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Die Quadratur des Kraiss

Nicht konkret

Das vergangene Jahr war geprägt von außergewöhnlichen Ereignissen. Dazu gehören sicher der Triumph der deutschen Fußballmannschaft und die positive Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Der 25. Jahrestag des Mauerfalls erinnerte uns an das Wunder einer unblutigen Wiedervereinigung.

Es lässt sich nicht konkret sagen, aber schon eine kleine unbedachte Handlung hätte genügt, und die jüngste Geschichte Deutschlands, vielleicht der ganzen Welt, hätte einen ganz anderen Verlauf genommen. Zahlreiche weitere Ereignisse haben uns vor Augen geführt, dass wir nicht auf einer Insel der Glückseligkeit leben. Der Krieg in der Ukraine, die neue Politik des Kreml, die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten und in Zentralafrika, Ebola, die menschenrechtsverletzenden Folterungen der US-Dienste, die Abhörskandale und die Gräueltaten der IS, gepaart mit dem internationalen Terror sind Zeugnis dafür.

Zum Greifen nah

Die Terrorgefahr in Deutschland ist zwar nicht konkret, aber doch zum Greifen nah. Dass noch nichts passierte, war großes Glück und das Ergebnis guter Polizeiarbeit. Die jüngsten Ereignisse in Frankreich haben gezeigt, dass die Bedrohung zwar aus kleinen Terrorzellen erwächst, aber erheblichen Schaden an Leib und Leben verursachen kann. Ich erinnere an den ehemaligen BKA-Präsidenten Jörg Ziercke, der in einem seiner letzten Interviews sagte: „Es kann nicht sein, dass immer erst etwas passieren muss.“

Nach den Anschlägen zeigten Polizeirazzien in Frankreich, Belgien und Deutschland und eine Sicherheitskonferenz der zuständigen EU-Minister hektische Betriebsamkeit, brachten aber keine wirklich konkreten Ergebnisse hervor. Die große Koalition in Berlin zeigt demonstrativ Handlungsfähigkeit und will neue Gesetze auf den Weg bringen. Terrorfinanzierungen oder Reisen von Islamisten sollen unter Strafe gestellt werden. Wohlwissend, dass sich durch drohende Strafen hochgradig idealisiertes und fehlgeleitetes Gedankengut der Terroristen nicht beeinflussen lässt, weisen Politiker, Experten und Polizeiführungskräfte auch immer wieder deutlich darauf hin, dass zwar keine konkreten Erkenntnisse bezüglich geplanter Anschläge vorliegen, aber diese grundsätzlich nicht auszuschließen sind.

Man ist sich auch darin einig, dass deutlich mehr Prävention betrieben werden muss und dafür mehr Personal benötigt wird. Erfolgversprechende Konzepte und damit verbundene Ansätze für eine ausreichende Mittelbereitstellung durch Bund und Länder sind allerdings nicht konkret sichtbar.

Bemerkenswert

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass für die deutsche Wirtschaft – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – offenbar keine konkrete terroristische Bedrohung zu erkennen ist. Alle erfolgten und geplanten Anschläge betrafen sogenannte „weiche Ziele“ und waren darauf ausgelegt, möglichst großen Schaden an unschuldigen Menschen anzurichten. Allerdings sind für die deutsche Wirtschaft viele andere Bedrohungen und Gefahren durchaus konkret und latent vorhanden. Sabotage an der IT- oder Gebäudetechnik, Informationsdiebstahl, Cyberangriffe, Einbruch, Diebstahl, unbefugter Zutritt, Brandstiftung, Versagen oder Unterbrechung der technischen Infrastruktur und falsches oder leichtfertiges Handeln sind nur ein kleiner Teil möglicher Gefahren.

Auf den Vorstandsetagen der Unternehmen ist „nachhaltiges Handeln“ ein beliebtes Schlagwort. Gefahren erkennen und angemessen präventiv handeln ist ein Teil nachhaltigen Handelns. Worthülsen zu produzieren und zu manifestieren ist geliebte Praxis sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Eine Corporate Security zu formulieren ist leicht, sie in erfolgversprechende Maßnahmen umzusetzen und die dafür erforderlichen Mittel bereitzustellen, ist deutlich schwerer.

Handeln ist angesagt

Egal ob Terror, Kriminalität, leichtfertiges Handeln, menschliches Versagen, technisches Versagen – die Bedrohungen und Gefahren sind vielschichtig und in unterschiedlicher Ausprägung latent und konkret vorhanden. Bedenklich ist, dass aus Kostengründen viele dieser Gefahren von den Verantwortlichen verdrängt, bagatellisiert oder ausgegrenzt werden. Um dem zu begegnen, soll so mancher Politiker bereits darüber nachdenken, zur Finanzierung der Antiterrormaßnahmen einen sogenannten „Terrorsolidaritätszuschlag“ einzuführen. Spaß beiseite, mir gefällt der Gedanke, dass sich Schlagworte wie „präventives Handeln“, „nachhaltiges Handeln“, „verantwortliches Handeln“ und „fürsorgliches Handeln“ in den Köpfen der Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft festsetzen, und danach verantwortungsbewusst gehandelt wird.

Volker Kraiss, Senior Security Consultant, Kraiss & Wilke – Security Consult

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Herausforderung Flüchtlingszustrom

Limit überschritten?

Die Gewerkschaft der Polizei und der Bund Deutscher Kriminalbeamter schlagen Alarm. Aufgrund der zusätzlichen flüchtlingsbedingten Herausforderungen befinde sich die Polizei in einem Ausnahmezustand. Wichtige polizeiliche Aufgabenstellungen könnten zum Teil mit Hinweis auf „die anderweitige Bindung des Personals“ nicht zeitgerecht abgearbeitet werden können, wie auch aus der Wirtschaft zu hören sei.

Foto: Kraiss Security Consult

Die Quadratur des Kraiss

Wohlfühlraum – vorbereitet auf den Krisenfall?

Erhöhte Sicherheit an Schulen soll nicht dazu führen, dass Schulen zu Festungen ausgebaut werden. Die Handlungsmaxime soll lauten: „Ein Wohlfühlraum für Kinder – vorbereitet auf den Krisenfall“. So steht es in einem Bericht der interministeriellen Arbeitsgruppe der Bayerischen Staatsregierung zu Ursachen und Gesamtzusammenhängen von Amokläufen.

BOS-Leitstellen bedeuten ganz besondere Herausforderungen an Sicherheitskonzepte.
Foto: PG Koop Leitstelle der Polizei Berlin und Berliner Feuerwehr

Leitstellen

Sicherheitskonzept für BOS-Leitstellen

Nachhaltige Sicherheit für hochverfügbare BOS-Leitstellen und Lagezentren ist eine besondere Herausforderung bei der Erstellung des Sicherheitskonzeptes.

Foto: BirgtH/Pixelio

Antworten der norddeutschen Parteien

Wahlprüfsteine Bundestagswahl 2017

Den Landesparteien wurden mit einem Anschreiben der ASW Norddeutschland acht Fragen als Wahlprüfsteine gestellt. Teilweise haben die Parteien (CDU, SPD, Grüne) auf die jeweilige Bundespartei in Berlin verwiesen.