten noch verbessert werden. Einige Empfehlungen für politische Entscheidungsträger in Kommunen und Verwaltungen seien hiermit ausgesprochen.

  • Erstens sollte eine allgemeine Metadatenbank entwickelt werden, die regional, national und international bereits bestehende Datenbanken miteinander vernetzt. Damit wäre eine internationale Harmonisierung der verschiedenen Datenbanken realisierbar, um einen einheitlichen gemeinsamen Dienst für Behörden und Einwohner anbieten zu können. Ziel sollte eine Vereinheitlichung der Warnungen sein, damit diese Regionen übergreifend von allen verstanden werden können.
  • Zweitens sollte vermehrt interdisziplinäre Kompetenz, etwa in Form einer integrierten Expertenausbildung für Katastrophenschutz und Krisenprävention sowie eines effizienten Netzwerks von Experten für Naturgefahren, mit Fokus auf systemische Risiken aufgebaut werden. Insbesondere sollten länderübergreifende Kompetenzteams gebildet und die dafür benötigten Ressourcen bereitgestellt werden.
  • Drittens sollte ein unabhängiges Institut für systemische Risikobewertung und Governance ins Leben gerufen werden, das darauf abzielt, natürliche, technologische und soziale Risiken frühzeitig zu erkennen und die gewonnen Erkenntnisse in diskursive demokratische Verfahren einzuspeisen.

Dr. Pia-Johanna Schweizer

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