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Foto: Dedrone
Das Stadion der New York Mets.

Schutz vor Drohnen

Die Gefahr erkennen

Die Oxford Research Group, ein unabhängiger Think-Tank mit dem Schwerpunkt Sicherheit, hat einen alarmierenden Bericht veröffentlicht. Die wichtigste Erkenntnis: Immer leistungsfähigere, leicht verfügbare Drohnen bieten Terroristen und anderen Kriminellen ganz neue Möglichkeiten, verheerende Straftaten zu verüben. Da gilt es für Unternehmen und Behörden, über Schutzmaßnahmen nachzudenken.

Bisher ist ein größerer Anschlag mit Drohnen glücklicherweise ausgeblieben, aber über kritische Vorfälle berichten die Medien inzwischen beinahe täglich. Dabei sind auch streng gesicherte Gebäude betroffen. So stürzte im Januar 2015 eine kleine Drohne direkt auf dem Rasen vor dem Weißen Haus ab – sie war buchstäblich unter dem Radar geflogen. Wenige Monate später wurde eine Drohne mit radioaktivem Material auf dem Dach des japanischen Regierungssitzes gefunden.

Das Risiko steigt

Das Missbrauchsrisiko steigt mit jeder verkauften Drohne – und der weltweite Drohnenmarkt wächst rasant. Das Marktforschungsinstitut Juniper Research rechnet mit einer Vervierfachung der weltweit jährlich ausgelieferten Consumer-Drohnen von vier Millionen Stück im Jahr 2015 auf 16 Millionen im Jahr 2020. Handelsübliche, ein paar Hundert Euro teure Drohnen sind heute in der Lage, kilometerweit zu fliegen und mehrere Kilogramm Traglast zu transportieren.

Was sie besonders gefährlich macht, ist ihr Autopilot. Dank ihm sind Drohnen in der Lage, einprogrammierte Flugrouten automatisch via GPS abzufliegen. Kriminelle können damit eine Drohne automatisch zu einem Ziel schicken und sich währenddessen weit entfernt vom Tatort aufhalten.

Luftraumüberwachung

Wie können Sicherheitsverantwortliche nun den Luftraum über sensiblen Bereichen vor Drohnen schützen? „An erster Stelle steht die Drohnendetektion“, erklärt Dedrone- CEO Jörg Lamprecht. „Nur wenn ich weiß, dass sich eine Drohne nähert, kann ich Schutzmaßnahmen einleiten.“ Sicherheitsverantwortliche sollten ihren Luftraum daher Tag und Nacht überwachen und sicherstellen, dass eindringende Drohnen sofort bemerkt werden. Dabei geht es laut Lamprecht nicht nur um den Schutz vor terroristischen oder schmuggelnden Drohnen: „Wir haben Kontakt zu Unternehmen, die auf den Dächern ihrer Rechenzentren Drohnen mit ‚Snoopern‘ gefunden haben. Diese Spionagegeräte können sich in WLAN-Netzwerke einhacken und tagelang Daten abgreifen.“

Drohnenwarnsystem

Um zu verhindern, dass kriminelle Drohnen unentdeckt in den Luftraum über sensiblen Gebieten eindringen, hat Dedrone ein Drohnenwarnsystem entwickelt: Der Dronetracker detektiert Drohnen mit verschiedenen Sensoren wie Video- und Infrarotkameras, Mikrofonen, Wi-Fi-Sensoren und Frequenzscannern. Nur indem man verschiedene Sensoren einsetzt, kann man alle Arten von Drohnen erkennen. Das Herz des Systems besteht aus einer intelligenten Mustererkennungssoftware, die alle Sensordaten verarbeitet und auswertet. Unterstützt wird die Erkennung durch eine Datenbank mit Drohnensignaturen, die „DroneDNA“. Sie wird nach dem Prinzip der Signaturen von Virenscannern permanent erweitert und aktualisiert.

Das Drohnenwarnsystem wird in bestehende Sicherheitssysteme integriert und informiert bei einem Drohnenalarm die Sicherheitskräfte automatisch via Software, E-Mail, SMS oder andere Kanäle. Beweisvideos von Drohnenüberflügen werden automatisch gespeichert und dienen zur Analyse der Bedrohungslage und zur Täterermittlung.

Wie auf eine detektierte Drohne reagiert wird, obliegt dem Kunden. Seit kurzem bietet Dedrone einen integrierten Störsender an, der bei einem Drohnenalarm automatisch aktiviert werden kann. Weitere Möglichkeiten reichen von passiven Maßnahmen wie Menschen in Sicherheit bringen, das Gelände nach abgeworfenen Objekten absuchen oder die Sicht versperren bis hin zu Schusswaffengebrauch oder EMP (Elektromagnetischer Puls). Über Schnittstellen zum Drohnenwarnsystem können diese Abwehrmechanismen, ebenso wie der Störsender, automatisch ausgelöst werden, sofern es die Gesetzeslage erlaubt.

Schmuggelnde Drohnen

Das Drohnenwarnsystem wird unter anderem bei der Justizvollzugsanstalt Halle eingesetzt, denn der Schmuggel von Drogen, Waffen und Mobiltelefonen mittels Drohnen in Gefängnisse ist inzwischen fast alltäglich. Die kleinen Fluggeräte fliegen über Mauern und Zäune und lassen ihre „Ware“ entweder in den Pausenbereichen fallen oder bringen sie direkt an die Zellenfenster. Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg, Bremen und Baden-Württemberg Drohnen sichergestellt, die bei einem Flug ins Gefängnis abgestürzt waren.

Um solche Vorfälle zu verhindern, hat Hans-Jürgen Stach, Leiter der JVA Halle, schon im April 2015 das Drohnenwarnsystem installieren lassen. Es überwacht seitdem Tag und Nacht den Himmel über der verwundbarsten Seite des Gefängnisses mit Kameras, Mikrofonen und Frequenzscannern und löst einen Alarm aus, sobald eine Drohne den Zaun überquert. In den kommenden Wochen werden weitere Sensoren rund um die JVA installiert. So kann Stach sicher sein, dass keine Drohne unbemerkt in sein Gefängnis eindringt.

Stadionüberwachung

Auch Stadien schützen sich zunehmend vor Drohnen – zum einen, um illegale Filmaufnahmen von Trainings und Spielen und deren Veröffentlichung im Netz zu verhindern. Zum anderen können abstürzende Drohnen oder solche, die etwas versprühen oder abwerfen, in einem Stadion viel Schaden anrichten – von einer Massenpanik bis hin zu Toten und Verletzten. Während der US-Open im September 2015 in New York beispielsweise stürzte während eines Tennismatches eine Drohne in die Tribüne des Louis Armstrong Stadions – glücklicherweise ohne jemanden zu verletzen. Ein früherer Zwischenfall ereignete sich bereits 2014 während eines Länderspiels zwischen Serbien und Albanien. Eine Drohne mit einer großalbanischen Fahne flog während des Spiels über das Stadion und löste Krawalle aus.

Ein Verein, der vor Kurzem sein Stadion rund um den Perimeter mit dem Drohnenwarnsystem ausgestattet hat, ist der Metropolitan Baseball Club of New York, kurz New York Mets. Seit geraumer Zeit fliegen immer wieder Drohnen illegal über das Stadion. Im Falle eines Alarms werden sofort die Stadion-Security und die New Yorker Polizei benachrichtigt. Die Luftraumüberwachung zeigt schon kurz nach der Installation erste Erfolge. Lamprecht erzählt: „Innerhalb der ersten zehn Tage haben wir bereits neun Drohnen detektiert. Dabei konnten wir auch die Modelle identifizieren. Diese Informationen sind hilfreich bei der Suche nach den Tätern und zur Beweisführung.“

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Foto: Flairics GmbH

Einsatz von Drohnen

Datensicherheit gewährleisten

Die Integration von Drohnen in technische Arbeitsprozesse ist ein wichtiger Schritt bei der Digitalisierung von Unternehmen auf dem Weg zur Industrie 4.0. Aber welche Risiken bestehen überhaupt und wie kann man die eigenen Daten schützen?

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Foto: Gerd Altmann/Pixelio

Aon stellt vor

Weltkarte der Terrorgefahren

Die weltweite Bedrohung durch Terroranschläge oder politische Gewalt bleibt im Jahr 2013 groß. Dies ist das Ergebnis der Weltkarte der Terrorgefahren, die der Versicherungsmakler Aon jetzt veröffentlicht.

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Foto: Rainer Land/Pixelio

Mini-Drohnen als Sicherheitsrisiko

Gefahr von oben

„Frankreich in Angst – Mysteriöse Drohnen über Atomkraftwerken gesichtet“, titelte ein bekanntes deutsches Boulevardblatt am 11. November 2014. Die Rede war von zivilen Mini-Drohnen. Stellen diese ein unakzeptables Risiko für die innere Sicherheit, den Flugbetrieb und den Unternehmensschutz dar?

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Foto: Ralf Prokop (GNU / CC BY-SA 3.0 DE)

Awareness-Forschung

Radikalisierungen früh erkennen und bremsen

Unternehmen können sich, selbst wenn sie dies wollten, gesellschaftspolitischen Konflikten nicht entziehen. EU- oder auch US-Gesetze verpflichten sie zu Anti-Terror-Screenings und
auch im eigenen Interesse sucht die Wirtschaft nach Wegen, möglichst frühzeitig potentielle Gefährder zu erkennen: Ein aktueller oder früherer Mitarbeiter, der als IS-Attentäter auffällt, oder eine unentdeckte betriebliche Spendensammlung für Terroristen wäre nicht gut fürs Image.