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Coach mit Hendrik Grosse-Lefert

Komplexes Zusammenspiel

Jedes Jahr besuchen Millionen Fans die Fußballspiele der ersten drei Ligen, dazu kommen noch die zahlreichen Länderspiele der Nationalmannschaft. Neben den sportlichen Höhepunkten stehen für die Verantwortlichen vor allem die Sicherheit der Stadionbesucher sowie der reibungslose Ablauf der Spiele im Vordergrund.

In Deutschland basiert die Sicherheit in den Stadien auf einem komplexen Zusammenspiel der vorhandenen Infrastruktur in und um die Stadien sowie der verschiedenen Institutionen und Personen wie den Sicherheitsbeauf-tragten der Clubs/Vereine, den Fanbeauftragten, aber auch der Polizei und der Justiz.

Betrachtet man das Phänomen der Stadiongewalt, so handelt es sich hier häufig um wellenartige Erscheinungen, also Vorkommnisse, die einer gewissen periodischen Zu- und Abnahme unterliegen; so beispielsweise auch die Problematik von Pyrotechnik in den Stadien, die aktuell eher rückläufig ist.

Hendrik Grosse-Lefert Leiter der Hauptabteilung Prävention und Sicherheit beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Er war vorher Leiter der Polizei-Reiterstaffel Dortmund, später Polizeipresse-sprecher des nordrhein-westfälischen Innen-ministeriums sowie stellvertretender Leiter der Zentralen Einsatzstelle für Sporteinsätze.

Insgesamt ist die Sicherheitslage in den Stadien sehr gut, wobei es auf den Reisewegen außerhalb der Stadien immer wieder zu Auseinandersetzungen und Störungen kommt. Die Gründe hierfür liegen auch in den hohen Sicherheitsstandards und -maßnahmen in den Stadien, die durch die WM 2006 deutlich verbessert werden konnten. Dazu zählt unter anderem eine stark modernisierte Infrastruktur, die gezielte Videoüberwachung, die Professionalisierung der Ordnungsdienste und eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den Ordnungsdiensten und der Polizei.

Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Stadien nicht den Eindruck von vollständig durchorganisierten „Festungen“ erwecken, denn dies würde nur dazu führen, dass sich Auseinandersetzungen zwischen Fans stärker auf die Umgebung der Spielstätten und sogar den Reiseweg verlagern.

Neues Konzept

In der Diskussion um eine verbesserte Sicherheitslage in und um die Stadien ist Ende 2012 in Zusammenarbeit des DFB mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ein neues Sicherheitskonzept entstanden. Unter anderem sieht es vor, dass die Vereine der ersten drei Ligen einen regelmäßigen Dialog mit Vertretern ihrer organisierten Fanszene führen, die Polizei bei der Videoüberwachung in den Stadien mehr Kompetenzen erhält, und es an den Stadioneingängen lageabhängige intensive Kontrollen der Besucher und der von ihnen mitgeführten Gegenstände gibt.

Außerdem sollen die Ordnungsdienstkräfte unter Mitwirkung der Fan- und Sicherheitsbeauftragten für die Besonderheiten im Fußball geschult werden.

Langfristig ist Sicherheit in und um die Stadien nur durch eine nachhaltige Überzeugungsarbeit und intensive Gespräche zwischen den Verantwortlichen und den örtlichen Fangruppen zu gewährleisten. Die Erfahrung hat in der Vergangenheit gezeigt, dass ein entsprechend auf Konsens geführter Dialog zwischen allen Beteiligten die besten Ergebnisse hinsichtlich gewaltfreier Spiele erbringt.

Für die unmittelbare Sicherheit in den Stadien selbst, für die letztlich der Veranstalter die Verantwortung trägt, hat sich ein geeigneter Mix aus geschultem Personal und moderner Technik bewährt. Gerade auf eine qualifizierte Schulung und Ausbildung der Ordnerkräfte muss hierbei Wert gelegt werden. Speziell bei den nach der Gewerbeordnung ausgebildeten Ordnerkräften gilt es, diese adäquat auf die Aufgaben im Versammlungsstättenbereich und hier insbesondere auf deren Einsatz im jeweiligen Stadion vorzubereiten.

Im Hinblick auf die Problematik von Mindestlöhnen für die eingesetzten Kräfte obliegt es allen Beteiligten, insbesondere der verantwortlichen Ordnungsdienstleitung sowie den staatlichen Stellen wie dem Zoll, durch regelmäßige Kontrollen sicherzustellen, dass kein Missbrauch betrieben wird.

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Sicherheitskonzept der Fußball-WM

Eine runde Sache

Die diesjährige Fußball-WM der Frauen im eigenen Land sollte ein positives Schlaglicht auf das Gastgeberland werfen. Die Voraussetzung hierfür lag vor allem im reibungslosen Ablauf der Veranstaltung, sowohl was die Organisation betrifft als auch in der Sicherheit.

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Sicherheit in Fußballstadien

Adleraugen im weiten Rund

Der Fußball begeistert nicht nur Menschen weltweit, er stellt auch die Sicherheitsbehörden und Veranstalter vor Herausforderungen. Das Thema Sicherheit steht hier an erster Stelle, denn immer wieder kommt es in Stadien zum verbotenen Einsatz von Pyrotechnik oder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Überprüfung bisheriger Konzepte und der Einsatz neuer Technologien im Bereich der Videoüberwachung scheinen daher eine logische Konsequenz.

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Sicherheitskonzept im Borussia-Park

Ordnende Kompetenz

Wenn samstags im Borussia-Park in Mönchengladbach ein Bundesliga-Heimspiel ansteht und ein erhöhtes Sicherheitsrisiko erwartet wird, ist Bernhard Nießen die hohe Anspannung förmlich anzumerken. Der Leiter der Abteilung Stadionbetrieb und -bau sorgt als Veranstaltungsleiter auch für die Sicherheit in der Arena.

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Deutsche Bahn

Fußball-Fan-Gipfel gegen Randale geplant

Randalierende Fans in Stadien und Zügen sind nicht erst seit dem chaotischen Ende des Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC vom 16. Mai 2012 und den anschließenden Krawallen im Sonderzug nach Berlin ein Problem. DB-Konzernvorstand Gerd Brecht will nun Fans, Vereine und Verbände mit einem Fußball-Fan-Gipfel an einen Tisch bitten, um der Lage Herr zu werden – und womöglich Vereine mehr in die Pflicht zu nehmen.