Foto: Feuerwehr Mannheim

Unterschiedliche Nutzungsarten in einem Gebäude

Jederzeit einsatzbereit

Moderne Büroarchitektur ist oftmals als Standardlösung konzipiert, mit Möglichkeiten zur individuellen Ausgestaltung durch den Nutzer. Unter Beachtung brandschutzrechtlicher Vorgaben lassen sich meist flexible Lösungen realisieren, die je nach Bedarf durch sicherheitstechnische Maßnahmen wie Zutrittskontrolle flankiert werden. Sonderbauten sind dagegen speziell gemäß Anforderungen konzipiert und geplant. Die neue Hauptfeuerwache Mannheim ist ein Beispiel, wie sich unterschiedliche Nutzungsarten in einem Gebäude effektiv vereinen lassen.

Zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Hilfsfrist unterhält die Stadt Mannheim drei ständig ausrückbereite Feuerwachen der Berufsfeuerwehr und vier Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr. Die 1975 in Betrieb genommene Feuerwache „Mitte“ genügte allerdings aufgrund ihres Alters nicht mehr den gestiegenen Anforderungen, unter anderem hinsichtlich der Unterbringung von Einsatzgeräten. Zudem war sie dringend sanierungsbedürftig. Daher wurden 2012 die Verlegung der Wache und ein Neubau beschlossen. Hauptaufgabenstellung war es, die Funktionalität einer Hauptwache für die Feuerwehr mit modernsten, zukunftsweisenden Räumlichkeiten und aktueller, bedarfsgerechter Technik abzubilden. Die schließlich nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellte Wache umfasst eine bebaute Fläche von 6.700 Quadratmetern, eine Geschossfläche von 19.700 Quadratmetern, 54 Stellplätze für Einsatzfahrzeuge (davon zwölf für die Freiwillige Feuerwehr) sowie eine eigene Tankstelle mit großem erdverbautem Diesel-Tank (30.000 Liter). Die neue Hauptfeuerwache übernimmt neben dem operativen Brand- und Katastrophenschutz auch die Funktion eines Führungs- und Hauptquartiers für die gesamte nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr der Stadt Mannheim. Neben der Berufsfeuerwehr sind zwei Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr, die Amtsleitung der Feuerwehr, die Abteilungen „Einsatz“, „Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz“ und „Verwaltung und Katastrophenschutz“ sowie die Stäbe für außergewöhnliche Schadensereignisse, die Leitstelle für die Gefahrenabwehr der Stadt Mannheim und die Verkehrsleitzentrale integriert. Die Hauptfeuerwache ist 24 Stunden in Betrieb, je nach etabliertem Schichtsystem befinden sich ständig diensthabende Feuerwehrleute auf der Feuerwache.

Innen wie außen gesichert

Der u-förmige, quartiersbildende Gebäudekomplex umschließt den zentral angeordneten Feuerwehrhof, der alle Funktionen vernetzt. Der rückwärtige Teil des Areals umfasst Übungs- und begrünte Freiflächen, die unter anderem auch den Übungshof und Übungsturm einschließen. Das gesamte Gelände ist eingezäunt und kameraüberwacht. Insbesondere die Zufahrt wird in der Leitstelle im Auge behalten, aber auch die beiden anderen Wachen sind an das System in der Hauptwache angebunden. So lassen sich zentral alle Standorte rund um die Uhr überprüfen. Zentrale Bereiche im Inneren der Hauptfeuerwache sind ebenfalls videoüberwacht, sodass sich niemand unbefugt im Gebäude aufhalten kann. Ferner gibt es eine Einbruchmeldeanlage, die vor allem den sensiblen Stockwerksteil der Leitstelle sichert. Zutritt im Inneren des Gebäudes zu einzelnen Bereichen ist nur mit einem Mitarbeiter- oder Besucherausweis möglich, der zeitlich und räumlich definiert werden kann. In der Wache sind die Berechtigungen in Gruppen angelegt, sodass alle die für sie freigeschalteten Räume erreichen können. Die Türen sind mit entsprechenden Beschlägen ausgestattet, die Offline-Daten mit aktuellen RFID-Ausweisen auslesen. Die Türbeschläge lassen sich individuell mit zeitlich begrenzter Gewährung von Zutritten konfigurieren. Im Erdgeschoss nahe der Pforte ist auch ein Raum für Pressevertreter oder Besuchergruppen vorhanden, sodass Externe vom Eingang dorthin nur einen kurzen Weg haben und nicht durch das ganze Gebäude gehen müssen.

Den eigenen Brandschutz im Blick

Das gesamte Gebäude ist in entsprechende Brandabschnitte unterteilt und mit Brandmeldern ausgestattet. Feuerschutztüren sind ebenfalls mit Meldern ausgestattet, um im Brandfall selbstständig zu schließen. Zusätzlich gibt es optische Signalgeber, und jeder Raum ist an das ELA-System angeschlossen, auch um im Alarmfall die Kollegen jederzeit überall erreichen zu können. Eine rasche Evakuierung ist über die Treppenhäuser als voneinander unabhängige Rettungswege gewährleistet. Da im Alarmfall die Kollegen rasch zum Löschzug eilen müssen, sind die Wege im Gebäude auf kurze Distanzen ausgelegt, nicht zuletzt durch die insgesamt neun Feuerwehr-„Rutschstangen“. Sollte ein Brandmelder auslösen, wird ein Löschzug besetzt und vor die Halle gefahren. „Bis auf die Leitstelle wird das gesamte Gebäude geräumt. Danach behandeln die Kollegen den Alarm wie einen gewöhnlichen in einem anderen Gebäude auch“, erläutert Thorsten Jacqui, Wachleiter Hauptfeuerwache. Im Erdgeschoss ist das Feueranzeigetableau untergebracht, auf dem sich zügig Ort und Art der Meldung ablesen lassen. In der Leitstelle können die Kollegen sich den auslösenden Melder anzeigen lassen und über weitere Maßnahmen entscheiden.

Leitstelle ausfallsicher gestaltet

Die Leistelle als Herzstück ist als autarker Sicherheitsbereich in einem eigenen Gebäudeabschnitt mit mehr als 900 Quadratmetern untergebracht. Gemäß Norm 50518 für Alarmempfangsstellen waren hier besondere Anforderungen baulicher, technischer und organisatorischer Art zu berücksichtigen. Der Zugang ist nur über besonders gesicherte Schleusen möglich, alle Zugänge sind videoüberwacht. Zutritt haben nur bestimmte Mitarbeiter, die sich per Ausweis an den Interflex-Terminals anmelden müssen. Alle dem Bereich zugehörigen Büro- und Sozialräume sind an die Einbruchmeldeanlage angeschlossen. Das Herzstück bildet der Disponentenraum, in dem die eingehenden Notrufe bearbeitet und die Einsatzkräfte geführt werden.

Hier halten sich zu jeder Zeit zwei Mitarbeiter auf. Diese nehmen nicht nur eingehende Notrufe entgegen, sondern haben auch ein Auge auf alle der Videoüberwachung angeschlossenen Bereiche. Die Leitstelle verfügt über Brandmelder im Boden zur Überwachung von Kabeln sowie ein Rauchansaugsystem (RAS) in der Decke. Ein solches System überwacht auch den dazugehörigen Serverraum. Weitere CO2-Löschmittel stehen in der Leitstelle bereit. Im Brandfall wird die Leitstelle erst evakuiert, wenn dies absolut notwendig sein sollte. Die Kollegen haben daher in der Leitstelle ein separates Feuerwehr-Anzeigetableau, um zu sehen, wo auf dem Stockwerk ein Melder ausgelöst hat, um dann über eine Evakuierung entscheiden zu können. „Aus Gründen der Ausfallsicherheit werden alle technischen Einrichtungen mindestens doppelt vorgehalten. Ebenso die Serveranlagen, die auch in verschiedenen Stockwerken und Brandabschnitten untergebracht sind“, so Jacqui. Die EDV der Leitstelle ist ferner bis auf die Möglichkeiten der Fernwartung komplett vom Internet getrennt, um größtmöglichen Schutz vor möglichen Hack- oder Sabotageangriffen zu gewährleisten. Direkt an die Leitstelle angrenzend befindet sich der Ausnahme-Abfrageraum. Hier können bei hohem Einsatzaufkommen durch die Löschzugmannschaft zusätzlich Notrufe angenommen werden. Auf derselben Etage und innerhalb des gesicherten Gebäudeabschnitts befinden sich auch die Büroräume für die Administration, Datenpflege, Lagedienst sowie Schulungs- und Pausenräume für das Leitstellenpersonal.

Autark versorgt

Die größtmögliche Ausfallsicherheit gewährleisten zu können, war ein zentraler Aspekt bei der Planung. Daher wurden beim Bau auch verschiedene Umweltszenarien berücksichtigt, wie etwa eine Überflutung aufgrund der relativen Nähe zum Rhein. Um das Gebäude dann noch betriebsbereit zu halten, sind alle Technikräume in den Obergeschossen angeordnet. Bei Stromausfällen übernimmt ein Notstromgenerator die Versorgung der gesamten Feuerwache. Die USV sorgt dafür, dass beim Ausfall des Hauptnetzes die EDV ohne Unterbrechung weiter läuft. Die Kraftstoffbevorratung ermöglicht einen Dauerbetrieb von fünf Tagen. Ferner wurde das Gebäude in der höchsten Erdbebensicherheitsklasse errichtet. Zur Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft in Krisenzeiten wird eine Dieseltankstelle mit 30.000 Liter Kraftstoffvorrat vorgehalten. Die ständige Verfügbarkeit der Notrufverbindungen und der Kommunikationsleitungen zu den Außenwachen, der Polizei und des städtischen Rechenzentrums wird über redundante Kabelwege ins Gebäude sichergestellt. Der Neubau der Mannheimer Hauptwache ist ein gelungenes Beispiel, wie sich Funktion, Nachhaltigkeit und Komfort harmonisch miteinander verbinden lassen. Alle Komponenten wie Büro- und Verwaltungsräume, Aufenthaltsbereiche und Umkleide sind baulich aufeinander abgestimmt, sodass die Kollegen nicht nur effektiv arbeiten, sondern vor Ort auch ausreichend Erholung finden können. Die eigene Sicherheit wird dabei groß geschrieben, denn letztendlich gilt es, mögliche Ausfälle so kurz und gering wie möglich zu halten, um die höchstmögliche Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.

Hendrick Lehmann

Foto: REM

Brandschutz in den Reiss-Engelhorn-Museen

Unwiederbringliches bewahren

Immer wieder wrerden Museen aufgrund eines mangelnden Brandschutzes ganz oder teilweise geschlossen. Damit in Bestandsgebäuden in erster Linie die Sicherheit der Menschen nicht gefährdet wird, sind vorausschauende Planung und regelmäßige Überprüfungen notwendig, wie das Beispiel der Reiss-Engelhorn-Museen (REM) zeigt.

Foto: Fraport

Brandschutz im größten deutschen Bürogebäude

Zukunft trifft Sicherheit

Moderne Bürogebäude beinhalten heute oftmals mehr als nur Arbeitsplätze für Angestellte. Häufig werden solche Objekte als „Lebenswelten“ konzipiert, in denen die Menschen neben ihrer Arbeitsstelle auch Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote vorfinden. Solche Gebäude stellen besondere Anforderungen an den Brandschutz, da neben einer großen Zahl an Menschen auch unterschiedliche Nutzungsarten zusammenkommen.

Foto: Wikipedia/Adornix

Brandschutz im Frankfurter Opernturm

Hoch und sicher

Der Bau von Hochhäusern stellt Brandschutzplaner vor besondere Herausforderungen, denn hier steht und fällt die Sicherheit vor allem mit dem anlagentechnischen Brandschutz. PROTECTOR ist dem Brandschutzkonzept beim Frankfurter Opernturm auf den Grund gegangen.

Foto: Lehmann

Brandschutz im Hochregallager

Hoch hinaus

Lagergebäude und Logistikzentren sind Bestandteil einer mitunter langen Supply Chain und müssen ohne Ausfall funktionieren. Fällt ein Glied dieser Lieferkette aus, hat dies in der Regel nicht nur für den Betreiber, sondern auch für die abhängigen Betriebe Folgen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an den Brandschutz.