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Brandschutz im größten deutschen Bürogebäude

Zukunft trifft Sicherheit

Moderne Bürogebäude beinhalten heute oftmals mehr als nur Arbeitsplätze für Angestellte. Häufig werden solche Objekte als „Lebenswelten“ konzipiert, in denen die Menschen neben ihrer Arbeitsstelle auch Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote vorfinden. Solche Gebäude stellen besondere Anforderungen an den Brandschutz, da neben einer großen Zahl an Menschen auch unterschiedliche Nutzungsarten zusammenkommen.

Das Multi-funktionsgebäude The Squaire liegt über dem Fernbahnhof Frankfurt/Main und bietet neben einer raschen Anbindung an den Zugfern-verkehr, Autobahn, Bundesstraße und den Frankfurter Flughafen eine Infrastruktur aus Büro-, Hotel- und Konferenzflächen, Gastronomie, Geschäften, Tiefgarage und Dienstleistungen. Durch die zentrale Lage kommen hier täglich rund 150.000 Fluggäste, 23.000 Bahnreisende und 300.000 Fahrzeuge vorbei. Im Komplex selbst arbeiten rund 7.000 Mitarbeiter, und etwa 10.000 Menschen halten sich täglich als Gäste und Besucher dort auf. An das Gebäude angeschlossen ist ein Parkhaus mit neun Parkebenen und insgesamt 2.500 Stellplätzen, im Gebäude selbst finden etwa 600 PKW Platz.

Der Komplex ist in eine Nord-Süd- und Ost-West-Achse unterteilt. Die Nord-Süd-Seiten werden durch fünf rücken, in denen sich auch Büros befinden, verbunden. Die Brücken markieren das weitläufige Atrium und segmentieren den Komplex in einzelne Brandabschnitte.

Vollflächiger Sprinklerschutz

Generell ist das Squaire vollflächig gesprinklert. Es gibt zwei unabhängige Sprinklerhauptzentralen sowie zwei notstromversorgte Sprinklerpumpen à 110 Kilowatt. Die Verteilung übernehmen 13 Unterzentralen, die das Wasser zu den rund 40.500 Sprinklerköpfen, davon etwa 29.000 in Wassernebelausführung, leiten.

Das großzügig angelegte Atrium mit seinen Glaselementen stellt im Brandfall ein besonderes Risiko dar, da eine Ausbreitung in die angrenzenden und durch die Brücken räumlich abgetrennten Bereiche vermieden werden muss. Daher verfügt jede Brücke über einen absenkbaren Rauchvorhang über die gesamte Breite der Konstruktion, wobei die Gesamthöhe des Vorhangs zehn Meter beträgt. Die Bereiche zwischen den Brücken des Atriums sind mit einer Sprühflutanlage gesichert. Die Anlage wird ausgelöst, sobald die in Zwei-Linien-Abhängigkeit installierten „Fire-Beams“ auslösen.

Hierbei handelt es sich um eine Sende- und Empfangseinheit, die per Infrarotstrahl miteinander verbunden sind. Im Fall eines Brandes reduziert der aufsteigende Rauch die Intensität des Infrarotstrahles zwischen Sender und Empfänger, und ein Alarm wird an die Brandmeldezentrale weitergeleitet. Die Sprühflutanlage besprinklert den gesamten Bereich innerhalb des ausgelösten Alarms vollflächig. Entstehungsbrände werden zuverlässig gelöscht und eine Brandausbreitung effektiv verhindert. Sollten besondere Veranstaltungen die Deaktivierung der Fire-Beams notwendig machen, wird eine Brandwache zur manuellen Auslösung der Anlage abgestellt.

Zahlen und Fakten zu the Squaire Länge: 660 Meter
Breite: 65 Meter
Höhe: 45 Meter (9 Etagen)
Gesamtfläche: 200.000 Quadratmeter
Gesamtmietfläche: 146.000 Quadratmeter
Büros: 96.400 Quadratmeter
Hotels: 36.100 Quadratmeter
Handel & Gastronomie: 7.800 Quadratmeter
Lagerflächen: 5.000 Quadratmeter
Atrium: 13.000 Quadratmeter
Fassaden: 2.000 Einzelfenster mit über 145.000 Quadratmetern Fläche
Aufzüge/Rolltreppen: 93/74
Türen: 7.000
Frequenz: 7.000 Mitarbeiter in den Büroräumen und täglich insgesamt rund 10.000 Menschen im Gebäude

Die Ganzglasfassade des Atriums ist mit einem verdichteten Sprinklerschutz mit Fassadensprinklern im Abstand von maximal 2,5 Metern geschützt. Der Abstand der Sprinkler zur Fassade beträgt maximal 75 Zentimeter, womit ein Brandüberschlag in höherliegende Geschosse verhindert werden soll. Diese Maßnahme ist notwendig, da eine Zerstörung eines oder mehrere Elemente einem Brand frischen Sauerstoff zuleiten würde und sich ein Feuer über die Fensteröffnung auch auf andere Geschosse ausbreiten könnte.

Der Übergang zwischen dem Ost- und Westteil über die Glaskuppel des Fernbahnhofes bedarf ebenfalls einer besonderen Lösung. An den beiden Übergängen zum Fernbahnhof sind Brandschutzvorhänge installiert, die den Rauch 30 Minuten aufhalten sollen. Um hier aber den Schutz der Feuerwiderstandsklasse F90 zu erhalten, wurde eine „Regenwandanlage“ in Sprühfluttechnik installiert, die beide Seiten des Durchgangs schützt. Die Kuppel des Fernbahnhofes selbst verfügt über eine RWA-Anlage.

Selektive Alarmierung

Für die entsprechende Alarmierung sorgen an die 9.600 automatische Brandmelder und 600 Handfeuermelder. Die Feuerwehr hat Zugriff auf insgesamt 30 vernetzte Brandmeldezentralen, tausende Feuerwehrlaufkarten und ein Lageplantableau. Sechs ELA (Elektrische Lautsprecheranlage)-Zentralen und über 7.900 Lautsprecher ermöglichen eine gezielte Ansprache der sich im Gebäude befindlichen Personen. Zur Steuerung der Brandschutztechnik kommt eine Brandfall-Steuermatrix zum Einsatz, die 360 verschiedene Szenarien berücksichtigt, je nachdem was für ein Melder wo auslöst. So werden etwa Aufzüge automatisch gesteuert, ebenso Rauch- und Entlüftungsklappen, die Druckbelüftung und die Sprachalarmierung über die ELA in dem betroffenen Bereich. Alle Alarme werden in der rund um die Uhr 365 Tage im Jahr besetzten Notrufserviceleitwarte registriert, die daraufhin die aus drei bis vier Mitarbeitern bestehende hauseigene Feuerwehr zur Erkundung losschickt. Parallel wird die Frankfurter Berufsfeuerwehr alarmiert.

Faktor Mensch

Das größte Risiko einer Brandentstehung geht vom Menschen aus, weswegen im Squaire großen Wert auf präventive Maßnahmen gelegt wird. Das Wichtigste ist dabei die Einhaltung der Brandschutzordnung und der damit verbundenen Auflagen. Daher sichert eine regelmäßige Bestreifung der Flächen, dass es nicht zu den typischen Problemen kommt, wie dem Verkeilen von Brandschutztüren, den Blockieren von Notausgängen oder das Abstellen von Brandlasten an nicht erlaubten Punkten.

Jede Mietfläche wird einmal im Jahr durch den Brandschutzbeauftragten begangen, um zu sehen, ob der Mieter sich an die Auflagen hält. Zusätzlich werden zweimal täglich alle Treppenräume und Zugänge bis zur Mietfläche durch die Hausfeuerwehr und zusätzlich tagsüber und nachts dreimal durch den Sicherheitsdienst begangen. Ebenso wird die Sprinkleranlage bestreift und der Druck in den Leitungen geprüft.

Zutrittskontrolleunterstützt Brandschutz

Das überall im Komplex verbaute Zutritts-kontrollsystem hilft im Ernstfall bei der Evakuierung der Gebäudeteile. The Squaire ist organisatorisch in vier Bereiche (Datenbanken) gegliedert, nämlich in zwei Ankermieter, das Conference-Center sowie die von der The Squaire GmbH & Co.KG verwalteten Räume und Einrichtungen. In jedem Bereich wird die Zutrittskontrolle unabhängig per Bluechip von Winkhaus gesteuert. Das System gestattet neben der individuellen Programmierung durch die vier Hauptnutzer auch die Einrichtung eines übergeordneten Schlüssels für die Feuerwehr. Die Generalschlüssel für die Feuerwehr sind in Feuerwehrschlüsseldepots nach DIN 14675 hinterlegt und können nur von der Berufsfeuerwehr Frankfurt entnommen werden. „Das genutzte Transpondersystem funktioniert darüber hinaus auch zuverlässig trotz der im Squaire verbauten Stahlmassen“, erläutert Wolfgang Fuchs, Objektberater bei Winkhaus.

Die Zutrittskontrolle ist als Offline-System implementiert, was Kosten spart. „Jeder der rund 10.000 verbauten Schließzylinder kann per Handgerät individuell konfiguriert und programmiert werden. Besonders schwere Türen, wie die für den Brandschutz, werden über einen Offline-Leser geöffnet, bei dem der Mitarbeiter seinen Bluechip-Schlüssel lediglich vor das an der Wand angebrachte Lesegerät halten muss“, so Fuchs.

Auch im Falle einer Evakuierung helfen die Online-Aufbuchleser „Timeline Access-points“ bei der Kontrolle. Jeder Mieter im Squaire muss pro Brandabschnitt mindestens zwei Räumungshelfer stellen, einen „hauptamtlichen“ und einen Stellvertreter. 32 „Kerne“ stehen als Mieteinheiten zur Verfügung, die weiter in die einzelnen Brandabschnitte untergliedert sind. So kommen für die einzelnen Abschnitte mehrere hundert Evakuierungshelfer zusammen. Diese werden jährlich vom Brandschutzbeauftragen geschult, wobei die Mieter angehalten sind, die jeweiligen Helfer zu bestellen. Das Räumen von Abschnitten wird ebenfalls praktisch geübt, um gegebenenfalls den Mietern Empfehlungen zur Optimierung auszusprechen.

Im Falle einer Räumung obliegt es den Helfern sicherzustellen, dass ihr verantworteter Brandabschnitt geräumt ist. Bei der Räumung melden sich die Helfer an einem der Accesspoints mit einem gesonderten Bluechip-Schlüssel an und signalisieren so, dass der entsprechende Abschnitt als sicher geräumt gilt, da sie die Verantwortung für die Überprüfung tragen. Über die zentrale Schlüsselverwaltung können die Mitarbeiter sofort erkennen, welche Evakuierungshelfer sich in einem betroffenen Bereich am Accesspoint abgemeldet haben. Ein von den Helfern zu überwachender Brandabschnitt ist 400 Quadratmeter groß. Sollte ein Helfer sich nicht abmelden, weil er etwa nicht anwesend ist, gilt der Abschnitt als nicht geräumt und die Feuerwehr muss diesen vorrangig prüfen.

Permanente Übung

Moderne Architektur stellt immer größere Herausforderungen an einen wirkungsvollen Brandschutz. Dabei zeigt sich, dass viele Designs sich nur mit einem vollflächigen Sprinklerschutz realisieren lassen, um offene Räume und Flächen wirkungsvoll gegen Brandentstehung zu schützen. Gleichzeitig ist es wichtig, die sich in den Objekten aufhaltenden Personen intensiv mit den Brandschutzkonzepten vertraut zu machen und dies auch nachzuhalten. Im Squaire geht man diesen Weg konsequent über die Schulung der Räumungshelfer und die regelmäßig durchgeführten Kontrollen. Nur so lassen sich im Ernstfall Personenund Sachschäden erfolgreich verhindern oder minimieren.

Hendrick Lehmann
Foto: Wikipedia/Adornix

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Foto: H. G. Esch

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Foto: m:con

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Foto: Feuerwehr Mannheim

Unterschiedliche Nutzungsarten in einem Gebäude

Jederzeit einsatzbereit

Moderne Büroarchitektur ist oftmals als Standardlösung konzipiert, mit Möglichkeiten zur individuellen Ausgestaltung durch den Nutzer. Unter Beachtung brandschutzrechtlicher Vorgaben lassen sich meist flexible Lösungen realisieren, die je nach Bedarf durch sicherheitstechnische Maßnahmen wie Zutrittskontrolle flankiert werden. Sonderbauten sind dagegen speziell gemäß Anforderungen konzipiert und geplant. Die neue Hauptfeuerwache Mannheim ist ein Beispiel, wie sich unterschiedliche Nutzungsarten in einem Gebäude effektiv vereinen lassen.