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Die Bausünden vergangener Tage – die Stadt der Zukunft hat Herausforderungen wie Mobilität, Energieversorgung und Nachhaltigkeit  zu meistern. 
Foto: Andreas Eicher
Die Bausünden vergangener Tage – die Stadt der Zukunft hat Herausforderungen wie Mobilität, Energieversorgung und Nachhaltigkeit  zu meistern. 

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Smart-City-Konzepte für die Stadt der Zukunft

Wie können künftig immer mehr Menschen in immer größeren Städten leben? Smart-City-Konzepte sollen als Mittel der Wahl die Digitalisierung vorantreiben.  

Mit Smart-City-Konzepten sollen die Städte der Zukunft realisiert werden. Denn laut Statistischem Bundesamt werden im Jahr 2030 insgesamt 60 % der Weltbevölkerung in Städten leben, sprich nach heutigem Stand rund 5,2 Mrd. Menschen.

„Die Krankheit unserer heutigen Städte und Siedlungen ist das traurige Resultat unseres Versagens, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen.“ Was der Architekt und Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, einst erkannte, ist heute vielleicht aktueller denn je. Einer der Hauptgründe? Immer mehr Menschen leben in Städten. Tendenz: weiter steigend.  

Dass damit Fragen des zukünftigen Zusammenlebens und Arbeitens sowie der Daseinsvorsorge und der Bürgerbeteiligung anders oder neu gedacht werden müssen, das steht außer Frage. In diesem Zuge gilt es zentrale Herausforderungen zu meistern – von alternativen und verzahnten Mobilitätslösungen über eine nachhaltige Energieversorgung bis zum ressourcenschonenden Bauen im Bestand. Und das alles vor dem Hintergrund hochgesteckter Ziele eines nachhaltigen und klimaneutralen Lebens sowie Arbeitens.

Smart-City-Konzepte soll für bessere Planungsvorhaben sorgen

Keine leichte Aufgabe für Städte und Kommunen. Im Gegensatz zu den Megastädten im asiatischen und afrikanischen Maßstab, mit 10 Mio. Einwohnern und mehr, leben Städter hierzulande noch recht „komfortabel“. Und doch braucht es auch in unseren Städten Lösungen, die den wachsenden Spannungen im sozialen und wirtschaftlichen Umfeld gerecht werden. Als Mittel der Wahl wird seit Jahren auf eine stärkere Digitalisierung in Städten und Kommunen gesetzt – benannt unter dem Stichwort der Smart City, sprich der intelligenten Stadt. Die Ziele dahinter heißen unter anderem verbesserte Planungs- und Umsetzungsvorhaben, Bürger stärker in Beteiligungsprozesse einzubinden sowie Behördengänge per Knopfdruck zu digitalisieren. Das alles und noch viel mehr versprechen Smart-City-Konzepte, die sich vom Norden bis in den Süden der Republik in Strategiepapieren zu intelligenten Stadtvorhaben manifestieren.

Eine für alle: Die Datenplattformen in Hamburg und München

Um die Themen und Trends moderner Stadtentwicklungen zu bündeln sowie im Umgang mit den wachsenden digitalen Herausforderungen flexibel zu bleiben, setzen Städte auf urbane Datenplattformen. „Städte brauchen die digitale Flexibilität, um ihre städtischen Bedürfnisse an die vielfältigen, smarten Anforderungen anzupassen. Sei es die Mobilität, die Energieversorgung, aber auch die Bürgerbeteiligung“, unterstreicht Roland Franz Erben, Professor im Studiengang Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für Technik Stuttgart (HFT Stuttgart). Ein Beispiel sieht Erben in Verwaltungsprozessen, die aus seiner Sicht stärker digitalisiert werden müssen.

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Wie dies im Stadtkontext gelingen kann, zeigen Hamburg und München. In Hamburg bildet das Transparenzgesetz das Fundament zum Aufbau einer Urban-Data-Plattform (UDP). Das wurde im Juni 2012 von der Hamburger Bürgerschaft unter anderem mit dem Ziel verabschiedet, eine umfassende Informationsfreiheit und damit die Demokratie zu fördern. Kooperation und Bürgerbeteiligung sind in diesem Zuge zwei Aspekte in Richtung einer intelligent vernetzten Stadt. Wichtig sind dabei offene Schnittstellen und eine Kultur des Datenteilens. Sascha Tegtmeyer, vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung der Freien und Hansestadt (LGV) Hamburg, umschreibt es wie folgt: „Erst vernetzen sich Menschen, dann die Daten und Fachsysteme.“ Ein Vernetzungsgedanke, den Tegtmeyer anlässlich der Münchner GI-Runde Ende März formulierte. Hinter dem Konzept der UDP steht ein „System der Systeme“. Darin sind unterschiedliche Anwendungen integriert, es kommen neue Lösungen hinzu, und gleichzeitig werden verschiedene Daten vorgehalten. Hierzu zählen beispielsweise Umwelt-, Verkehrs-, Bürger- und Wirtschaftsdaten.

Auch in München spielt die urbane Datenplattform eine entscheidende Rolle. Die Verantwortlichen Münchens verstehen sie als zentrale Datendrehscheibe. Mit der Plattform können die Stadtverantwortlichen ehemalige Insellösungen zu einem gemeinsamen „Ökosystem“ der Stadt vernetzen. So versuchen die Stadtoberen Münchens mithilfe des digitalen Zwillings, die drängenden Herausforderungen des Klimaschutzes, der Mobilität und der Stadtentwicklung besser zu bewältigen. Wichtig erscheint vor allem das Szenario-Potenzial mit Analysen, Modellen und Simulationen, das mithilfe des digitalen Zwillings realisiert wird. Inhaltlich geht es bei digitalen Prozessen der Stadt München darum, Veränderungen im Vorfeld besser zu visualisieren und die Menschen der Stadt in die jeweilige Entscheidungsfindung einzubinden. Für Markus Mohl, Leiter des Kompetenzzentrums digitaler Zwilling München der Landeshauptstadt München, heißt das die „virtuelle Repräsentation der realen Stadt“. Im Rahmen der Münchner GI-Runde Ende März hob Mohl die bundesweite Vorreiterrolle der Landeshauptstadt München in puncto Digital Twin hervor.

Transformationsprozess und strategische Blindheit

Dass digitale Prozesse ihre Daseinsberechtigung haben, um Städte beispielsweise nachhaltiger und bürgernah zu formen, steht außer Frage. Allerdings sollten digitale Prozesse und Lösungen einen konkreten Nutzen für das Stadtleben haben, sonst erfüllen sie nur einen reinen Selbstzweck. Dies unterstreicht auch Wissenschaftler Erben, wonach Digitalisierung den städtischen Herausforderungen und letztendlich den Bürgern einer Stadt dienen müsse. Erben: „Es geht um Technologie und darum, den Transformationsprozess in den Städten sinnstiftend zu begleiten.“ Ein Gedanke, der in Städten nicht immer zu Ende gedacht wird. „Planer und Stadtverantwortliche unterliegen in manchen Fällen einer strategischen Blindheit. Denn es werden beispielsweise Bauprojekte geplant und umgesetzt, mit denen Probleme von gestern gelöst und Probleme für morgen geschaffen werden“, erklärt Erben.

Wie sieht die Stadt in der Zukunft aus?

Der Wissenschaftler nennt als Beispiel den Bau eines neuen Parkhauses: „Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob ein Parkhausneubau in einem Jahrzehnt noch gebraucht wird. Vor dem Hintergrund des massiven Mobilitätswandels in unseren Städten ist das vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß.“ Und Erben ergänzt: „Ganz abgesehen davon, dass es verstärkt um das Bauen im Bestand gehen muss.“ Resümierend sei das mit Blick auf Smart Cities intelligent im eigentlichen Sinne. Oder wie es Walter Gropius formuliert hätte: Menschliche Bedürfnisse über die von Wirtschaft und Industrie zu stellen.

Andreas Eicher, freier Autor

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