Die globale Markteinführung von 5G kann sich empfindlich verzögern, wenn die Sicherheitsbedenken gegen Huawei nicht ausgeräumt werden.
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IT-Sicherheit

Sicherheitsbedenken gegen 5G-Technologieführer Huawei

5G wird in der Video- und Perimetersicherheit sehnsüchtig erwartet. Doch der Technologieführer Huawei ist mit massiven Sicherheitsbedenken konfrontiert.

Die Mobilfunktechnologie 5G wird auch in Deutschland in vielen Branchen sehnsüchtig erwartet, doch der Ausbau stockt, weil sich Sicherheitsbedenken gegen den Technologieführer Huawei mehren. Zu Beginn einer Innovationswelle lieferfähig zu sein und als Technologieführer zu gelten, das ist der Wunsch vieler Unternehmen. Doch für Mitarbeiter und Kunden von Huawei ist dies momentan eher ein Alptraum. Als fix geltende Zeitpläne wurden durcheinander gewirbelt, und eine beispiellose Verunsicherung hat die IT-Industrie erfasst.

Sicherheitsbedenken gegen Huawei verunsichern Kunden

Denn Huawei sieht sich mit massiven Vorwürfen konfrontiert. In den USA und Australien sind seine Produkte mit einem staatlichen Bann belegt worden, und auch in Deutschland wird ein Lieferverbot diskutiert. Aber nicht nur die möglichen Kunden sind eingeschüchtert, sondern auch die Zulieferer. Sie laufen Gefahr, in den USA sanktioniert zu werden. Der auf Laserbearbeitung spezialisierte deutsche Maschinenbauer LPKF hat daher seine Geschäftsbeziehungen zu Huawei notgedrungen eingefroren.

Weit schmerzhafter dürfte für Huawei das Ausbleiben dringend benötigter Halbleiter sein. Qualcomm, Xilinx, Intel und Broadcomm wiesen ihre Angestellten an, Huawei nichts mehr zu liefern. Damit könnte sich die 5G-Technik empfindlich verzögern, vorausgesetzt, es gibt keine Einigung, wonach es aktuell aussieht. Denn seit geraumer Zeit gibt es zwischen dem chinesischen Unternehmen und der US-Regierung erhebliche Spannungen. Im Mai eskalierte die Situation, als US-Präsident Donald Trump im Bereich Telekommunikation den nationalen Notstand ausrief, und sich damit weitreichende Vollmachten sicherte.

Labor zum Austausch zwischen Experten von Huawei und BSI

In Deutschland stellte BSI-Präsident Arne Schönbohm während einer Pressekonferenz am Rande des alle zwei Jahre stattfindenden Kongresses des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn Bad-Godesberg das Bonner Security Lab (BSL) vor. Das vor circa einem Jahr eingerichtete Labor dient dem Austausch zwischen Experten von Huawei und dem BSI.

Die bisher notwendigen Flüge der deutschen Spezialisten nach China entfallen somit weitgehend, stellte Arne Schönbohm augenzwinkernd fest. Er selbst war kurz zuvor in China und äußerte sich positiv über den Aufklärungswillen der Firma Hua-wei. Journalisten sind in den streng abgeschirmten Hallen des Bonner Labs nicht zugelassen, doch die Firma erläutert auf Anfrage die Arbeitsabläufe. Die Behördenvertreter können demnach den Source-Code des Telekommunikationsausrüsters einsehen und offene Fragen besprechen. Über den Stand der gemeinsamen Arbeiten wurde bislang nichts bekannt – wieviel Code durchforstet wurde, ist daher offen.

Keine Beweise für Spionage oder Sabotage durch den Technologieführer

Generell gelten das BSI und das Bundeskanzleramt als „Huawei-freundlich“, während sich der Bundesnachrichtendienst BND und sein Chef Bruno Kahl mehrfach warnend an die Öffentlichkeit wandten. Huawei sieht es fast schon fatalistisch, verspricht aber weitere Kooperation, denn man habe nichts zu verbergen. „Wir werden auch weiter die Extrameile gehen“, so Huawei-Pressesprecher Patrick Berger. Kein anderes Unternehmen stehe so unter Beobachtung und kooperiere weltweit so eng mit den Regierungen wichtiger Zielmärkte.

Die Angriffe ebben allerdings nicht ab. Vergangenes Jahr berichtete der Wirtschaftsinformationsdienst Bloomberg mehrfach über chinesische Spionagechips. Diese wurden sogar fotografiert und großformatig präsentiert. Über Funktion und Wirkung wurde aber nichts bekannt, und trotz intensiver Analyse von Geräten und Software wurde bis heute absolut nichts gefunden, was man als Beweise für Wirtschaftsspionage oder Sabotage hätte präsentieren können.

USA üben massiven Druck aus, um Zusammenarbeit mit Huawei zu unterbinden

Seit Mai dürfen US-Unternehmen trotzdem keine Geschäftsbeziehungen zu Huawei mehr unterhalten. Es drohen empfindliche Strafen bis hin zu persönlichen Anklagen. Über Ausnahmen befindet nur die US-Regierung. Zähneknirschend gab zunächst Google die Zusammenarbeit auf. Damit sind Android-Updates mehr als fraglich. Gmail, Google Maps und Google Play Store fallen auch unter den Boykott. Die USA üben massiven Druck auf ihre Verbündeten aus, die Produkte der Firma nicht zu erwerben. Australien und Neuseeland haben sich dem gebeugt. Großbritannien und Deutschland noch nicht.

So will die Deutsche Telekom Huawei-Technik kaufen, und Infineon (früher Siemens) liefert weiter Microcontroller und Schaltkreise für die Stromversorgung, denn diese würden nicht in den USA gefertigt, so das Unternehmen. Huawei arbeitet weiter eng mit der britischen Chipschmiede Arm zusammen. Soweit kein Problem. Doch Arm hat ein Tochterunternehmen in den USA. Was hier ersonnen wurde, darf nun nicht mehr an Huawei geliefert werden. Nun gilt es, alles ganz präzise auseinanderzuhalten, um nicht als Angeklagter vor einem US-Gericht zu landen. Das könnte auch Infineon passieren. Die Firma ist stolz auf die großen Mengen ihrer „Trusted Platform Module“ (TPM), die sie an Huawei liefert. Sie ist aber auch stolz auf die vielen Verträge mit US-Firmen wie Verisign, die Technologie zugeliefert haben. Das könnte nun zum Problem werden.

Huawei strebt Unabhängigkeit von amerikanischer Technologie an

Huawei will sich auf seine Weise wehren und zwar durch noch mehr eigene Kompetenz. Mit „HarmonyOS“ stellte die Firma ein eigenes Betriebssystem vor, das Android ersetzen wird. Bei den Chips wird das etwas länger dauern. „Der Handel steht vor beispiellosen Herausforderungen“, kommentierte Chinas Handelsminister Zhong Shan den anhaltenden Zollstreit.

So oder so wird die Welt anschließend eine andere sein. Firmen und Manager werden sich von nun an sehr genau überlegen, wo sie arbeiten und programmieren lassen und wen sie anschließend beliefern dürfen. Die globale Markteinführung von 5G kann sich empfindlich verzögern, weil niemand die flinken Chinesen so schnell ersetzen kann. Sollte China die technologischen Lücken aus eigener Kraft schließen können, hat die Welt anschließend eine neue IT-Supermacht.

Mitarbeiter von Huawei haben die Herausforderung angenommen

Die Huawei-Mitarbeiter, fast alle auch Aktionäre ihres Unternehmens, haben die Herausforderung angenommen. Sie arbeiten seit dem Boykott fast rund um die Uhr, auch in Deutschland. Freiwillige Arbeitsschichten bis Mitternacht sind keine Seltenheit. So wollen sie so schnell wie möglich unabhängig von amerikanischer Technik werden.

Huawei-Gründer Ren Zhengfe hatte es in einem Brief an seine Mitarbeiter angekündigt: Er beabsichtige eine „eiserne Armee“ aufzubauen, um die Kriegserklärung durch die Vereinigten Staaten von Amerika zu beantworten. Das Konsumgeschäft stehe trotzdem vor einem „schmerzhaften langen Marsch“. In drei bis fünf Jahren soll der Umbau abgeschlossen sein.

Bernd Schöne