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Sicherheitsdienstleister

Attraktiver werden

Die Abbruchquote der Auszubildenden, zur Fachkraft für Schutz- und Sicherheit, ist in Deutschland sehr hoch und stellt für die privaten Sicherheitsdienstleister einen akuten Handlungsbedarf dar, wenn weiterhin eigener Nachwuchs in der Branche gefördert werden soll. Mit folgenden Handlungsempfehlungen kann der Beruf für Auszubildende attraktiver gestaltet werden.

Die Berufswahl ist ein komple- xer und individueller Prozess und wird durch psychologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Einflüsse gesteuert. Daraus ist abzuleiten, dass die Berufswahl im hohen Maße von der Attraktivität eines Berufes abhängt. Für die Berufsentscheidung sind insbesondere folgende Faktoren entscheidend:

  • die beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten
  • die Berufsanforderungen
  • der Arbeitskräftebedarf
  • die Verdienstmöglichkeiten und
  • das Image der Berufe.
Daraus ist abzuleiten, dass sich die Berufswahl stark nach Prestige, Verdienst und Status orientieren. Jedoch ist in unsicheren Zeiten der Arbeitsmarktlage zu erkennen, dass ein Wettbewerb um attraktive Berufe zu beobachten ist. Besser qualifizierte Bewerber verdrängen Bewerber mit niedrigeren Abschlüssen und nehmen deren Positionen ein. Das heißt, Abiturienten verdrängen Personen mit einem Realschulabschluss und diese wiederum diejenigen mit einem Hauptschulabschluss. Die Folge ist, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt eine eingeschränkte Berufswahl zulässt und für einige Bewerber wenig Wahlmöglichkeiten bei der Ergreifung eines Berufes ermöglicht. Jeder Mensch hat jedoch einen „Traumberuf“, der aber häufig aufgrund fehlender Qualifikationen nicht realisiert werden kann. Oftmals werden dann Berufe aus dem gleichen Sektor mit niedrigeren Qualifikationen zum Wunschberuf.

Seriöses Auftreten

Es ist mittlerweile bekannt, dass private Sicherheitsdienstleister wesentlich zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit beitragen, was jedoch gut ausgebildete Sicherheitsmitarbeiter voraussetzt. Seriöses Personal bedingt jedoch ebenso eine sorgfältige Mitarbeiterauswahl. Ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild ist für die Akzeptanz und die Wertschätzung gegenüber Sicherheitsmitarbeitern unabdingbar, um als freundlicher und kompetenter Sicherheitsmitarbeiter wahrgenommen zu werden. Mit Hilfe von Kooperationsvereinbarungen mit der Polizei können die privaten Sicherheitsdienstleister die Polizisten entlasten und zur eigenen Wertsteigerung und zur Förderung des Selbstbewusstseins beitragen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist besonders für Auszubildende interessant, die nicht die Laufbahn der Polizei anstreben konnten, aber das Tätigkeitsfeld spannend finden und sich dafür interessieren. Jedoch müssen rechtliche Grundlagen geschaffen und ausschließlich qualifizierte Sicherheitsmitarbeiter eingesetzt werden, damit die Kooperation noch intensiver erfolgen kann.

Technik will bedient sein

Neben der Qualifizierung der Sicherheitsmitarbeiter stellen Forschung und Entwicklung im Bewachungsgewerbe den wesentlichen Baustein für potenzielle Innovationen dar. Zukünftig wird die Kombination von Technik und Sicherheit immer stärker zunehmen. Jedoch setzt der Einsatz moderner Technik geschulte und qualifizierte Sicherheitsmitarbeiter voraus, damit die eingesetzte Technik bedient werden kann. Diese Chance sollte genutzt werden, denn heutzutage sind die Auszubildenden technisch affiner und begeisterungsfähig. Es wird auch dringend empfohlen, dass ausschließlich seriöse, nicht vorbestrafte und sicherheitsüberprüfte Personen ein Sicherheitsgewerbe eröffnen dürfen, die zudem ein Mindestmaß an branchenspezifischen Qualifikationen vorweisen können. Dies hätte eine Qualitätssicherung zur Folge, da der Gewerbezugang zum Bewachungsgewerbe erschwert wird, und dient als Anreiz, eine Ausbildung im Bewachungsgewerbe abzuschließen. Wenn ein Betrieb selber ausbildet, dürfen dafür nur Personen eingesetzt werden, die dazu fachlich und persönlich geeignet sind. Auch die Bereitschaft, mit der Berufsschule zu kooperieren und sich aktiv am Ausbildungsprozess zu beteiligen, ist eine wichtige Voraussetzung. Denn neben der Berufsschule hat auch der Betrieb eine wichtige Integrations- und Bildungsfunktion sowie einen Erziehungsauftrag.

Aus- und Weiterbildung

Weiterhin kann durch individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und anerkannte Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten das Bewachungsgewerbe ebenfalls an Attraktivität gewinnen und könnte zu einer durchaus begehrten Berufsgruppe für Auszubildende werden. Gesetzliche Regularien, Ausbildungen und Qualitätsstandards tragen zur Professionalität im Bewachungsgewerbe und somit zur besseren Wahrnehmung für Auszubildende bei. Das Bewachungsgewerbe sollte sich daran orientieren und aktiv werden. Denn nur mit Hilfe dieses Grundbausteines kann eine höhere Bezahlung von qualifizierten Sicherheitsmitarbeitern vertreten und ein neuer Anreiz für eine Berufsausbildung geschaffen werden. Denn jeder Mensch hat Grundbedürfnisse, ohne die er nicht überlebensfähig ist, sowie das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit. Die angemessene und gerechte Entlohnung der Arbeitsleistung führt zu materieller Sicherheit und zu einem zufriedenen Mitarbeiter. Denn motivierte Auszubildende beteiligen sich stärker, und das wiederum führt zu einer besseren Leistungsfähigkeit und Verständnis für die gestellten Aufgaben. Motivierte Mitarbeiter sind häufig der Schlüssel für eine positive Außenwirkung. Sie sind als Repräsentanten des Unternehmens oft erster Ansprechpartner und damit die „Visitenkarte“ des jeweiligen Sicherheitsdienstleisters. Aber auch Anreize wie familienfreundliche Einsatzzeiten können Sicherheitsmitarbeiter – insbesondere die weiblichen– motivieren und die Attraktivität des Berufes erhöhen. Weiterhin sollte unbedingt bei erfolgreich geleisteter Arbeit mit Lob und Anerkennung gearbeitet werden, um Auszubildende zu motivieren und deren Selbstvertrauen zu stärken.

Mediale Darstellung verbessern

Um die Darstellung der Berufsbranche positiv zu beeinflussen, sollte mit Hilfe modernen Medien die Gesellschaft mit Informationen versorgt werden. Um die gesellschaftliche Wahrnehmung positiv zu beeinflussen, sind nicht nur Medien zu verwenden, die von der eigenen Berufsbranche genutzt werden, sondern Medien, die die breite gesellschaftliche Masse erreichen. Broschüren, Internet, Radiospots oder auch Plakate sind geeignete Kanäle zur Darstellung des Bewachungsgewerbes. Besonders die Nutzung von sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Instagram, sprechen junge Menschen an und können optimal als Werbefläche genutzt werden. Öffentlichkeitsarbeit ist ein geeignetes Mittel, um die positiven Seiten der Arbeit und ihre Tätigkeitsbereiche darzustellen. Folglich sollten sich die privaten Sicherheitsdienstleister dieser Hilfsmittel bedienen, um gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Denn durch Transparenz kann das Vertrauen der Gesellschaft gewonnen und damit die Wahrnehmung positiv beeinflusst werden. Ein Image kann positiv oder negativ dargestellt werden, aber letztendlich beeinflusst die Berichtserstattungen der Medien das Erscheinungsbild der Unternehmen. Denn es signalisiert der Öffentlichkeit, ob die Unternehmen den persönlichen Bedürfnissen und Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden, was wiederum zur Imagebildung beiträgt und Auszubildende für die Branche begeistert.

Lydia Limpach, Vizepräsidentin und Prokuristin der Sicherheitsakademie Berlin